Live, gemeinsam und analog, so präsentieren sich die Künstler des IBC in der Galerie Gunzoburg nach all den Einschränkungen durch die Coronakrise. In den Ateliers war aber von einem Lockdown nichts zu spüren, im Gegenteil. Kunst bewegt sich immer am Puls der Zeit, und so regte Corona zu manchem kreativen Werk an als Reflektion und durchaus auch kritische Auseinandersetzung.

Vernissage ohne Gedränge

Mit drei aufeinanderfolgenden Ausstellungen präsentieren die Künstler des IBC, was an neuen Werken in der letzten Zeit entstanden ist. Am Sonntag, 7. Juni, eröffnet die erste Runde der Präsentationen mit insgesamt 35 Bildern von 13 verschiedenen Künstlern. Eine Vernissage im herkömmlichen Sinne wird es aber nicht geben. Von 11 bis 18 Uhr erwarten die Künstler, sich abwechselnd, die interessierten Besucher zu gemeinsamen Gesprächen und Austausch. Damit übernehmen die Veranstalter eine Gepflogenheit der Schweizer Kunstszene: Kein terminiertes Gedränge mit Laudatio, Unterhaltungsprogramm, Häppchen und Sekt. So bleibt Luft für Gespräche in überschaubarem Rahmen, Konzentration auf die Kunst, durchaus auch untermalt mit Musik, in den aktuellen Coronazeiten aber noch mit Sicherheitsabstand und Maske.

Auseinandersetzung mit Corona

Die einzelnen Kunstwerke setzen sich teils ganz konkret mit den Umständen der Coronakrise auseinander, zeigen die eigene Empfindsamkeit, was sich in Thematik, Machart und Komposition der Arbeiten ausdrückt.

Jólanta Szalanska beschäftigt sich in ihren farbstarken, expressiven Bildern kritisch mit der geradezu zwanghaften Nutzung von Smartphones in einer vom Virus erzwungenen Isolation. Vom Licht des Displays grell erleuchtete Gesichter, leerer Blick auf ein imaginäres Gegenüber gerichtet.

Alexandra Gebhart bemerkt zu ihren recht dynamischen, abstrakten Arbeiten: „Meine schöpferische Seite wurde zur unterirdischen Quelle, die weiter sprudelte im Verborgenen, die Stille bereitete mich auf einen Ausbruch vor“.

Für Christian Scheel verdrängt Corona viele andere Probleme, Klimaerwärmung etc. „Wenn das Eis schmilzt, steigt nicht nur der Meeresspiegel, sondern es werden auch lange „verschlossene“ Dinge frei gelegt, mit neuen Überraschungen.“ Seine kleine Plastik, ein knallrot bemaltes Stück Fundholz, wirkt wie ein Geschöpf, erwacht aus ewigem Eis, ein sich windendes Gebilde mit dem Titel: „Wer weiß, was der Permafrost noch alles hervor bringt?“

Plastik von Christian Scheel: „Wer weiß, was der Permafrost noch hervorbringt“.
Plastik von Christian Scheel: „Wer weiß, was der Permafrost noch hervorbringt“.

Fryderyk Heinzel verbindet eine Reihe von Fotografien vom Bodensee zu einer geometrisch, parzellenartig aufgebauten Komposition. Wie er sagt, spiegeln sphärische, runde Formen dabei unsere Verbindung mit dem Kosmos wieder.

Fryderyk Heinzel: „Permanent Vacation“ (Fototransfertechnik)
Fryderyk Heinzel: „Permanent Vacation“ (Fototransfertechnik)

Felicia Glidden verweist in ihrem Ölgemälde „International relation“ auf die politisch angespannte und unbefriedigende Situation zwischen den Großmächten, mit einem Seitenhieb auf Donald Trump in Sachen Coronakrise.

Der Überlinger Maler Lars Höllerer sagt: „In jeder Krise steckt eben auch diese kleine und manchmal riesige Chance, sein jetziges Leben neu zu justieren, andere Wichtigkeiten zu setzen, unsere Endlichkeit zu erkennen.“ Mit dieser Ausstellung setzt der IBC ein starkes Zeichen einer wieder erwachten Lebendigkeit, Mut zu Neuem und Besserem, ein Schritt aus Isolation und Bevormundung, immer schon Anliegen Zeitgenössischer Kunst.

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