So viel Warteschlange gab es während der Landesgartenschau (LGS) nie und nirgends. An diesem Samstagmorgen schien es, als ob das Schnäppchenfieber grassierte. Bereits eine halbe Stunde vor dem angekündigten Abverkauf hatten sich an die 100 Interessierten hinter dem roten Flatterband versammelt, das den Zutritt zum Vorplatz der ehemaligen Kramerhalle noch verwehrte.

Drinnen erläuterten die LGS-Geschäftsführer Roland Leitner und Edith Heppeler dem ehrenamtlichen Helferteam die Regularien für den Abverkauf von Sonnenschirmen, Sitzkissen, Liegestühlen, Hinweisschilder und manchem Krimskrams.

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„Ich glaube, wir sollten eine Viertelstunde früher öffnen“, kündigte Leitner seinem Team schließlich an und beugte sich dem Ansturm vor der Halle, als er mit dem Halali zur Schnäppchenjagd um 9.45 Uhr die Absperrung entfernte.

Auf geht‘s zum Abverkauf der Landesgartenschau in der ehemaligen Kramerhalle.
Auf geht‘s zum Abverkauf der Landesgartenschau in der ehemaligen Kramerhalle. | Bild: Hanspeter Walter

Zu den begehrtesten Objekten gehörten die große Sonnenschirme, die im nächsten Sommer wohl landauf landab im Gartenschau-Magenta leuchten werden. Auch der Mitnahmepreis von 250 Euro pro Schirm konnte die Käufer kaum bremsen. Dass Betrag durchaus gerechtfertigt sei, gab Annette Stoll-Zeitler von der LGS mit dem Hinweis auf den Neupreis von 450 Euro zu verstehen.

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„Wir hatten rund 25 Schirme, die waren nach zehn Minuten schon weg“, berichtete Helferin Sonja Schuster. Zu spät kam eine Interessentin, die am Morgen aus Augsburg angereist war. „Schade“, sagte sie, „wir sind wegen eines Sonnenschirms gekommen.“ Doch sie habe auch eine Nichte in Überlingen und der schöne Herbsttag sei den Ausflug auch schon wert.

Bereits nach zehn Minuten ausverkauft waren die großen Sonnenschirme für 250 Euro (Neupreis war 450 Euro).
Bereits nach zehn Minuten ausverkauft waren die großen Sonnenschirme für 250 Euro (Neupreis war 450 Euro). | Bild: Hanspeter Walter

Überhaupt zog die Verkaufsaktion erstaunlich weite Kreise. Iris Geier hat zwar eine Ferienwohnung in Sipplingen und die Gartenschau mit ihrer Dauerkarte „mindestens 20-mal besucht“, war an diesem Morgen aber aus ihrer Heimatstadt Plochingen im Kreis Esslingen angereist. Und dies auch nicht vergeblich: Sie erwarb ein großes Hinweisschild auf den Rundweg, das auf den ersten Blick begrenzte Verwendungsmöglichkeiten hat. „Wir haben zuhause einen größeren Garten“, sagte Geier, „und da werde ich es am Eingang aufstellen. Das ist doch hübsch.“

Sehr gefragt waren auch die Gartenstühle aus Metall.
Sehr gefragt waren auch die Gartenstühle aus Metall. | Bild: Hanspeter Walter

Eine andere Verwendung hat Joachim Löchle aus Herdwangen-Schönach für ein Landesgartenschauschild. „Ich bringe das an unserem Privatparkplatz vor dem Haus an“, freute er sich schon, während seine Frau Sieglinde noch einen Liegestuhl für 10 Euro ergattert hatte. Schließlich gab‘s für 5 Euro noch einen nagelneuen Ersatzbezug dazu – zumindest in der Anfangsphase des Verkaufs.

Joachim und Sieglinde Löchle aus Herdwangen sind fündig geworden: Ein Schild für den eigenen Parkplatz als Erinnerungsstück und einen Liegestuhl für den Garten.
Joachim und Sieglinde Löchle aus Herdwangen sind fündig geworden: Ein Schild für den eigenen Parkplatz als Erinnerungsstück und einen Liegestuhl für den Garten. | Bild: Hanspeter Walter

Beim Flohmarkt ging es zwischenzeitlich so hoch her, dass Matthias und Hedi Wigger den Menschenstrom kanalisieren und bisweilen zur Ordnung rufen mussten. Gut, dass es da auch noch bergeweise Einkaufstüten mit dem Landesgartenschau-Aufdruck gratis gab.

Quasi als kleines Give-Away gab es die Einkaufstaschen gratis.
Quasi als kleines Give-Away gab es die Einkaufstaschen gratis. | Bild: Hanspeter Walter

Als Roland Leitner gegen 10.30 Uhr bereits den 600. Lieferschein aushändigte, begehrten immer noch an die 100 Interessenten Zutritt. Weit mehr als 100 Käufer standen zu diesem Zeitpunkt an der Kasse in der Warteschlange, die durch die ganze Halle und wieder zurück reichte. Im Supermarkt hätte längst jemand „zweite Kasse“ gerufen. Doch die Schnäppchenjäger trugen es mit Fassung und Geduld.

Geduldig reihten sich die Käufer in die Warteschlange an der Kasse ein
Geduldig reihten sich die Käufer in die Warteschlange an der Kasse ein | Bild: Hanspeter Walter

„Damit habe ich gerechnet“, zeigte sich Geschäftsführerin Edith Heppeler weniger überrascht als Oberbürgermeister Jan Zeitler: „Das ist ja Wahnsinn, was hier abgeht.“ Nein, er sei nicht auf der Suche nach Erinnerungsstücken, versicherte Zeitler glaubhaft. „Ich wollte mir nur ein Bild machen.“ Auch der langjährige Stadtrat und Gartenschaufreund Winfried Ritsch war im Rollstuhl gekommen und wunderte sich überhaupt nicht über den Ansturm. „Schon um 6 Uhr habe ich heute Morgen den ersten Hinweis auf den Gartenschau-Verkauf gehört“, sagt Ritsch.

Was man unter den Arm klemmen kann, lässt sich getrost nach Hause tragen.
Was man unter den Arm klemmen kann, lässt sich getrost nach Hause tragen. | Bild: Hanspeter Walter

Für die ehrenamtlichen Helfer, von denen auch an diesem Tag wieder viele gefordert waren, hatte die Koordinatorin Maria Bussemer ein Präsent: einen Adventskalender mit Gruppenbild am See und süßem Inhalt. „Ich habe das nicht zum ersten Mal gemacht“, plauderte sie aus dem Nähkästchen: „Doch so viel Begeisterung und Engagement bei den Helfern habe ich bisher noch nicht erlebt“.

Maria Bussemer, die Koordinatorin der Ehrenamtlichen, verteilte Adventskalender mit Gruppenbild an die zahlreichen Helfer.
Maria Bussemer, die Koordinatorin der Ehrenamtlichen, verteilte Adventskalender mit Gruppenbild an die zahlreichen Helfer. | Bild: Hanspeter Walter