Geht nicht – gibt‘s nicht. Unter diesem Motto steht das Projekt „Best of Musicals“ der Jugendkantorei Überlingen unter der Leitung von Melanie Jäger-Waldau. „Als ich Mitte September eine E-Mail bekam, dass wir im November Musicals aufführen werden, habe ich zuerst gedacht, das geht gar nicht“, erinnert sich die 17-jährige Liv Augsten. Sie ist seit 2011 in der Jugendkantorei aktiv und macht bereits zum dritten Mal mit. Normalerweise probt das Ensemble ein halbes Jahr für einen solchen Auftritt. „Als wir dann aber wenige Tage später die Rollenverteilung bekamen, wussten wir, jetzt geht es los“, erzählt Liv Augsten.

Rollen aufgrund der kurzen Probezeit diesmal nur einfach besetzt

Eine weitere Besonderheit ist, dass jede Rolle nur einfach besetzt ist. „Bislang hatten wir immer eine Mehrfach-Besetzung“, erklärt Melanie Jäger-Waldau. „Dieses Mal war das aber aufgrund der kurzen Probezeit nicht möglich.“ Die Regie übernimmt wieder Isabell Marquardt. Für sie als Profi ist dieses Projekt eine besondere Herausforderung, denn in „Best of Musicals“ werden nicht nur Ausschnitte aus fünf Werken gezeigt, sondern die jeweiligen Stücke sind Zusammenfassungen mit einer abgeschlossenen Handlung. Das bedeutet, dass alles umgeschrieben und arrangiert werden musste.

Innerhalb von zwei Wochen hat Isabell Marquart die Stücke angepasst

„Ich habe alles in zwei Wochen angepasst“, berichtet Isabell Marquardt. „Ich war gefühlt Tag und Nacht am Schreiben.“ Auch bei der Koordination und der Logistik war Höchstleistung gefragt, denn bei der Besetzung mussten die Pausen zum Kostümwechsel und Umschminken mit einkalkuliert werden. „Wir haben in den ersten Wochen teilweise Rollen tauschen müssen, weil wir gemerkt haben, dass die Zeit zu knapp wird“, erzählt die Regisseurin.

Choreografin Bianca Kummer (links) und Regisseurin Isabell Marquardt (rechts), hier bei der Produktion von 2019, haben dieses Mal im Vorfeld besonders viel zu tun gehabt.
Choreografin Bianca Kummer (links) und Regisseurin Isabell Marquardt (rechts), hier bei der Produktion von 2019, haben dieses Mal im Vorfeld besonders viel zu tun gehabt. | Bild: Jäckle, Reiner

Für die jungen Darsteller ein Umzieh-Marathon

Darstellerin Maja Kauf, die drei Rollen spielt, spricht von einem Umzieh-Marathon. Eine weitere Herausforderung ist der Umbau der Bühnenbilder. Dennoch ist Maja Kauf bis in die Haarspitzen motiviert. „Ich bin zum dritten Mal dabei, aber so eine Dynamik in der Gruppe habe ich noch nie erlebt“, sagt die 16-Jährige. „Ich bin sicher, das liegt auch an den vergangenen Monaten mit Corona.“ Als feststand, dass die Jugendkantorei „Best of Musicals“ aufführt, sei eine riesige Vorfreude da gewesen, erzählt Maja Kauf. „Vor allem am Probewochenende und in der Probewoche in den Herbstferien sind wir wahnsinnig zusammengewachsen.“

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Neueinsteiger Benjamin Rehfeldt hat drei Hauptrollen Übernommen

Zusätzliche Einzelproben hatte Benjamin Rehfeldt, der zum ersten Mal dabei ist und gleich drei Hauptrollen übernommen hat. „Ich stand in der Schule schon oft auf der Bühne“, erklärt er. „Deshalb ist das für mich nichts Neues.“ Neu sei allerdings, dass das Singen im Vordergrund stehe. „Nach ein paar Proben hatte ich die Lieder aber schon ziemlich drin“, sagt der 16-Jährige selbstbewusst. „Es macht einfach unglaublich Spaß mit dem ganzen Team.“ Was ihn beeindrucke sei die Selbstverständlichkeit, wie vor allem die jungen Akteure, gerade erst um die zwölf Jahre alt, auf der Bühne stehen.

