Bei einem Spaziergang kommt man leicht ins Gespräch. Das ist die Idee hinter den Begegnungswegen im Bodenseekreis, deren Überlinger Abschnitt jetzt eröffnet wurde. Neben einigen Gemeinderäten zählte auch Oberbürgermeister Jan Zeitler zu der Gruppe, die unter Leitung von Elke Dachauer den Auftakt machte. Die Integrationsbeauftragte der Stadt hat zusammen mit ihren Kolleginnen im Kreis das Projekt Begegnungswege entwickelt.

24 Schilder säumen sechs Kilometer langen Weg

Auf der Überlinger Route von Aufkirch nach Hödingen treffen Spaziergänger auf insgesamt 24 Schilder. Sie greifen das Thema interkulturelle Vielfalt mit Grafiken, Fragen, Zitaten, poetischen Texten und Bildern auf, wie Elke Dachauer erklärte. Jan Zeitler sprach bei seiner Begrüßung von einem wunderbaren Projekt. Der Weg lade dazu ein, sich gemeinsam Zeit zu nehmen, Integration zu erleben und sich mit der Vielfalt auseinanderzusetzen. „Ich wünsche den Wanderern auf den sechs Kilometern viele interessante Begegnungen“, sagte der OB.

Jan Zeitler lernte auf dem Weg einen Amtskollegen kennen: Nouri Arif war in Syrien ebenfalls Bürgermeister. Zu sehen sind (von links) Nouri Arif und seine Frau, Martin Keßler, Bernd Westermeyer, Jan Zeitler sowie Elke Dachauer.
Jan Zeitler lernte auf dem Weg einen Amtskollegen kennen: Nouri Arif war in Syrien ebenfalls Bürgermeister. Zu sehen sind (von links) Nouri Arif und seine Frau, Martin Keßler, Bernd Westermeyer, Jan Zeitler sowie Elke Dachauer. | Bild: Sabine Busse

Eine solche interessante Begegnung hatte der OB prompt. Zu den Teilnehmern gehörte auch Nouri Arif mit seiner Frau. Der Syrer stellte sich Jan Zeitler als Amtskollege vor. Er sei vor seiner Flucht in seiner Heimat Bürgermeister einer Stadt von ähnlicher Größe wie Überlingen gewesen.

Die Begegnungswege

Schüler im Salem College kommen aus 43 Nationen „und erleben sich hier als Menschen“

Zu dem Kreis der Unterstützer des Begegnungsweges zählt auch das Salem College, das quasi auf dem Weg liegt. Leiter Bernd Westermeyer berichtete, dass das Thema Vielfalt bei einer Institution mit Schülern aus 43 Nationen allgegenwärtig sei. Die jungen Menschen kämen teilweise aus verfeindeten Staaten. „Hier in diesem Mikrokosmos erleben sie sich als Menschen – eine gute Erfahrung.“ Die von ihnen beigesteuerten Schilder sollen beim Wandern auch Einblicke in das Leben in der Schule ermöglichen.

„Schönster Wanderweg Überlingens“ Basis für das Projekt

Für den Hödinger Ortsvorsteher Martin Keßler war es keine Frage, dass der „schönste Wanderweg Überlingens“ die Basis für das Projekt liefert. Er hatte vorab bei den Grundstückseigentümern die Genehmigungen zum Aufstellen der Schilder eingeholt.

Die Schilder am Wegesrand greifen auf unterschiedlich Weise die Themen Integration und Vielfalt auf. Hier macht ein Zitat von Nelson Mandela nachdenklich.
Die Schilder am Wegesrand greifen auf unterschiedlich Weise die Themen Integration und Vielfalt auf. Hier macht ein Zitat von Nelson Mandela nachdenklich. | Bild: Sabine Busse

An der ersten Station lernte die Gruppe, dass knapp 14 Prozent der Bewohner Überlingens einen ausländischen Pass haben. Mit 311 Personen stellen die Rumänen die größte Gruppe, vor den Italienern. So wächst im Laufe des Weges der Fundus an Gesprächsstoff. Wie schwer es ist, sich in einer neuen Sprache zurechtzufinden und am Austausch teilzunehmen, verdeutlichte die dritte Station mit einem Zitat von Nelson Mandela.

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Elke Dachauer bat den jungen Eritreer Simon Gehbrenus, einen Satz in seine Muttersprache Tikrena zu übersetzen. Selbst die Kurzfassung überforderte die Anwesenden beim Nachsprechen deutlich. Ähnlich ging es ihnen mit der arabischen Version, die Nouri Arif beisteuerte. Da die internationalen Teilnehmer aber alle gut Deutsch sprechen, ging der Austausch auf dem weiteren Weg trotzdem problemlos und lebhaft weiter.