„Stein auf Stein, Stein auf Stein – das Haus, das muss bald fertig sein....“ Nein, soweit ist es noch nicht. So schnell, wie die Kinder des Bonhoeffer-Kinderhauses sich dies in ihrem Lied wünschten, so schnell werden sie kaum in den dringend benötigen Erweiterungsbau einziehen können. Dabei liegt der Einstieg in die Planung fast zehn Jahre zurück, wie Stadtpfarrer Kai Tilgner vom Träger Evangelische Kirchengemeinde im Rahmen des symbolischen Spatenstichs erinnerte.

Bauvorhaben kostet rund 5,5 Millionen Euro

Umso schneller soll es nun voran gehen bei dem auf rund 5,5 Millionen Euro kalkulierten Vorhaben. Die Stadt trägt von den Baukosten 70 Prozent, erklärte Oberbürgermeister Jan Zeitler, der den dringenden Bedarf an Betreuungsplätzen deutlich machte. Nach Fertigstellung des Baues werden hier sieben Gruppen untergebracht sein. Neue Einrichtungen plant die Stadt in den kommenden Jahren selbst in Nesselwangen und im Wohngebiet Südlich Härlen.

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Die Evangelische Kirchengemeinde als Bauherr und Träger der Bonhoeffer-Kindertagesstätte hatte auf das grüne Licht der Badischen Landeskirche warten müssen, nachdem sich auch dieses Projekt im Verlauf der Planung deutlich verteuert hatte. „Jetzt kann ich Ihnen schon mal den halben roten Punkt übergeben“ wandte sich OB Zeitler an Dekanin Regine Klusmann und Stadtpfarrer Kai Tilgner, ehe sie sie gemeinsam zur Tat schritten.

Zumindest die halbe Miete: OB Jan Zeitler (links) übergab Dekanin Regine Klusmann und Stadtpfarrer Kai Tilgner den halben roten Punkt als Teil-Baufreigabeschein.
Zumindest die halbe Miete: OB Jan Zeitler (links) übergab Dekanin Regine Klusmann und Stadtpfarrer Kai Tilgner den halben roten Punkt als Teil-Baufreigabeschein. | Bild: Hanspeter Walter

Selten sind Spatenstiche so fröhlich und lebendig. Doch an diesem kühlen Morgen stellten die Jungen und Mädchen des Kinderhauses trotz ihrer geringen Körpergröße die übrigen Spatenstecher fast in den Schatten. Obwohl diese in breiter Front angetreten waren mit Oberbürgermeister Jan Zeitler, Raphael Wiedemer-Steidinger, Peter Lorenz als Vertreter der Stadt, Dekanin Regine Klusmann, Stadtpfarrer Kai Tilgner und Volker Bergmann von der Evangelischen Kirchengemeinde, Robert Böhler und Andreas Niedermayer vom Überlinger Planungsbüro BGI sowie Manfred und Peter Löffler von der Rohbaufirma. Gemeinsam meisterten sie ihre Aufgabe in der großen und tiefen Baugruben souverän.

Dank, dass Stadt Kostensteigerung mitträgt

Pfarrer Kai Tilgner dankte der Stadt, dass sie die gestiegenen Baukosten mittrage. Auch wenn ihn das Bestehen auf die öffentliche Ausschreibung irritiert habe, sagte Tilgner. Dem Architekturbüro Böhler und Großhardt zollte er Respekt, dass es alle Bemühungen um kostensparende Maßnahmen bei Neubau und Sanierung mitgeplant hätten. Er dankte für das Verständnis des „Bonnie-Teams“, das zusammenrücken und flexibel bleiben müsse. Geduld werde auch Kindern und Eltern abverlangt, da das Spielgelände wegen der Baustelle massiv geschrumpft sei. „Können wir das schaffen?“ wandte sich Tilgner mit „Bob, dem Baumeister“ an die Jungen und Mädchen. Die antworteten voll Inbrunst: „Wir schaffen das.“

Video: Hanspeter Walter

Davon zeigte sich auch OB Jan Zeitler überzeugt und verwies auf den wichtigen Beitrag des Bonhoeffer-Kinderhauses für ein vielfältiges pädagogisches Betreuungsangebot der Stadt. Die Kommune habe in ihrem Haushalt rund 3,8  Millionen Euro als Kostenbeitrag eingeplant und davon bereits 300 000 Euro ausbezahlt. Vom Land werde sie dabei mit einer Investitionshilfe aus dem Ausgleichsstock in Höhe von 230 000 Euro unterstützt.

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„Gerne hätten wir unsere Nachbarn am Dekan-Schwarz- und am Carl-Benz-Weg schon früher persönlich eingeladen und informiert“, betonte Dekanin Regine Klusmann: „Doch aufgrund der Corona-Pandemie war dies einfach nicht möglich.“ Zum konkreten Baubeginn habe die Kirche daher alle angrenzenden Bewohner mit einem Brief von den Plänen in Kenntnis gesetzt und diese um Verständnis für den bevorstehenden Baulärm und die anderen Unannehmlichkeiten gebeten.

Das Gewann Hochbild-Judenkirchhof

Rabbi Abraham Ginsberg war als Gutachter aus London gekommen, um die Probeschürfungen zu verfolgen. Anschließend gab auch er grünes Licht für die Bauarbeiten.
Rabbi Abraham Ginsberg war als Gutachter aus London gekommen, um die Probeschürfungen zu verfolgen. Anschließend gab auch er grünes Licht für die Bauarbeiten. | Bild: Regine Klusmann