Viele der Gäste waren Flüchtlinge, die mit ihren Familien gekommen waren und so war es ein Abend voll gelebter Integration. Dass die 1621 von Weihbischof Johan Jakob Mirgel gegründete Klosterkirche des ursprünglich französischen Bettelordens der römisch-katholischen Kirche gleichzeitig Drehort eines Films und Veranstaltungsort zum Thema Integration muslimischer Mitbürger wurde, ist bedeutend.

Organisatorin Elke Dachauer beschreibt den Anlass dieser besonderen Veranstaltung im Kapuziner wie folgt: "Unsere Idee war dieses Treffen heute, um neue Bilder in unseren Köpfen entstehen zu lassen", sagte die Integrationsbeauftragte für die Stadt Überlingen und die Gemeinde Owingen. Der Kurzfilm "anders. wie du" dominierte den Abend. Damaskus, die syrische Hauptstadt, ist die Heimatstadt des Polizisten Fadi Al Saleh und des Managers Ammar Sheiban. Beide Männer beschreiben ihren Alltag in "der Stadt, die ich liebe", so Fadi Al Saleh, bevor der Krieg kam, als unbeschwert und unbelastet. "Meine Firma war sehr erfolgreich, ich war sehr erfolgreich, die Wirtschaft blühte, jeder hatte Arbeit. Wir machten Urlaub am Strand, niemand störte sich an den Bikinis", erzählt der 46-jährige Manager Amman Sheiban. Der Polizist Al Saleh ergänzt: "Damaskus war sicher, wir hatten ein reiches Angebot an tollen Früchten und Gemüse, die waren sogar günstiger als hier in Deutschland."

Den Filmemachern Ivo Großner und Uwe Paschmann ist mit einfachen, aber eindringlichen Mitteln ein eindrucksvolles filmisches Dokument gelungen, darüber waren sich die aufmerksamen Zuschauer einig. Nach den Schilderungen über unbeschwerte Abende im Kreise ihrer Familien kam der Krieg in das Leben der Hauptdarsteller – und sie wurden zu Flüchtlingen. Unaufgeregt sprechen beide ganz sachlich vom Horror des Anblicks der sieben toten Polizei-Kollegen oder Schüsse nachts vor dem Wohnhaus des Managers. Fadi al Salehs Flucht dauerte insgesamt fünf Jahre und sechs Monate, davon verbrachte er vier Jahre in der Türkei im Zelt, ohne Schule für seine Kinder. Der Syrer hat sieben Kinder, die ganze Familie lebt jetzt in Owingen. Die Familie Sheiban wohnt jetzt in Unteruhldingen.

Emotional waren dann die Antworten der Hauptdarsteller auf die Fragen aus dem Publikum. Bewusst bat Moderator Ivo Großmann, auf politische Fragen zu verzichten. Ob er denn mit seiner Familie nach Damaskus zurückkehren wolle, wurde beispielsweise Ammar Sheiban gefragt. "Das entscheiden jetzt auch meine Kinder, die hier zur Schule gehen und aufwachsen", antwortete der Familienvater. Gerne würden die beiden syrischen Männer wieder arbeiten gehen und sie lernten dafür die deutsche Sprache, erklärte der ehemalige Manager auf deutsch.

Künstlerisch anspruchsvolles lieferte an diesem Abend Reham Abo Al-Nojoom. Die gebürtige Syrerin studierte Malerei, Holzbildhauerei und Fotografie in Damaskus und stellte auch schon in New York aus. Die Erlöse aus dem Verkauf der Bilder der Kunstausstellung "anders. wie du" der 25-Jährigen im Kapuziner gehen zum Teil an die Überlinger Flüchtlingshilfe. Musikalisch begeisterte der Kurde Hussein Mahmoud auf einem kurdischen Saiten-Instrument, der Saz. Er spielte unter anderem "Die Gedanken sind frei", zeigte die ganze Klangbreite seines Instruments und die Zuschauer applaudierten lange.

Henrik Wengert, Bürgermeister von Owingen, fand trotz des übervollen Kalenders anlässlich der bevorstehenden Bürgermeisterwahl in seiner Gemeinde Zeit, an diesem Abend im Kapuziner dabei zu sein. Gemeinderat Oswald Burger vertrat den Überlinger Oberbürgermeister Jan Zeitler, der in seinem Begleitwort im Film von "gegenseitigem aufeinander zugehen" sprach. Die offiziellen Vertreter, darunter auch die evangelische Dekanin Regine Klusman, gaben der Veranstaltung eine gewisse Wichtigkeit, die die Veranstalter ehrte. Der Flüchtlings-Helferkreis freute sich darüber und kredenzte kulinarische Köstlichkeiten. Der Zweck dieses Abends war vollkommen erfüllt, freuten sich Helfer und Gäste.

Die Filmreihe

Die Filmreihe "anders. wie du" wird fortgesetzt. Der nächste Film wird entlang des Franziskusweges im Oktober 2017 im Deggenhausertal gedreht. Hierfür werden noch Statisten für die Endszene des Films gesucht. Nähere Informationen unter ivo.grossner@lindenwiese.de oder 01 73/5 68 41 01.