Spät sind sie dran, aber endlich alle in voller Blüte: Der Iris-Farbkreis auf dem Rosenobelturm bei der Landesgartenschau in Überlingen präsentiert gerade sein komplettes Farbspektrum. Es reicht von schneeweiß über Gelb- und Apricot-Töne zu einem leuchtenden Orange. Dann wird es dunkler und gipfelt mit der sattroten „Merlot“ und der schwarz violetten „Before the Storm“. Es folgen Blautöne, die sich immer mehr aufhellen, um mit „Blue Reflection“ den Kreis wieder zu schließen.

Diese blaue Schönheit heißt „Dusky Challenger“.
Diese blaue Schönheit heißt „Dusky Challenger“. | Bild: Sabine Busse

15 Sorten sorgen für einen fließenden Farbverlauf

Diesen Farbverlauf so fließend mit den Blüten der Bart-Iris zu gestalten, hat sich Christfried Preußler zur Aufgabe gemacht. Der Überlinger Mediziner und passionierte Freizeitgärtner beschäftigt sich seit Jahren mit der Idee, einen Farbkreis zu pflanzen. Die Landesgartenschau und der besondere Platz oben auf dem Rund des Rosenobelturms haben dieses Projekt möglich gemacht. Die 15 Sorten hat er mit Hilfe von Experten der Gärtnerei Gräfin von Zeppelin ausgewählt, die auch alle Setzlinge gestiftet hat. Der Traditionsbetrieb im Markgräfler Land ist unter anderem auf die Zucht und den Vertrieb von Iris spezialisiert. Christfried Preußlers Eltern waren dort lange als Gärtner tätig, hier hat also auch seine Liebe zu den majestätischen Blumen ihre Wurzeln.

Der Übergang zwischen den Farben geht fast fließend.
Der Übergang zwischen den Farben geht fast fließend. | Bild: Sabine Busse

Jeden Tag kommt Preußler, um Blüten und Kreis zu pflegen

„Es ist eine große Freude“, beschreibt Christfried Preußler seine Gemütslage, endlich inmitten des intensiv duftenden Runds sitzen zu können. Er ist nicht der Typ für überschwängliche Gefühlsausbrüche, aber seine Zufriedenheit und das Glück, die besonderen Pflanzen hier in voller Blüte zu erleben, ist unübersehbar. Jeden Tag kommt er hierher und sammelt welke oder abgeknickte Blüten ein.

Ein Farbkreis aus lauter Iris ziert den Rosenobelturm. Der ehemalige Wehrturm wurde zu einem blühenden Garten mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.
Ein Farbkreis aus lauter Iris ziert den Rosenobelturm. Der ehemalige Wehrturm wurde zu einem blühenden Garten mit einer tollen Aussicht auf die Stadt. | Bild: Sabine Busse

Besucher staunen, schnuppern und fotografieren

Im vergangenen Jahr gab es zwar so etwas wie eine Generalprobe, bei der die im Herbst 2019 gepflanzten Blumen erstmals nebeneinander aufblühten. Wegen der Absage der Landesgartenschau allerdings ohne Besucher. „Das ist in diesem Jahr eine vollkommen andere Atmosphäre“, freut sich Christfried Preußler. „Die Leute staunen, schnuppern und es wird sehr viel fotografiert.“ Viele Besucher hätten die Iris vorher kaum gekannt und würden hier erst einmal staunen über die majestätische Pflanze.

Nach dem Anstieg auf den Rosenobelturm wird man mit dem Blick auf den in voller Blüte stehenden Farbkreis belohnt.
Nach dem Anstieg auf den Rosenobelturm wird man mit dem Blick auf den in voller Blüte stehenden Farbkreis belohnt. | Bild: Sabine Busse

Buch und Gin zu Ehren der Iris

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Bienen lieben die Begleitpflanzen des Farbkreises

Beliebtes Fotomotiv sind auch die runden Blütenbälle des Riesenlauchs oder Allium. Die weiße Sorte Mount Everest zieht viele Bienen an und gehört zu den Stauden, die als Begleitung und Ergänzung in den Beetstreifen gesetzt wurden. Die Auswahl sei anfangs umstritten gewesen, erinnert sich Preußler. „Das Allium bringt eine etwas eigenwillige Note ein, aber das gefällt mir mittlerweile richtig gut.“

Kaum ein Besucher verlässt den Rosenobelturm, ohne mindestens ein Foto von der imposanten Blütenpracht gemacht zu haben.
Kaum ein Besucher verlässt den Rosenobelturm, ohne mindestens ein Foto von der imposanten Blütenpracht gemacht zu haben. | Bild: Sabine Busse

Der Farbkreis blüht nächstes Jahr für alle

Er ist nun gespannt auf das Echo von Experten, die sicher längst ein Auge auf das besondere Iris-Projekt geworfen haben. Preußler beschäftigt sich nahezu wissenschaftlich mit der Pflanze, ihrer Herkunft, der Bedeutung in der Mythologie und dem Einsatz als Heilpflanze. Für alle, die die kurze Blütezeit der Iris auf dem Rosenobelturm in diesem Jahr verpassen, gibt es einen Trost. Im kommenden Jahr ist der Bereich frei zugänglich und der Farbkreis ist eines der Landesgartenschau-Projekte, die den Überlingern erhalten bleiben.

Fast schwarz ist die Iris mit dem Namen „Before the Storm“. Die dunkel violetten „Härchen“ auf dem hängenden Blatt zeigen, warum die Blumen Bart-Iris heißen.
Fast schwarz ist die Iris mit dem Namen „Before the Storm“. Die dunkel violetten „Härchen“ auf dem hängenden Blatt zeigen, warum die Blumen Bart-Iris heißen. | Bild: Sabine Busse