Es ist Urlaubszeit, aber genauso auch weiterhin Corona-Zeit. Das Reisen ist in diesem Sommer kompliziert. Aus diesem Grund gibt es nicht wenige Menschen, die auf den Kroatien-, Italien- oder Mallorca-Aufenthalt in diesem Jahr verzichten – und stattdessen in Deutschland bleiben.

An der Überlinger Promenade halten sich derzeit Touristen auf, die noch nie hier waren. Der Grund bei einigen dafür? Corona.
An der Überlinger Promenade halten sich derzeit Touristen auf, die noch nie hier waren. Der Grund bei einigen dafür? Corona. | Bild: Jäckle, Reiner

Aber nur zuhause rumsitzen? Das wollen die wenigsten in ihrer freien Zeit. Ein beliebter Lösungsansatz ist es, sich einen schönen Fleck in Deutschland raus zu suchen – wie eben zum Beispiel den Bodensee. Denn wie heißt es hier so schön: Da leben, wo andere Urlaub machen.

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Dass Corona neue Touristen nach Überlingen bringt, ist offensichtlich. Der Bodensee ist gerade dieses Jahr eines der beliebtesten Urlaubsziele. Zudem muss man in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern mit relativ wenigen Einschränkungen rechnen. Wir haben fünf Paare beziehungsweise Familien an der Überlinger Promenade und am Affenberg in Salem getroffen, die es an den Bodensee gedrängt hat.

Dirk und Mirjam Bamberger: „In der Sommerzeit waren wir noch nie hier“

Dirk und Mirjam Bamberger waren schon häufiger am Bodensee.
Dirk und Mirjam Bamberger waren schon häufiger am Bodensee. | Bild: Julian Widmann

Dirk und Mirjam Bamberger machen einen zufriedenen Eindruck. An der Überlinger Promenade erzählen sie, dass sie nicht das Gefühl haben, in ihrem diesjährigen Sommerurlaub etwas zu vermissen: „Der Bodensee ist mehr als nur eine gute Alternative“, sagt Mirjam Bamberger.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Ehepaar aus Hessen einen Urlaub im Süden Deutschlands verbringt. „Normalerweise reisen wir aber meist im Frühjahr an den Bodensee. In der Sommerzeit waren wir noch nie hier“, erklärt Dirk Bamberger. Der Zurückhaltung der Zeit sei es geschuldet, dass sie sich für einen Sommerurlaub in einer Ferienwohnung in Uhldingen-Mühlhofen entschieden haben.

„Wir waren jetzt viel mit dem Fahrrad unterwegs. Das Wetter war ideal und man kann sich hier eigentlich noch relativ gut größeren Massen entziehen“, sagt Mirjam Bamberger. Von den Corona-Regeln seien die beiden überhaupt nicht genervt: „Wir empfinden das hier als gerechtfertigt und angenehm.“

Familie Degen: „Wir wollten eigentlich nach Italien„

Mirjam und Daniel Degen wollten mit ihren Kindern Tim und Marie.
Mirjam und Daniel Degen wollten mit ihren Kindern Tim und Marie. | Bild: Julian Widmann

Mirjam und Daniel Degen aus Franken hatten ursprünglich den Plan, mit ihren Kindern Tim und Marie den Sommerurlaub in Italien zu verbringen. Das war Daniel, der selbstständig ist, aber dann doch zu heikel. „Direkt nach dem Urlaub in Quarantäne zu müssen, wäre für mich extrem ungünstig“, erklärt der Familienvater.

Nach einer passenden Alternative haben sie daher in Deutschland gesucht – fündig geworden sind sie am Bodensee. „Wir wussten schon, dass es sehr schön hier ist. Das hat sich definitiv bewahrheitet“, sagt Mirjam Degen. Besonders der Affenberg in Salem hat es den Kindern angetan, wie sie selbst bestätigen. Generell sei der Aufenthalt sehr angenehm. „Wir hatten mit mehr Leuten gerechnet, die Corona-Regeln sind hier eigentlich ganz gut einzuhalten“, erklärt Mirjam Degen.

Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlinger Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT).
Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlinger Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT). | Bild: Hilser, Stefan

Adi und Andrea Mittendorfer: „Corona hat uns nach Überlingen gebracht“

Kurzer Stopp in Überlingen. Adi und Andrea Mittendorfer machen eine Bodenseeradtour.
Kurzer Stopp in Überlingen. Adi und Andrea Mittendorfer machen eine Bodenseeradtour. | Bild: Julian Widmann

Adi und Andrea Mittendorfer kommen aus Österreich. In Überlingen waren sie noch nie – bis jetzt. „Corona hat uns nach Überlingen gebracht“, sagt Adi Mittendorfer. Denn aufgrund der Pandemie hat sich das Ehepaar einen schon lange ersehnten Wunsch erfüllt: eine Bodensee-Rundfahrt mit dem Fahrrad.

In Überlingen seien sie aber nur kurz: „Wir sind auf der Durchfahrt, machen hier eine Pause“, erklären die beiden. Und diese Verschnaufpause genießen sie sichtlich: „Das ist der Urlaub, der schon seit Ewigkeiten auf unserer Wunschliste steht. Es ist wunderschön hier“, sagt Andrea Mittendorfer. Nun, in Zeiten von Corona, habe die Radtour ideal in den Terminkalender gepasst.

Sebastian Jäger und Franziska Kron mit Moritz: „Ohne Corona wären wir wahrscheinlich nicht hier“

Franziska Krohn und Sebastian Jäger sind mit Sohn Moritz das erste Mal überhaupt in Überlingen.
Franziska Krohn und Sebastian Jäger sind mit Sohn Moritz das erste Mal überhaupt in Überlingen. | Bild: Julian Widmann

Franziska Krohn und Sebastian Jäger gefällt es in Überlingen so gut, „dass sie wieder kommen wollen. Ohne Corona wären wir wahrscheinlich nicht hier“, sagt Franziska Krohn. Die beiden sind gemeinsam mit Sohn Moritz das erste Mal überhaupt am Bodensee. „Wir bleiben ein paar Tage und besuchen Freunde“, erklärt Krohn.

Das Paar lebt in Usedom, war vor dem Trip an den Bodensee bereits eine Woche auf der griechischen Insel Kos. „Auf Kos haben wir uns ein bisschen sicherer gefühlt, was Corona angeht. Hier ist ja doch ganz schön was los“, sagt Franziska Krohn. Mit der nötigen Portion Vorsicht seien die Verordnungen aber recht gut einzuhalten.

Anton van den Heuvel und Marjo van der Burght: „Wir suchen uns jedes Jahr neue Urlaubsorte aus“

Anton van den Heuvel und Marjo van der Burght kommen aus Holland.
Anton van den Heuvel und Marjo van der Burght kommen aus Holland. | Bild: Julian Widmann

Bei den beiden Holländern Anton van den Heuvel und Marjo van der Burght ist es im Vergleich zu den oberen Paaren beziehungsweise Familien ein bisschen anders. Denn sie haben sich kein Reiseziel im eigenen Land ausgesucht. „Vor zwei Wochen haben wir uns spontan entschieden, erstmals an den Bodensee zu reisen.“

Jedes Jahr suchen sie sich neue Urlaubsorte aus – auch wenn die Reise immer in Italien ende. Denn da lebt ihr Sohn. In Corona-Zeiten sei der Bodensee auf jeden Fall ein geeignetes Ziel. Mit dem Fahrrad wollen sie sich täglich einen anderen Ort anschauen – Überlingen dürfe da natürlich nicht fehlen. „Wir sind überrascht, es ist nochmal schöner als auf den Bildern, die wir uns angeschaut haben“, sagt Marjo van der Burght.

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