Von der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 war Überlingens Partnerstadt Bad Schandau – wie ganz Sachsen – so gut wie ganz verschont geblieben. Damals hatte sich das Virus von Süden her ausgebreitet, ausgehend von Italien und den österreichischen Hotspots wie Ischgl, wo die Gäste aus den neuen Bundesländern eher die Ausnahme sind.

Inzidenz kletterte Anfang der Woche auf 500

Umso mehr hat es gerade Sachsen in den vergangenen Wochen erwischt – mit Inzidenzen, die im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge an die 500 heranreichten. Zwischenzeitlich sanken die Zahlen zwar etwas, doch Anfang dieser Woche kletterten sie auf 501 (Stand: 11. Januar). Wie viele Experten mutmaßt auch Bürgermeister Thomas Kunack, dass der Grenzverkehr mit Tschechien eine große Rolle spielte. „Hier gibt es viel Austausch zwischen Berufstätigkeit und keine Kontrolle an der nahen Grenze“, sagt Kunack. Das ganze Land Sachsen hat daher seinen recht rigorosen Lockdown ja auch bis 7. Februar verlängert.

Kunacks Sohn brachte das Virus wohl aus Pirnaer Krankenhaus mit

Wenige Wochen vor Weihnachten hatte es allerdings Thomas Kunack mit Frau und Sohn persönlich erwischt. „Doch die Infektion nahm einen leichten Verlauf“, sagt der Bürgermeister, „und ich habe mich inzwischen ohne bleibende Folgen erholt von der Erkrankung“. Vermutlich habe sich zuvor der Sohn an seiner Ausbildungsstelle in einem Krankenhaus in Pirna infiziert, mutmaßt Kunack, der die Quarantäne noch vor dem Fest gerade abgeschlossen hatte. „Ich war lediglich drei Tage lang schlapp“, erinnert er sich. „Dann wurde es schon wieder besser.“ Mit dem typischen Verlust am Riechvermögen habe alles begonnen, inzwischen seien alle Sinne wieder intakt.

Touristische Übernachtungen gingen nur um 9,1 Prozent zurück

Die touristische Saison im vergangenen Sommer sei nach dem 15. Mai in der Hochsaison den Umständen entsprechend ähnlich gut wie am Bodensee verlaufen. Die Zahl der Übernachtungen ging gegenüber dem Jahr 2019 insgesamt im Durchschnitt nur um etwa 9,1 Prozent zurück. Das waren immer noch 630 000 Übernachtungen bei 2200 Betten. Wobei die Einwohnerzahl von Bad Schandau mittlerweile unter die 4000er-Marke gerutscht sei.

Das Zentrum der Partnerstadt Bad Schandau an der Elbe im Frühling.
Das Zentrum der Partnerstadt Bad Schandau an der Elbe im Frühling. | Bild: Hanspeter Walter

„Spontan anzureisen, war im vergangenen Sommer sehr schwierig“, blickt Thomas Kunack zurück. „Häufiger waren Hotels, Pensionen und Privatvermieter komplett ausgebucht.“ In der Regel reiche die Saison sogar mit einer Buchungsquote von 90 Prozent bis in den November, der diesmal allerdings dem Lockdown zum Opfer gefallen war.

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Die Toskana-Therme leidet dagegen ähnlich unter Einbrüchen wie die Bodenseetherme und ist natürlich aktuell ebenfalls komplett geschlossen. Die beiden Rehaeinrichtungen Falkensteinklinik und Kirnitzschtalklinik laufen dagegen bei reduzierten Kapazitäten unter strengen Hygienebedingungen weiter. Allerdings fordern sie einen negativen Schnelltest bei allen anreisenden Patienten und eine wöchentliche Kontrolle bei Ärzten und Mitarbeitern. Beide Kurkliniken gehören zum Klinikverbund des Überlinger Unternehmers Wolfgang Spang, der Ehrenbürger von Bad Schandau ist.

Ganz ungeschoren kamen die Alten- und Pflegeheime in Bad Schandau nicht davon und die drei Einrichtungen in der Verwaltungsgemeinschaft mussten im November für die Besucher einmal komplett schließen. Inzwischen werden Besucher einem Schnelltest unterworfen. Während es im Alten- und Pflegeheim St. Joseph in Rathmannsdorf auch zu einzelnen Todesfällen in Verbindung mit Corona kam, blieb das Seniorenheim am Elbufer in Bad Schandau davon nach Aussagen der Leitung davon verschont. Zu einem echten massiven Hotspot kam es nach Angaben von Bürgermeister Thomas Kunack bislang in seiner Kommune nirgends.

Anfang Januar war die Stimmung laut Kunack von Gelassenheit geprägt

Zum Jahresbeginn sei die Stimmung trotz der hohen Zahlen im Kreis, wo die Impfungen am Montag beginnen sollten, im Ort noch von Gelassenheit geprägt gewesen, sagte Kunack unmittelbar nach Dreikönig.

Besuch bei der Landesgartenschau in Überlingen

Silhouette des Elbsandsteingebirges mit Riffkiefer auf dem schwimmenden Bad Schandauer Garten für die Landesgartenschau. Die beiden Umrisse verweisen auf den Nationalpark „Sächsische Schweiz“ und auf den „Malerweg“. Dieser schönste Wanderweg Deutschlands (2007) durch das pittoreske Gebirge verdankt seinen Namen dem Umstand, dass er seit Jahrhunderten zahlreiche Maler anlockt, die sich hier auf Motivsuche machen. Das vielleicht berühmteste hier entstandene Gemälde ist Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“.
Silhouette des Elbsandsteingebirges mit Riffkiefer auf dem schwimmenden Bad Schandauer Garten für die Landesgartenschau. Die beiden Umrisse verweisen auf den Nationalpark „Sächsische Schweiz“ und auf den „Malerweg“. Dieser schönste Wanderweg Deutschlands (2007) durch das pittoreske Gebirge verdankt seinen Namen dem Umstand, dass er seit Jahrhunderten zahlreiche Maler anlockt, die sich hier auf Motivsuche machen. Das vielleicht berühmteste hier entstandene Gemälde ist Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“. | Bild: Hanspeter Walter

„Die Bürger tragen die Einschränkungen und Maßnahmen bisher zu einem ganz großen Teil mit“, erklärt der Bürgermeister. Anders als in Überlingen und einigen größeren Städten Sachsens gab es in Bad Schandau selbst bislang keine Proteste, Kundgebungen oder Demonstrationen. Es gebe zwar auch einige uneinsichtige Corona-Kritiker, „mit ihnen kann man das Gespräch am Ende nur abbrechen“, sagt Thomas Kunack.