Frickingen hat ihn schon, Lippertsreute bekommt ihn bald – seinen Heinz-Sielmann-Weiher. „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ hatte der Ornithologe Peter Berthold schon vor mehreren Jahrzehnten als Devise ausgegeben, um den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt zu bremsen. Fakten geschaffen hat er seit 2005 mit Unterstützung der Heinz-Sielmann-Stiftung im Biotopverbund Bodensee, der seitdem sukzessive gewachsen ist. Realisiert wurden in der Region inzwischen 133 Einzelmaßnahmen und 44 Biotope, wie Michael Beier, Geschäftsführer der Heinz-Sielmann-Stiftung, bei seiner Stippvisite an den Bodensee sagte. In Frickingen taufte er gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Stukle das vor zehn Jahren geschaffene Gewässer im Auental auf den Namen Heinz-Sielmann-Weiher und enthüllte eine neue Informationstafel auf der Beobachtungsplattform.

Im Moment kein Wasser weit und breit – und dennoch ein Heinz-Sielmann-Weiher. Von der Beobachtungsplattform blicken Frickingens Bürgermeister Jürgen Stukle (rechts) und Michael Beier, Geschäftsführer der Stiftung, auf das vor zehn Jahren angelegte Biotop im Aubachtal zwischen Frickingen und Altheim. Das Gewässer liegt hinter den Büschen und muss wieder freigeschnitten werden.
Im Moment kein Wasser weit und breit – und dennoch ein Heinz-Sielmann-Weiher. Von der Beobachtungsplattform blicken Frickingens Bürgermeister Jürgen Stukle (rechts) und Michael Beier, Geschäftsführer der Stiftung, auf das vor zehn Jahren angelegte Biotop im Aubachtal zwischen Frickingen und Altheim. Das Gewässer liegt hinter den Büschen und muss wieder freigeschnitten werden. | Bild: Hanspeter Walter

Kosten von rund 108 000 Euro

„Wir haben den Weiher und das Biotop in unseren Apfelrundweg integriert“, sagte Jürgen Stukle, „und er wird auch von einheimischen Spaziergängern sehr gerne besucht.“ Stukle hob auf die erfolgreiche Kooperation der Stiftung mit dem Land und der Gemeinde ab, die das Vorhaben damals mit Kosten von rund 108 000 Euro gemeinsam finanziert hatten. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten war Thema: So bewirtschaftet der Frickinger Thomas Kempter das extensiv genutzte Grünland rund um das Biotop und lässt hier seine Rinder weiden.

„Naturschutz machen wir für die Menschen und es geht nur mit ihnen.“
Michael Beier

Von dem kleinen, fast zugewachsenen Gewässer war allerdings bei dem Besuch kaum etwas zu sehen. „Da müssen Sie mal wieder ihren Bauhof mit Mäharbeiten beauftragen“, gab Sielmann-Geschäftsführer Beier dem Bürgermeister mit auf den Weg. Auch dessen Vorgänger Joachim Böttinger, in dessen Ägide der Weiher entstanden war, freute sich über die bisherige Entwicklung.

„Naturschutz machen wir für die Menschen und es geht nur mit ihnen“, sagte Michael Beier. „Nur so lässt sich Akzeptanz schaffen.“ Ein positiver Aspekt der Corona-Pandemie sei gewesen, dass Menschen wieder mehr in die Natur gekommen seien. Allerdings habe sich zugleich gezeigt, dass „viele wenig Respekt vor der Natur haben“.

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Standort am Waldrand zwischen dem Hagenweiler Hof und dem Hof Schönbuch

Doch der Biotopverbund wächst weiter. Nach dem Inge-Sielmann-Weiher bei Bonndorf war 2015 im Nesselwanger Ried ein weiteres Stillgewässer auf Überlinger Gemarkung entstanden. Schon seit mehreren Jahren in Planung ist ein Gewässer in Lippertsreute am Waldrand zwischen dem Hagenweiler Hof und dem Hof Schönbuch. Um das geplante Biotop realisieren zu können, waren zunächst ein Grundstückstausch zwischen Stadt und Spital, dann eine Verständigung mit der Naturschutzbehörde erforderlich. Die aktuelle Planung sieht dort nun fünf kleinere Gewässer statt eines großen Weihers vor. Dies liegt zum einen am relativ starken Gefälle des Geländes, zum anderen an Restbeständen von Mooren, die erhalten bleiben sollen.

Der Sielmann-Weiher im Nesselwanger Ried in Überlingen.
Der Sielmann-Weiher im Nesselwanger Ried in Überlingen. | Bild: Stefan Hilser

Im Herbst soll‘s losgehen

Auf Grundlage einer mit dem Landratsamt Bodenseekreis abgestimmte Entwurfsplanung wurde im März die wasserrechtliche Plangenehmigung erteilt, wie Markus Wolf vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Forst im zuständigen Ausschuss erläuterte. Bestandteil der eingereichten Unterlagen war dabei die Anerkennung des Vorhabens als ökokontofähige Maßnahme. In diesem Herbst soll die Maßnahme umgesetzt werden.

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