Es sieht ein bisschen martialisch aus, wie die Pferdebeine hinten aus dem Transporter ragen. Und auch noch verkehrt herum. Dabei ist es eine Meisterleistung, wie Bildhauer Heinrich Schorno seine lebensgroße, zweiteilige Skulptur in den Kastenwagen verfrachtet hat. Damit alles hineinpasste und die Ladung nicht zu schwer wurde, musste er Teile aushöhlen und demontieren. Der zweite und namensgebende Teil von „Der letzte Fisch“ liegt schon am Seeufer. Jetzt wird das Pferd behutsam ausgepackt. Es wird später so positioniert, als würde es das gestrandete Tier hinter sich herziehen. Schornos Installation wird eine von sechs Skulpturen im Uferpark während der Landesgartenschau sein.

Künstler Heinrich Schorno baut im Uferpark seine zweiteilige Skulptur „Der letzte Fisch“ auf.
Künstler Heinrich Schorno baut im Uferpark seine zweiteilige Skulptur „Der letzte Fisch“ auf. | Bild: Sabine Busse

Er macht lieber alles allein

Für den nächsten Arbeitsschritt hat sich Heinrich Schorno eine kleine Rampe gebaut und diverse Hilfsmittel zurechtgelegt. „Ich mache das lieber alleine“, sagt er. Das sei für Material und Menschen sicherer, fügt er augenzwinkernd hinzu. Der Kopf des Pferdes liegt schon am Wegesrand und wartet auf die Wiedervereinigung mit dem Rumpf.

Für den Transport musste Heinrich Schorno die Skulptur komplett zerlegen. Bis der Rumpf des Pferdes aufgebaut ist, liegt der Kopf am Wegesrand.
Für den Transport musste Heinrich Schorno die Skulptur komplett zerlegen. Bis der Rumpf des Pferdes aufgebaut ist, liegt der Kopf am Wegesrand. | Bild: Sabine Busse

Covidyear 2020

Heinrich Schorno setzt sich mit seinem Werk kritisch mit dem Raubbau an der Natur auseinander. Aus dem Bauch des toten Fisches quellen Schläuche, eine Dose mit einem Zeichen, das vor Radioaktivität warnt, sowie ein Autoreifen mit der Aufschrift Covidyear 2020 in Anlehnung an eine bekannte Marke. Auf diese aktuelle Ergänzung ist Schorno ein bisschen stolz, wegen des gelungenen Wortspiels. Dabei räumt er gleich ein, dass das Corona-Jahr bisher für ihn wie für alle Künstler eine existentielle Bedrohung war. „Ohne meine Frau wäre ich verhungert“, sagt er ohne jede Dramatik.

Den Autoreifen ziert ein Wortspiel. Für den Künstler war 2020 kein gutes Jahr.
Den Autoreifen ziert ein Wortspiel. Für den Künstler war 2020 kein gutes Jahr. | Bild: Sabine Busse

Schweizer mit Wohnsitz in Ungarn

Dabei werkelt Heinrich Schorno weiter an seiner Skulptur und montiert noch die Gräten aus Metall in den Fisch. Er berichtet, dass er ihn aus einer ungarischen Eiche gefertigt hat und das Holz für das Pferd aus der Schweiz stammt. Das passt zum Werdegang und Leben von Heinrich Schorno. Er wurde in der Schweiz geboren und wuchs in Winthertur auf. Seine Bildhauerlehre absolvierte er in Frauenfeld, ebenfalls in der Schweiz, und zum Studium ging er an die Hochschule für Bildende Kunst nach Budapest. Auch heute arbeitet er mal in Ungarn und mal in der Schweiz vor allem mit den Materialen Holz, Stein und Bronze.

Heinrich Schorno hat seine Skulptur in Ungarn gebaut. Er lebt und arbeitet mal in der Schweiz und mal in Ungarn.
Heinrich Schorno hat seine Skulptur in Ungarn gebaut. Er lebt und arbeitet mal in der Schweiz und mal in Ungarn. | Bild: Sabine Busse

Leihgabe für den Uferpark

„Die Arbeit an der Skulptur hat unheimlich Spaß gemacht!“, berichtet Heinrich Schorno. Er freut sich, sie jetzt mit einem Jahr Verspätung den Besuchern der Landesgartenschau präsentieren zu können. Pferd und Fisch werden den Sommer über gut gesichert mit einer Stahlkonstruktion, die ein lokaler Schlosser zuliefert, als beeindruckende Skulptur mit kritischer Botschaft im Uferpark stehen. Da es sich um eine Leihgabe handelt, wird er sie danach wieder abholen, falls sich kein Käufer dafür findet.

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So große Objekte hätten halt ihren Preis, sagt Schorno. Aber das sieht er gelassen und bietet eine von seiner Frau gebackene ungarische Spezialität an. „Ich habe genug zu essen für eine Woche dabei“, sagt er lächelnd. Heinrich Schorno lässt sich von den Corona-Einschränkungen und den Widrigkeiten, zurzeit als Künstler kaum international arbeiten zu können, einfach nicht unterkriegen.