Liv Augsten als Räubermädchen in „Die Schneekönigin“ in der Produktion von 2019. Dieses Mal spielt sie unter anderem die Wendy in „Peter Pan“, die Katy in „Lampenfieber“ und die Herzkönigin in „Alice“.
Liv Augsten als Räubermädchen in „Die Schneekönigin“ in der Produktion von 2019. Dieses Mal spielt sie unter anderem die Wendy in „Peter Pan“, die Katy in „Lampenfieber“ und die Herzkönigin in „Alice“. | Bild: Jäckle, Reiner
„Jeder steht mit jedem auf der Bühne, sodass man auch mit nahezu jedem Pausen hat. Da kommt man unweigerlich mit allen in Kontakt.“
Liv Augsten, 16-jährige Darstellerin

„Da sind welche dabei, die schon vor fünf Jahren als Zuschauer dabei waren und uns heute erzählen, wie manche Szenen gespielt wurden“, sagt Liv Augsten beeindruckt. „Ich weiß noch, als ich so alt war, da war ich noch unglaublich schüchtern auf der Bühne.“ Sie sieht in der Produktion von fünf Musicals mit deutlich weniger Akteuren sogar einen Vorteil: „Es kann gar keine Gruppenbildung geben“, sagt die Überlingerin. „Jeder steht mit jedem auf der Bühne, sodass man auch mit nahezu jedem Pausen hat. Da kommt man unweigerlich mit allen in Kontakt.“ Maja Kauf fügt hinzu: „Und das Singen bringt uns zusammen.“

Drei Schüler mit Beeinträchtigung machen die Aufführungen auch zum Inklusionsprojekt

Das Team um Melanie Jäger-Waldau, Isabell Marquardt und Choreografin Bianca Kummer hat einige schlaflose Nächte hinter sich. Schließlich musste es auch 14 Akteure integrieren, die noch nie mitgespielt haben. Mit dabei sind unter anderem drei Schüler der Camphill-Schulgemeinschaften Brachenreuthe. Damit ist „Best of Musical“ auch ein Inklusionsprojekt.

Maja Kauf im Jahr 2019 als Schneeball im Musical „Die Schneekönigin“. Dieses Mal spielt die 16-Jährige die Hauptrollen Paula in „Lampenfieber“, die Haselmaus in „Alice“ und Gisela in „Die Schneekönigin“.
Maja Kauf im Jahr 2019 als Schneeball im Musical „Die Schneekönigin“. Dieses Mal spielt die 16-Jährige die Hauptrollen Paula in „Lampenfieber“, die Haselmaus in „Alice“ und Gisela in „Die Schneekönigin“. | Bild: Jäckle, Reiner

Anspannung zur Premiere, dann „Genuss und Spaß pur“

Alle Beteiligten fiebern auf die Premiere am Freitag, 12. November im Pfarrzentrum Überlingen hin. „Die Premiere ist meistens extrem aufregend. Da sind alle wahnsinnig angespannt“, sagt Maja Kauf. „Die anderen drei Aufführungen sind dann Genuss und Spaß pur.“ Die Produktion hat vielen gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn man will. „Das Organisieren der Kostüme und die Logistik sind wahnsinnig aufwendig“, sagt Isabell Marquardt. „Die Unterstützung ist aber auch unglaublich groß. Uns unterstützen beispielsweise auch eine Mutter und ihre Tochter, die gar nicht mitspielt.“ Die Regisseurin lobt das ganze Team: „Es ist eine absolut gigantischer Atmosphäre. Alle ziehen hundertprozentig mit und sind hoch konzentriert bei der Sache.“