Wenn sie in großer Sorge waren, haben Andelshofener Bürger in den vergangenen Jahren schon mal aufbegehrt und lautstark auf sich aufmerksam gemacht – ob es um den Lärmschutz an der B 31-neu oder ob es um das geplante interkommunale Gewerbegebiet ging, das im Regionalplan ausgewiesen werden soll.

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Ruhig, aber nachhaltig und erfolgreich hat die Dorfgemeinschaft um den Erhalt ihres alten Schulhauses aus dem Jahr 1846 gekämpft, das die Stadt gerne zum Verkauf und zum Abriss freigegeben hätte. Die Anstrengungen haben sich aus der Sicht Andelshofens am Ende gelohnt und der Gemeinderat stimmte einem Mietvertrag mit dem Verein der Dorfgemeinschaft zu. Seit inzwischen 18 Monaten hat dieser das Gebäude für 12 000 Euro Erbpacht im Jahr von der Stadt angemietet und nutzt es für Gruppen und Treffs. Besser: Nutzte es, solange als es aus Pandemiegründen keine Einschränkungen gab.

Seit 18 Monaten hat die Dorfgemeinschaft das alte Schulhaus gepachtet. Der Garten wird nun schon mal herausgeputzt.
Seit 18 Monaten hat die Dorfgemeinschaft das alte Schulhaus gepachtet. Der Garten wird nun schon mal herausgeputzt. | Bild: Hanspeter Walter

Noch leiser hat sich eine engagierte Gruppe im Verlauf des Corona-Sommers draußen an der frischen Luft daran gemacht, den Schulgarten unterhalb des Gebäudes ganz neu zu gestalten und attraktiv zu bepflanzen. Begonnen haben die aktiven Andelshofener schon im März, am vergangenen Wochenende haben sie noch einmal Bäume und Hecken gepflanzt sowie die letzten Tulpenzwiebeln in die herbstliche Erde gesteckt. Auf dass sich im kommenden Frühjahr auch eine rechte Blütenpracht entfalte. Stimmt, da war doch noch etwas anderes.

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„Wir wollen zu Beginn der Landesgartenschau auch mit unserem Schulgarten ganz fertig sein“, steckt Vorsitzender Joachim Schäuble, Sprecher der Dorfgemeinschaft und aktiver Freizeitgärtner, in dieser Sache. Weder eine Finanzspritze aus dem städtischen LGS-Plus-Topf haben die Andelshofener beantragt noch die Stadt um tatkräftige Unterstützung gebeten. „Wir haben das mit unserer Gruppe von Aktiven ganz autonom hinbekommen“, erklärt Schäuble mit hörbarem Stolz.

Freut sich über das entstehende Dorfzentrum in Andelshofen: Joachim Schäuble.
Freut sich über das entstehende Dorfzentrum in Andelshofen: Joachim Schäuble. | Bild: Hanspeter Walter

Gut, dass die Dorfgemeinschaft auf ebenso tatkräftige wie fachkundige Hände zählen kann, die auch noch Baumaschinen bedienen können. Zusammen laufen die Fäden bei Bauleiter Wolfgang Schöllhorn, der in Überlingens Kernstadt sonst vor allem als Chef der Zimmermannsgilde in Erscheinung tritt und beim Narrenbaumstellen das Kommando gibt. Ähnlich erfolgreich koordinierte Schöllhorn die Einsätze beim Gartenbau.

Mit den erforderlichen Maschinen und Werkzeugen schnell bei der Hand waren stets Steinmetz Peter Wiest und Landwirt Hubert Büchele. Gastwirt Andreas Liebich sorgte immer mal wieder für das leibliche Wohl. Mit Michael Wanner, Christian Huber und Falk Niersberger war ein Betriebshof-Trio im Boot, das nicht Mitglied der Dorfgemeinschaft ist.

Seit einigen Wochen arbeiten aktive Bürger am neuen Schulhausgarten.
Seit einigen Wochen arbeiten aktive Bürger am neuen Schulhausgarten. | Bild: Hanspeter Walter

Doch bevor es an die Details der Gartengestaltung ging, musste erst einmal die grobe Topographie geschaffen und eine Drainage verlegt werden. Dabei entstanden zwei Aufenthaltsbereiche, die mit einem befestigten Fußweg barrierefrei verbunden werden. Eine Sitzgelegenheit wird es oben unmittelbar am Gebäude geben, wo die Sonne auch in den kühleren Jahreszeiten wärmt. Eine Etage tiefer am Weg entsteht ein schattigeres Plätzchen, für das der Verschönerungsverein Überlingen eine Sitzbank in dezentem Braun zur Verfügung gestellt hat.

Unten: Seit 18 Monaten hat die Dorfgemeinschaft das alte Schulhaus gepachtet. Der Garten wird herausgeputzt.Links: Der Verschönerungsverein hat eine Bank zur Verfügung gestellt.
Unten: Seit 18 Monaten hat die Dorfgemeinschaft das alte Schulhaus gepachtet. Der Garten wird herausgeputzt.Links: Der Verschönerungsverein hat eine Bank zur Verfügung gestellt. | Bild: Hanspeter Walter

Eine historischen Brunnenschale hat Steinmetz Wiest aus seinem Repertoire zur Verfügung gestellt. „Der Garten kann so zu einem echten Dorfzentrum werden“, freut sich ein zufriedener Joachim Schäuble, während seine Mitstreiter mit der gebotenen Distanz untereinander bei der Arbeit sind.

Erfolg tut gut und macht Mut. Den kann Andelshofen durchaus gebrauchen, denn schließlich gilt es am Schulhaus selbst noch einiges zu tun, bis es als Dorfgemeinschaftshaus firmieren kann. Mit der Übernahme der Erbpacht haben die Bürger nicht nur ein historisches, aber auch altes Haus übernommen, sondern sich auch manche Herausforderung ans Bein gebunden.

Denn nicht nur eine Sanierung der Heizung ist längst überfällig, auch die Fenster halten heutigen energetischen Anforderungen nicht im entferntesten Stand. Die Nutzer müssen froh sein, wenn es nicht zu stark durch die Ritzen bläst. Diese Sanierung muss die Dorfgemeinschaft selbst finanzieren. „Das wird nicht billig, deshalb brauchen wir Geduld und können es nur schrittweise machen“, sagt Schäuble und hofft auf finanzielle Unterstützung der Andelshofener Mitbürger.