8 Minuten und 47 Sekunden dauerte die Schweigeminute der Anti-Rassimus-Kundgebung auf dem Landungsplatz in Überlingen. 8 Minuten und 47 Sekunden dauerte der Todeskampf von George Floyd, einem Afroamerikaner, dessen Tod bei einer gewaltsamen Verhaftung gefilmt wurde. Das Video erregte weltweit Aufmerksamkeit und führte zu globalen Protestaktionen. In mehreren großen deutschen Städten gab es Solidaritätskundgebungen. Aufgrund dessen hat ein lockerer Zusammenschluss Überlinger Jugendlicher eine Kundgebung gegen Rassismus auf dem Landungsplatz organisiert.

Als eingeladene Redner berichteten Ahmad Abou Alnjoumaluhamid, Ananda Klaar, Michelle Prevot und Ashila Furze (von links) auf der Bühne mutig von ihren persönlichen Geschichten und Erfahrungen mit Rassismus.
Als eingeladene Redner berichteten Ahmad Abou Alnjoumaluhamid, Ananda Klaar, Michelle Prevot und Ashila Furze (von links) auf der Bühne mutig von ihren persönlichen Geschichten und Erfahrungen mit Rassismus. | Bild: Lorna Komm (lko)

Gut 150 feste Teilnehmer folgten der Einladung, interessierte Passanten schlossen sich sporadisch an. Vier eingeladene Redner erzählten von ihren eigenen Erfahrungen mit Rassismus. Mutig und teils sehr emotional wurde von Begegnungen mit Neonazis berichtet oder erzählt, wie es sich anfühlt, nur wegen seines Aussehens Bananen geschenkt zu bekommen oder wegen seiner Hautfarbe vom Busfahrer mit „Hallo Schwarzfahrer“ begrüßt zu werden.

Joshua Agusi, Musikproduzent, hatte erst am Vortag von der Kundgebung erfahren, kam als Besucher und ging spontan auf die Bühne, als diese für freie Redner freigeben wurde.

„Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen„, sagte Ahmad Abou Alnjoumaluhamid. „Sag was, solange du was sagen kannst“, zitierte Michelle Prevot den Freiheitskämpfer Nelson Mandela. Keiner kommt als Rassist auf die Welt, sagte sie „Hass und Rassismus müssen erst gelernt werden“, erklärte Prevot und bat darum, sein eigenes Handeln zu überdenken.

Joshua Agusi.
Joshua Agusi. | Bild: Lorna Komm (lko)

„Es macht mich müde, immer wieder auf mein Äußeres beschränkt zu werden“, erklärte Schülerin Ashila Furze. „So schafft man Konflikte und Kriege“, meinte die junge Frau. Im Anschluss an die geplanten Reden nutzen viele Teilnehmer der Kundgebung die Möglichkeit, spontan auf der Bühne von ihren Erfahrungen mit Rassismus zu reden.

Anna Schulze, Organisatorenteam
Anna Schulze, Organisatorenteam | Bild: Lorna Komm (lko)

„Es war schwer, Redner zu finden“, sagte Ananada Klaar aus dem neunköpfigen Organisationsteam auf SÜDKURIER-Nachfrage. „Man macht sich angreifbar“, sagte die 15-Jährige, die auch selber auf der Bühne stand und aus ihrem Leben erzählte. „Dennoch wollten wir nur Betroffenen eine Bühne geben, damit keiner über Dinge redet, von denen er keine Ahnung hat“, ergänzt Mitorganisator Espen Rechtsteiner, der betont, dass er als Privatperson und nicht in seiner Funktion als Jugendgemeinderat die Kundgebung unterstützt.

Espen Rechtsteiner, Organisatorenteam.
Espen Rechtsteiner, Organisatorenteam. | Bild: Lorna Komm (lko)

Mit der Kundgebung wollten sie auch in Überlingen ein Statement setzen, führt Rechtsteiner weiter aus, „auch wenn es hier in Überlingen vielleicht nicht so akut ist, wie in anderen Gegenden.“ Aber das Video sei überall auf der Welt so präsent, überall gingen die Menschen auf die Straße, „da hätte es sich falsch angefühlt, nichts zu tun“, meint Rechtsteiner.

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Mitorganisatorin Anna Schulze ergänzt, dass Protestaktionen überall notwendig seien und auch eine kleine Stadt solle zeigen, dass sie dahinter steht. Zudem seien viele der Bewohner der Stadt sehr engagiert. „Überlingen ist keine stille Stadt. Man sieht an den vielen anderen Aktionen, dass wir hier auch was zu sagen haben“, meint die Schülerin und verweist unter anderem auf die Fridays For Future Demonstrationen.

Knieend begingen die Teilnehmer der Kundgebung die acht Minuten und 47 dauernde Schweigeminute in Gedenken an George Floyd.
Knieend begingen die Teilnehmer der Kundgebung die acht Minuten und 47 dauernde Schweigeminute in Gedenken an George Floyd. | Bild: Lorna Komm (lko)