Eine kuriose Polizeimeldung sorgt am 20. November in Überlingen für Heiterkeit. Mit Hilfe der Beamten und einer Öffentlichkeitsfahndung wurde nach einem Stachelschwein gesucht. Dabei ist es gar nicht mal so ungefährlich, dem Tier zu nahe zu treten. „Da braucht man starke Nerven“, gibt Sandra Schuler vom Haustierhof Reutemühle in Überlingen zu bedenken.

Die Polizei berichtete im November von einem einzelnen Stachelschwein. Laut Sandra Schuler, Junior-Chefin der Reutemühle, waren es aber zwei Tiere, die hier das Weite suchten. „Sie dürfen schreiben, dass wir alle wieder eingefangen haben.“

Heldenhafter Einsatz nach Flucht vor zwei Jahren

Dass sie die Tiere einfangen konnten, ist keine Selbstverständlichkeit. Als im März 2020 schon einmal ein Stachelschwein aus dem Haustierhof abgehauen war, betätigte sich ein Bürger nahezu heldenhaft, warf eine Jacke über das Tier und fing es mit bloßen Händen ein. Er zog sich zahlreiche Stichverletzungen zu.

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Sandra Schuler weiß aus eigener Erfahrung: „Da nützen auch die dicksten Handschuhe nichts.“ Stachelschweine seien nicht nur stachelig, sondern auch bissig und glitschig. Besser sei es, die Tiere in eine Falle zu locken.

Fütterung auf der Reutemühle Video: Hilser, Stefan

Die beiden am 20. November auf der Flucht befindlichen Tiere wurden unweit des Haustierhofs gesichtet, außerdem in der Nachbargemeinde Owingen im Bereich des Golfplatzes. „Das Tier in Bambergen haben wir mit einem Käscher gefangen“, berichtet Schuler.

Der Kanadische Baumstachler – hier ein Exemplar aus der Reutemühle – ist mit den Stachelschweinen verwandt, aber weit ...
Der Kanadische Baumstachler – hier ein Exemplar aus der Reutemühle – ist mit den Stachelschweinen verwandt, aber weit possierlicher. | Bild: Laura Thiem I SK-Archiv

In den Tagen darauf sei es dann gelungen, das Tier bei Owingen mit frischem Gemüse in eine Falle zu locken. „Das Stachelschwein hat sich in der Nähe von Hühnern aufgehalten und sich am Hühnerfutter bedient.“ So lockten sie das Tier in einen eigens für die Stachelschweine gebauten Kasten und konnten es bequem zurück auf den Hof fahren.

Ausreißer vorerst separiert

Wie Sandra Schuler sagte, brachten sie die beiden Ausreißer in ein separates Gehege, das außerhalb des für Besucher zugänglichen Parkbereichs liegt. Sie vermuten, dass es innerhalb des Clans Rangkämpfe gab, die zu der Flucht geführt hatten.

Stachelschweine leben monogam und bleiben in ihrem Familienverband. Ihre Gruppe umfasse zehn Tiere. Sie fühlten sich eigentlich wohl auf der Reutemühle und hätten keinen Grund zur Flucht. Dass sie regelmäßig Nachwuchs zeugen, ist für die Betreiber des Streichelzoos ein Beleg dafür. Doch wie in jeder guten Familie, kommt es eben auch bei Stachelschweins zu Auseinandersetzungen.

Nachdem Stachelschweine aus dem Haustierhof Reutemühle abgehauen waren, erhöhte die Parkleitung den Zaun, um weitere Ausbrüche zu ...
Nachdem Stachelschweine aus dem Haustierhof Reutemühle abgehauen waren, erhöhte die Parkleitung den Zaun, um weitere Ausbrüche zu verhindern. | Bild: Hilser, Stefan

Zaun im Zoo höher gezogen

Jetzt soll erst einmal abgewartet werden, bis sich die Lage beruhigt. Dann würden sie versuchen, die Tiere erneut einzufangen und wieder zusammenzuführen. „Dafür braucht man aber echt starke Nerven“, betonte Sandra Schuler noch einmal. Außerdem beugten sie einer erneuten Flucht vor. „Wir haben den Zaun höher gezogen.“