Dass das Überlinger Sommertheater in seiner gewohnten Form in diesem Jahr pausieren muss, war seit langem klar. Nun werden die Weichen für die Zukunft neu gestellt. Dem Kulturamt liegen vier interessante, aber ganz unterschiedliche Angebote vor, die am Mittwoch, 20. Mai, im Ausschuss für Kultur und Bildung vorgestellt und öffentlich beraten werden sollen (17 Uhr). Eine Entscheidung über die Vergabe und das künftige Konzept muss der Gemeinderat nach dem aktuellen Fahrplan im Juni fällen. Ganz fremd ist dem Gremium keiner der Akteure, der auf die Ausschreibung hin sein Interesse bekundet hat. Festgeschrieben ist die jährliche finanzielle Beteiligung der Stadt am Sommertheater auf maximal 30 000 Euro.

Das letzte Stück des Überlinger Sommertheaters in der ehemaligen Kapuzinerkirche.
Das letzte Stück des Überlinger Sommertheaters in der ehemaligen Kapuzinerkirche. | Bild: Hanspeter Walter

Der Umbruch für das Sommertheater begann mit dem Ausstieg des Stadttheaters Konstanz im Jahr 2017, als Regisseur Bernhard Stengele mit seinem Thüringer Ensemble eingesprungen war. Die Kooperation mit Wangen brachte ein Jahr später 2018 trotz beeindruckender Inszenierungen in der teuren Ausweichspielstätte nicht den erhofften Erfolg. Im Vorjahr versuchte der Förderverein mit einem Kraftakt und dem Theater Melone von Florian Hackspiel im Pfarrzentrum die drohende Lücke zu schließen. Und dieses Jahr war wegen der geplanten Landesgartenschau eine Zwangspause angesetzt.

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Doch mit der Verschiebung der Landesgartenschau werden die Karten noch einmal ganz neu gemischt, da die Räume in der ehemaligen Kapuzinerkirche auch 2021 für die Schau der Floristen gebraucht werden. Als Ersatzstandorte kämen, so die Verwaltung, „das Katholische Pfarrzentrum, der Kursaal und eventuell auch das Salem College in Frage“. Die Saalmiete sei in diesem Fall allerdings vom Veranstalter zu entrichten. Insofern könne 2021 nur mit einem reduzierten Programmangebot gerechnet werden.

Simeon Blaesi

Ins Rennen um die Gunst des Kulturausschusses gehen am Mittwoch der Überlinger Simeon Blaesi mit seiner Bühne gGmbH, der eng mit dem Förderverein Sommertheater als offizieller Partner kooperieren will und dies in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen schon erfolgreich getan hat. Blaesi hatte unter anderem auch schon in Eigenregie viele Jahre Open-Air-Kino-Events auf die Beine gestellt und den Förderverein später bei dessen Aufgaben logistisch unterstützt.

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Theater Lindenhof

Beworben hat sich auch das Theater Lindenhof aus Melchingen auf der Schwäbischen Alb. Nicht nur bei seinen Heimspielen beweist das Ensemble seit vielen Jahren, dass die Qualität unter der Leichtigkeit einer Inszenierung keineswegs zu leiden braucht und sich damit die Zuschauerränge gut füllen lassen. Die erfahrenen Theatermacher haben ein großes Repertoire, mit dem sie bei ihrem Konzept zwei Sommertheaterwochen konzentriert füllen wollen.

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Reinhard Weigelt

Mit Eventmanager Reinhard A. Weigelt, der unter anderem die „Kultur im Kapuziner“ veranstaltet, steht ein weiterer Lokalmatador auf dem Plan. Wobei Weigelt nach eigenem Bekunden mit Skepsis auf das „Akademiker-Theater“ blickt, wie er selbst sagt. Er setzt auf eine „Entzerrung“ sowohl was den Zeitraum als auch was die Zielgruppen angeht. „Wir möchten das Sommertheater mit unserer Veranstaltungsreihe ‚Kultur im Kapuziner‘ kombinieren, beziehungsweise verschmelzen zu einem sommerlich leichten Kulturangebot für die Einheimischen aus der Region sowie als wichtiges Segment des touristischen Sommerangebots“, erläutert Weigelt seinen Plan.

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Jonathan Skawski

Der Vierte im Bunde ist der Salemer Jonathan Skawski mit seinem Verein „Affenart e.V. – verspielte Kleinkunst am Bodensee“. Skawski ist Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge und würde für das Sommertheater jeweils ein eigenes Stück neu inszenieren. Wobei sein Ensemble aus selbst ausgebildeten, beziehungsweise trainierten Amateurschauspielern und gegebenenfalls zwei bis drei Profischauspielern bestehen solle. Damit sei seine Arbeit im Vergleich zu rein professionellen Produktionen kostengunstiger. Skawski will so für 6 bis 8 Aufführungen mit einem jährlichen Zuschuss der Stadt von 9000 Euro auskommen.