Im eben zu Ende gegangenen Jahr war (fast) alles anders. Auch die gemeinsame Besinnung in der Jahresschlussandacht im Nikolausmünster in Überlingen, die in guter Tradition seit vielen Jahren ökumenisch begangen wurde, hatte ein anderes Gesicht. Nicht nur, dass die rund hundert Christen, die sich später vorwiegend über das Mittelschiff des Gotteshauses verteilten, zuvor mit Desinfektionsspray bedacht worden waren.

Münsterpfarrer ohne seine Kollegen am Altar

Auch Münsterpfarrer Bernd Walter nannte es „ganz ungewohnt“, dass er am Altar allein ohne die Kollegen der anderen Gemeinden stehe, die seit dem neuerlichen Lockdown ganz bewusst auf Indoor-Gottesdienste verzichteten. Es gehe ihm ein bisschen wie Miss Sophie bei ihrem „Dinner for One“. Dennoch fühle man sich im Geiste verbunden, sagte Walter und überbrachte ausdrücklich die Grüße von Dekanin Regine Klusmann und Pastor Rouven Bürkle, die in den Jahren zuvor hier an seiner Seite gestanden hätten.

Überlinger Jubiläumsjahr musste Federn lassen

Fester Bestandteil dieser Andacht ist stets ein kurzer Rückblick auf das Geschehen in der Stadt, den Franz-Josef Thalhofer vom katholischen Pfarrgemeinderat vortrug. 2020 habe noch mit einem echten ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des Überlinger Jubiläumsjahres begonnen, das aufgrund der Pandemie ebenfalls Federn lassen musste. Der Narrentag sei eine der letzten großen Veranstaltungen gewesen, die von Corona noch nicht beeinträchtigt gewesen seien.

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Schwedenprozessionen nicht im üblichen Rahmen

Anders die beiden Schwedenprozessionen, von denen die erste sich auf das Münster beschränkt hatte und die zweite in neuer ökumenischer Gemeinsamkeit mit Distanz auf der Hofstatt ganz unter freiem Himmel zelebriert worden war. Thalhofer war es auch, der die vom ökumenischen Arbeitskreis formulierten Fürbitten allein vortrug. Darin enthalten war auch der Wunsch nach Solidarität unter den mehr oder weniger von der Pandemie betroffenen Menschen.

„Mit dem neuen Jahr betritt man einen unbekannten Raum“

„Man muss das Alte gut abschließen“, sagte Pfarrer Bernd Walter, „um das Neue auch gut beginnen zu können.“ Mit dem neuen Jahr betrete man einen unbekannten Raum, wobei es auf die Haltung ankomme, mit der man ihm entgegentrete: forsch und selbstbewusst oder ängstlich und besorgt. Oder aber mit berechtigter Hoffnung und Zuversicht.

Letzteres wünschte der Geistliche den Gläubigen und versuchte ihnen mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer Mut zu machen, die während seiner Haft im Nationalsozialismus in einem Brief vor seiner letzten Weihnacht 1944 zu Papier gebracht hatte. Den Text „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ trug Pfarrgemeinderatsvorsitzende Christine Gäng eindrücklich vor, während er von Kantorin Melanie Jäger-Waldau einfühlsam mit Motiven des späteren Liedes untermalt wurde. Für aufmunternde Posaunenklänge hatte als Gastmusiker Christian Kramer gesorgt.