Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass sehr viele Laufveranstaltungen in den vergangenen Monaten abgesagt werden mussten. Allerdings haben zahlreiche Veranstalter und Organisatoren das Ganze kurzerhand virtuell stattfinden lassen. Dabei gibt es einen großen Vorteil: Jeder Teilnehmer kann vor der eigenen Haustür und auf seiner Lieblingsstrecke laufen.

Livestream von Benedikt Hoffmann und Markus Ott bei Facebook

Der Lake Estates Halbmarathon in Überlingen ist dieses Jahr zum zweiten Mal online organisiert worden. Vergangenes Jahr schaffte es Organisator Markus Dufner, Menschen auf jedem Kontinent zu finden, die bei der Veranstaltung mitliefen. Dieses Jahr waren zwar auch wieder Teilnehmer auf der ganzen Welt dabei, aber nicht mehr auf allen Kontinenten. Egal ob Bodensee, Regensburg, Berlin oder Chile: Das Überlinger Laufevent ist mittlerweile bei Laufsportfreunden fast weltweit bekannt. Vielleicht auch deshalb, weil es auch dieses Jahr über Facebook einen Livestream gab, wie Berg-, Ultra- und Trailläufer Benedikt Hoffmann mit Markus Ott von der Volksbank Überlingen den Lauf absolvierten.

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Veranstalter mit Zahl von mehr als 350 Teilnehmern zufrieden

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf und den mehr als 350 Teilnehmern“, sagt Organisator Markus Dufner von MCD Sportmarketing. „Wir haben außerdem tolle Rückmeldungen aus ganz Deutschland erhalten, was zeigt, dass virtuelle Läufe vor allem bei den Freizeitläufern sehr gut ankommen.“ Damit gebe es trotz Corona so etwas wie ein Gemeinschaftserlebnis.

Im Juli und August wieder virtueller Marathon und Triathlon

Das sei auch der Grund, warum Dufner bereits jetzt entschieden habe, dass im Juli der virtueller Marathon und im August der virtuelle Triathlon gestartet wird, wie bereits im vergangenen Jahr.

2000 Euro für Montessori-Kinderhaus Überlingen

„Hinzu kam, dass viele gesagt haben, dass sie auch für den guten Zweck gelaufen sind“, betont Markus Dufner. Die Volksbank Überlingen hat für jeden Läufer, der die Zehn-Kilometer-Strecke absolviert, eine Spende von 10 Euro zugesagt. Die Endsumme soll dem Montessori-Kinderhaus in Überlingen zugutekommen. Es waren letztlich 192 Starter über diese Distanz, sodass bei dieser Aktion 2000 Euro zusammenkamen.

Ansgar Bühler (links) aus Überlingen lief alle drei Disziplinen und absolvierte damit mehr als 36 Kilometer. Auf den letzten fünf begleitete ihn sein elfjähriger Sohn Julius (rechts), der zum ersten Mal überhaupt fünf Kilometer lief.
Ansgar Bühler (links) aus Überlingen lief alle drei Disziplinen und absolvierte damit mehr als 36 Kilometer. Auf den letzten fünf begleitete ihn sein elfjähriger Sohn Julius (rechts), der zum ersten Mal überhaupt fünf Kilometer lief. | Bild: privat

Ansgar Bühler lief gleich alle drei Strecken hintereinander

Einer der Starter war der Überlinger Ansgar Bühler, der schon viele Jahre beim Halbmarathon dabei ist. „Ich bin vergangenes Jahr alle virtuellen Veranstaltungen mitgelaufen.“ Dieses Jahr bereitet sich der Ultraläufer auf den Triathlon „Challenge Kaiserwinkl-Walchensee“ vor, sodass er beim Lake Estates Halbmarathon glatt alle drei Disziplinen nacheinander lief: neben den fünf und zehn Kilometern auch noch den Halbmarathon über 21 Kilometer. „Die beiden langen Distanzen habe ich mit meinem Freund Johannes Günzel absolviert“, erzählt Ansgar Bühler. „Bei den fünf Kilometern hat mich mein elfjähriger Sohn Julius begleitet, der zum ersten Mal diese Distanz absolvierte und sich bravourös schlug.“

