„Raum ist in der kleinsten Hütte...“, tröstet sich mancher mit einem Zitat von Friedrich Schiller, wenn es mal eng wird. Schließlich fährt seine Dame in dem Lustspiel fort: „...für ein glücklich liebend Paar.“ Nun, das war vor der Pandemie. Doch auch sonst verfolgen Alleinstehende immer häufiger die Devise „think small“.

Platz ist auf dem kleinsten Grundstück, sagen sich die Erbauer und Nutzer von so genannten Tinyhäusern, die derzeit auf dem Vormarsch sind und das Herz manches Nachverdichters erfreuen – könnten. Warum also nicht kleine Baulücken für diese Konzepte nutzen, warum nicht ganze Grundstücke mit den Platz sparenden kleinen Häuschen bebauen, wenn‘s für den oder die Bewohner reicht?

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Owingens Zimmermeister Markus Veit hat mit seinem Partner, dem Architekten Wolfgang Wurster, Modulhäuser für derlei Vorhaben entworfen und umgesetzt. Veit selbst wohnt in Billafingen in einem kleinen Minihaus, das im Neubaugebiet Hasenbühl schüchtern zwischen den gewohnten Zweigeschossern hervorlugt. Es war quasi eine Art Prototyp der Zimmerei, die stets offen für unkonventionelle Ideen ist.

Markus Veit an seinem Tiny House. Als einer von drei Geschäftsführern der Zimmerei Veit berät er auch andere beim Bau eines Tiny Houses und als Ortsvorsteher von Billafingen kennt er sich auch mit den kommunalen Voraussetzungen dafür aus.
Markus Veit an seinem Tiny House. Als einer von drei Geschäftsführern der Zimmerei Veit berät er auch andere beim Bau eines Tiny Houses und als Ortsvorsteher von Billafingen kennt er sich auch mit den kommunalen Voraussetzungen dafür aus. | Bild: Wieland, Fabiane

Das wusste auch der Radolfzeller Grafikdesigner Heiko Honsell, der einmal eine Ausbildung in dem Holzbetrieb absolviert hatte und nach Ideen für ein Eigenheim suchte. Honsell ist alleinstehend und will es nach eigenem Bekunden auch bleiben. Warum nicht seine Wohnräume auf irgendein ein bestehendes Gebäude draufsetzen? Aufstockung hat ohnehin Konjunktur. Doch Honsells Aufbau ist etwas ungewöhnlich.

Tiny House in Radolfzell steht auf der Garage

„Ich habe meinen Eltern die Doppelgarage abgekauft und gemeinsam mit der Zimmerei Veit ein Häuschen darauf gebaut“, sagt der Radolfzeller. Die Maße immerhin 13 mal 6,5 Meter – dank Überstand und intelligenter Konstruktion. Nicht schlecht gestaunt hat die Baurechtsbehörde der Stadt Radolfzell, als ihr der Bauantrag ins Haus flatterte.

„Ich war überrascht, dass es genehmigt wurde“, räumt Honsell offen ein und Zimmermeister Markus Veit lobt die Kooperation im Rathaus: „Das gibt es auch.“ Wobei Bauherr Honsell durchaus betont: „Einfach war es nicht gerade.“ Immerhin ließ sich die Genehmigungsbehörde auf das Novum ein.

„Zugute kam mir, dass die Garage an eine öffentliche Straße grenzt“, sagt der Radolfzeller. So seien die vom Baurecht vorgegebenen nachbarschützenden Abstandsflächen kein Problem gewesen. Inzwischen wohnt Honsell auf der Garage und fühlt sich wohl. „Die 75 Quadratmeter reichen mir voll und ganz“, betont er. Möglich war diese Fläche, da das Häuschen über die Garage hinausragt und darunter gleichzeitig einen schützenden Carport schafft. „Ich bin sehr zufrieden.“

In Radolfzell hat Heiko Honsell sein neues kleines Eigenheim auf eine Doppelgarage bauen lassen, die jetzt zum Teil als Keller dient.
In Radolfzell hat Heiko Honsell sein neues kleines Eigenheim auf eine Doppelgarage bauen lassen, die jetzt zum Teil als Keller dient. | Bild: Heiko Honsell

In Überlingen fremdeln Stadtplanung und Gemeinderat noch mit dem Konzept

In Überlingen fremdeln Stadtplanung und Gemeinderat allerdings noch mit weniger extravaganten Ideen. So hat sich ein Bambergener Grundstückseigentümer mit der Zimmerei Veit ins Benehmen gesetzt und einen flächensparenden Bebauungsvorschlag für ein Areal im Weiler Birken entwickelt.

Doch die Verwaltung sagte „Nein, danke“ und empfahl eine Ablehnung. Das letzte Wort ist hier allerdings noch nicht gesprochen. Der Ortschaftsrat soll sich auf Wunsch des Bauausschusses noch einmal damit befassen. Zustimmung signalisiert haben die Gremien dagegen zum Entwurf eine Ferienanlage mit derlei Minibauten in Andelshofen.

Markus Veit erteilt Kleingärtnern eine Absage

Der ganze Vorgang hatte nun die Überlinger Kleingärtner von St. Leonhard auf den Plan gerufen, um eine Bebauung mit Mini-Häusern auf dem Gelände der Schrebergärten vorzuschlagen, für die jetzt ein Bebauungsplan für Mehrfamilienhäuser aufgestellt wurde.

Gerne hätte der streitbare Viktor Schlak den Billafinger Pionier als Fürsprecher gegen die Stadt Überlingen gewonnen und lud ihn zu einer Begehung ein. „Wir wollen uns hier nicht instrumentalisieren lassen“, betont allerdings Markus Veit, der Schlak eine Absage erteilte. Die Tinyhäuser seien zwar ein intelligentes und zukunftsträchtiges Konzept, sagt Veit: „Doch das passt auch nicht überall hin.“

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Wo es passen könnte, das will die SPD-Fraktion im Gemeinderat der Stadt Esslingen systematisch ermitteln und ein Konzept zur Nutzung geeigneter Baulücken für das Ballungsgebiet im Neckartal entwickeln. Sie beauftragte die Esslinger Verwaltung, geeignete Flächen ausfindig zu machen, die in begrenztem Umfang für derartige Pilotprojekte genutzt werden könnten.

Dazu hatten sie den Billafinger Zimmermeister Markus Veit jetzt zu einem Gespräch eingeladen. Mit dabei ein Kamerateam der ZDF-Sendereihe „37 Grad“, das einen Beitrag über den neuen Trend zu kleinen Häuschen plant und dafür demnächst auch in der Owinger Firma einige Sequenzen drehen will.

Denn viel ist derzeit in Bewegung. Die „Tiny House Gemeinschaft Bodensee“ will in diesen Tagen in Herdwangen-Schönach einen nicht eingetragenen Verein gründen und sich gemeinsam auf die Suche nach Grundstücken zu machen.

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