Klaus Haberstroh ist nicht gerade der emotionale Typ, aber den Stolz beim Anblick des fleißig schaufelnden Baggers auf dem Grundstück kann er nicht verbergen. „Jetzt geht es los!“, freut sich der Vorsitzende der Überlinger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV). Auf dem Areal neben der neuen Sporthalle laufen die Erdarbeiten für den Bau der Kletterhalle. Nach 14 Jahren Vorbereitung, vielen Rückschlägen und diversen Planungen geht es hier endlich für jeden sichtbar an die Umsetzung. Den offiziellen Spatenstich und eine außerordentliche Mitgliederversammlung musste der Vorsitzende wegen der Corona-Auflagen absagen.

Einen offiziellen Spatenstich zum Baubeginn der Kletterhalle wird es wegen der Corona-Auflagen nicht geben, aber der Bagger hat mit den Vorarbeiten begonnen.
Einen offiziellen Spatenstich zum Baubeginn der Kletterhalle wird es wegen der Corona-Auflagen nicht geben, aber der Bagger hat mit den Vorarbeiten begonnen. | Bild: Sabine Busse

Das Boulder- und Kletterzentrum wird den Namen „Überhang„ tragen. Bauherr ist die Überlinger Sektion des DAV, dem mit 2850 Mitgliedern größten Verein der Stadt. Die Realisierung des lange gehegten Vorhabens ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem sich zahlreiche Mitglieder einbringen.

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Vor einem Monat haben Freiwillige das von der Stadt in Erbpacht erworbene Grundstück von Bäumen und Sträuchern befreit. Die Planung ist Werk von kundigen Mitgliedern und im Sommer haben sich die ersten zehn DAVler in Radolfzell zum Kletterführer ausbilden lassen. Sie werden den Besuchern im Überhang die Nutzung erläutern und Hilfestellungen geben. Auch ein eigener Routenschrauber-Kurs ist schon organisiert. Dort lernen die Teilnehmer, wie die Kletterrouten immer wieder neu gestaltet werden können, damit das Training auch für häufig wiederkehrende Gäste nicht langweilig wird.

Video: Sabine Busse

Zu den dringendsten aktuellen Aufgaben von Klaus Haberstroh gehört nun das Spendensammeln. Die Baukosten werden aktuell mit 2,3 Millionen Euro beziffert. Nach Abzug des Eigenkapitals, der Fördersummen und einem Bankkredit müssen noch rund 300 000 Euro aufgebracht werden. Der Grund dafür sind Kostensteigerungen, wie der ungeplante Aushub des Untergrunds, den der Bagger gerade erledigt. Es hatte sich herausgestellt, dass der Boden nicht tragfähig genug ist und die oberste 1,5 Meter dicke Schicht ersetzt werden muss.

„Großes finanzielles Risiko zum Nutzen aller“

Auch der hohe Standard an Energieeffizienz sowie die gestiegenen Auflagen für den Brandschutz schlagen als Mehrkosten zu Buche. „Für die Sektion Überlingen ist dieses Projekt eine große Herausforderung, die nur durch ein enor­mes ehrenamtliches Engagement und ein großes finanzielles Risiko zum Nutzen aller bewältigt werden kann“, heißt es in der Broschüre zum Thema Sponsoring.

Klaus Haberstroh freut sich, dass es nach jahrelanger Vorarbeit endlich losgeht mit dem Bau der Kletterhalle auf dem Schul-Campus.
Klaus Haberstroh freut sich, dass es nach jahrelanger Vorarbeit endlich losgeht mit dem Bau der Kletterhalle auf dem Schul-Campus. | Bild: Sabine Busse

Klaus Haberstroh und seine Mitstreiter wollen zur Deckung des fehlenden Betrags Mitgliederdarlehen aufnehmen, Arbeiten in ehrenamtlicher Eigenleistung erledigen und Spender und Sponsoren gewinnen. „Das ist in diesen Zeiten gerade nicht einfach“, räumt er mit Hinblick auf eine von der Pandemie geschwächte Wirtschaft ein. Trotzdem ist er zuversichtlich, bald einen Hauptsponsor zu finden, der dann sein Logo an die Fassade schreiben kann und besondere Nutzungsmöglichkeiten für die Räume erhält.

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Bouldern auf 700 Quadratmetern Fläche

Dass das Kletterzentrum zum Magneten sportbegeisterter Überlinger und Gäste und damit zu einer idealen Werbeplattform wird, davon ist Haberstroh überzeugt. Das Gebäude wird innen 700 Quadratmeter Boulderflächen auf zwei Ebenen bieten und im Außenbereich stehen den Seilkletterern 500 Quadratmeter zur Verfügung. Dazu werden ein Bistro, Multifunktionsräume sowie die Geschäftsstelle des DAV dort einziehen. Auch der Schulsport soll seinen Platz haben. Allerdings muss bis zu den ersten Klimmzügen dort noch die Finanzierungslücke gestopft werden.