Der fünffache Nordic-Walking-Weltmeister Michael Epp aus Altshauen war ebenfalls dabei, obwohl er den direkten Wettkampf gegen die Konkurrenz mehr mag.
Der fünffache Nordic-Walking-Weltmeister Michael Epp aus Altshauen war ebenfalls dabei, obwohl er den direkten Wettkampf gegen die Konkurrenz mehr mag. | Bild: privat

Nordic-Walking-Weltmeister Michael Epp aus Altshausen am Start

Ein weiterer Teilnehmer war der fünffache Nordic-Walking-Weltmeister Michael Epp aus Altshausen. 2019 war er bereits live in Überlingen dabei. Für ihn ist die Nordic-Walking-Distanz von acht Kilometern der einzige virtuelle Lauf, an dem er teilnahm. „Ich habe einen sehr guten Kontakt zum Organisator und freue mich, wenn er so etwas auf die Beine stellt“, sagt Michael Epp, räumt aber ein: „Allerdings bin ich ein Sportler, der lieber mit der Konkurrenz an der Startlinie steht und im Ziel durch ein Banner läuft.“

Simone Zier ist am Sonntag den Halbmarathon zusammen mit ihrem Bruder Florian in Regensburg gelaufen. Sie startete für den virtuellen Lauf in Überlingen, Florian für den virtuellen Lauf in Regensburg. Bild: Privat
Simone Zier ist am Sonntag den Halbmarathon zusammen mit ihrem Bruder Florian in Regensburg gelaufen. Sie startete für den virtuellen Lauf in Überlingen, Florian für den virtuellen Lauf in Regensburg. Bild: Privat | Bild: privat

Simone Zier aus München lief zusammen mit ihrem Bruder, sie virtuell am Bodensee, er in Regensburg

In Regensburg absolvierte Simone Zier aus München einen Halbmarathon. „Ich bin über Facebook auf die Aktion gestoßen und fand es eine tolle Sache“, erzählt sie. „Ich trainiere momentan auf einen Marathon, da passte der halbe ganz günstig rein.“ Ihr Bruder nahm am Sonntag am virtuellen Regensburg-Halbmarathon teil, sodass sie sich zum Laufen kurzerhand mit ihm und einem weiteren Freund zusammentat. „Im Ziel wurden wir dann auch gebührend von Freunden mit Trommeln und Tröten empfangen“, berichtet Simone Zier. Virtuelle Läufe sind für sie zwar kein Ersatz zum Wettkampf, aber durchaus ein „toller Anreiz und eine gute Motivation“ für Zwischendurch.

Am Ende konnten auch in Chile alle strahlen: Hans Schmitt (rechts) und die drei weiteren Teilnehmer des Teams Spondylus liefen in der Atacama-Wüste in Chile für den virtuellen Lauf in Überlingen.
Am Ende konnten auch in Chile alle strahlen: Hans Schmitt (rechts) und die drei weiteren Teilnehmer des Teams Spondylus liefen in der Atacama-Wüste in Chile für den virtuellen Lauf in Überlingen. | Bild: privat

Teilnehmer aus Chile musste vorzeitig verletzungsbedingt aufgeben

Die wohl am weitest entferntesten Teilnehmer gingen dieses Jahr in Chile an den Start. Hans Schmitt ist ein guter Bekannter von Organisator Markus Dufner und war bereits im vergangenen Jahr dabei. Dieses Mal lief er mit Witty Hidalgo Blanco, Christian Edu Vásquez Riquelme und Yoni „Motoso“ Cortés Pizarro. Er selbst hatte bei seinem Plan, die zehn Kilometer zu absolvieren, allerdings Laufpech, verletzte sich und musste nach 2,73 Kilometern aufgeben. So kamen nur drei Starter ins Ziel, die jeweils fünf Kilometer absolvierten.

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„Es hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn das Ereignis von meiner Muskelverletzung überschattet war“, sagte Hans Schmitt danach. „Vor allem der Kontakt über die Facebook-Seite war klasse.“ So sei das Quartett aus Chile in Überlingen mit dabei gewesen, „obwohl wir am anderen Ende der Welt in der Atacama-Wüste gelaufen sind“. Nun freuen sie sich auf eine Einladung nächstes Jahr nach Überlingen, hat Hans Schmitt in seinem Facebook-Eintrag geschrieben.