Erhebliche Bedenken gegen den Bebauungsplan Fischerhäuservorstadt, der am Montag im Bauausschuss beraten und am 28. September vom Gemeinderat als Satzung beschlossen werden soll, hat nicht nur das Landesdenkmalamt angemeldet. Für die Behörde ist der erklärte Wunsch der Stadt nach einer geregelten Nachverdichtung zwar grundsätzlich nachvollziehbar. Doch gelte es genau abzuwägen, „in welchem Maß dies mit dem historischen Charakter des Quartiers vereinbar ist“, heißt es in der Stellungnahme. Zumal das Areal nicht nur eine historische Wertigkeit besitze, sondern angesichts des laufenden Klimawandels stadtklimatisch einen großen Vorteil für die Zukunft biete.

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Kritische Einwände zum aktuellen Entwurf kommen auch vom Landratsamt hinsichtlich des Artenschutzes und vom Polizeipräsidium Ravensburg mit Blick auf die Verkehrsbelastung. Dessen Forderung nach einem Nachweis von zwei Stellplätzen pro Wohneinheit wird auch von der Unteren Verkehrsbehörde bei der Stadt geteilt. Dennoch wird sie von der Stadtplanung „im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden“ zurückgewiesen.

Das neue Baufenster im Nordwesten kollidiert aus Sicht der Denkmalpflege mit dem denkmalgeschützten Garten bei der Werkstatt Victor Mezgers. „Eine Überbauung einer historischen Gartenanlage ist nicht möglich, gegen dieses Baufenster müssen daher erhebliche Bedenken vorgetragen werden“, argumentiert sie. Dass die Stadt hier auf eine bereits 2019 erteilte Baugenehmigung verweist, will der Behörde nicht einleuchten. Schließlich habe die damals zuständige Gebietsreferentin im Rahmen einer Bauvoranfrage im Januar 2017 bereits erhebliche Bedenken vorgetragen.

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Der erste Bauantrag sei ja Auslöser für die Aufstellung des Bebauungsplans gewesen, argumentiert die Stadt. Der solle die Baugenehmigung allerdings nicht negieren. Soll heißen: Der Bebauungsplan orientiere sich an den neu genehmigten Baukörpern. Wobei dafür inzwischen wohl neue Pläne eingereicht wurden, während der seit Oktober 2019 festgesetzten Veränderungssperre, die nach einer Verlängerung Ende September ausläuft.

Baufenster an Molassekante

Das Landratsamt bemängelt die Artenschutzuntersuchungen und will nicht ausschließen, dass es „Verbotstatbestände“ gebe. Insbesondere kritisiert die Behörde, dass das Baufenster ganz an die Molassekante gelegt wurde, „obwohl diesem Bereich die höchste Empfindlichkeit in der artenschutzrechtlichen Einschätzung zuerkannt wurde“.

Die Felswand der Oberen Meeresmolasse bietet nicht nur einen reizvollen Anblick, für das geologische Landesamt birgt sie auch Gefahren ...
Die Felswand der Oberen Meeresmolasse bietet nicht nur einen reizvollen Anblick, für das geologische Landesamt birgt sie auch Gefahren für nahe gelegene Bauten. | Bild: Hanspeter Walter

Im Bereich der Oberen Meeresmolasse sei nicht nur mit lokalen Auffüllungen vorangegangener Nutzungen zu rechnen, die eventuell nicht zur Lastabtragung geeignet sind. Von den Steilhängen und Felswänden innerhalb und oberhalb des Plangebiets gehe zudem unter Umständen die Gefahr von Steinschlag und Felssturz aus. Am wenigsten überrascht von dieser Aussage dürften Anwohner sein, die selbst schon manches wegräumen mussten.