Viele Politiker sind nie so ganz im Urlaub und schieben auch in den Ferien noch den einen oder anderen Termin dazwischen. Das scheint auch für ehemalige Staatsoberhäupter zu gelten. So verknüpfte Alt-Bundespräsident Christian Wulff einen fünftägigen Aufenthalt mit seinen Kindern in Überlingen mit einem offiziellen Abstecher ins Städtische Museum und einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, die Wulff zu Ehren einen kleinen Empfang im Museumsgarten gab. Anschließend hielt Wulff vor geschlossener Gesellschaft noch einen „Impulsvortrag“ zum Thema: „Maß und Mitte oder die Gratwanderung zwischen Zufriedenheit, Unzufriedenheit und Selbstzufriedenheit.“

Wulff spricht „begeistert“ vom Urlaub in Überlingen

Wulff erzählte dem SÜDKURIER, dass er mit seinen Kindern zweieinhalb Wochen Urlaub in Süddeutschland mache und sie die letzten fünf Tage davon nun in Überlingen verweilten. Wulff verbrachte bereits 2019 fünf Tage in Überlingen. „Ich war begeistert.“ Seine Kontakte zur PR- und Beratungsfirma Firma compamedia und deren Chef Joachim Schuble hatten Wulff an den See geführt. Sein heute zwölfjähriger Sohn sei letztes Jahr besonders von Schubles Boot begeistert gewesen und habe sich in diesem Urlaub nun am meisten auf den Bodensee und aufs Bootfahren gefreut. „Ich hoffe, dass viele, die jetzt im Inland Urlaub machen, sich auch künftig für Ferien in Deutschland entscheiden“, betonte Wulff.

Das könnte Sie auch interessieren

Kritische Töne über Kirche

Entspannt und freundlich plaudernd bewegte sich der frühere Bundespräsident im Museumsgarten zwischen den geladenen Gästen, darunter der CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen, der FDP-Landtagsabgeordnete Klaus Hoher, Überlinger Gemeinderäte und andere Vertreter des öffentlichen Lebens. Den Pfarrern Bernd Walter (katholisch) und Kai Tilgner (evangelisch) berichtete Wulff vom Besuch Papst Benedikts XVI. 2011 in Deutschland, mit durchaus kritischen Anmerkungen über die Unbeweglichkeit der Kirche.

Ausstellung zu Sagen als frühe „fake news“ macht Wulff nachdenklich

Anschließend führte Kurator Thomas Hirthe durch die Sonderausstellung „Überlingen legendär“, die die Stadtgeschichte seit der Alemannenzeit anhand von acht Sagen Revue passieren lässt und sich augenzwinkernd zwischen Fakten und Fiktion bewegt. Schon das 1250. Stadtjubiläum, das dieses Jahr begangen wird, sei „fake news“, so Hirthe, da die Urkunde mit der Ersterwähnung Überlingens nicht im Jahr 770 sondern, wie man heute wisse, erst 773 ausgestellt worden sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Alt-Bundespräsident Wulff ließ die Ausstellung nachdenklich zurück. Zum SÜDKURIER meinte er: „Es ist interessant, wenn man hört, wie im Mittelalter Sagen entstanden.“ Dann sei die Aufklärung gekommen, und heute, in Zeiten der Pandemie, sei man wieder ein Stück weit in diese Zeit der Sagen, der fake news, zurückgefallen.

Alt-Bundespräsident und Kurator Hirthe kennen sich aus Hannover

Wulff und Kurator Hirthe, der heute in seiner Heimat Überlingen als freiberuflicher Kunsthistoriker arbeitet, sind übrigens alte Bekannte: Hirthe leitete die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Landesmuseum Hannover, als Wulff niedersächsischer Ministerpräsident war. Die Staatskanzlei und das Museum seien direkte Nachbarn, so Hirthe. Wulff bestätigte das und erklärte lächelnd, dass das Gebäude der Staatskanzlei im Vergleich zum Landesmuseum sehr bescheiden wirke, was einmal zu einer peinlichen Verwechslung geführt habe. Als der damalige bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß seinem niedersächsischen Kollegen Ernst Albrecht einen Besuch abstattete, habe er seine Wagenkolonne vor dem Museum halten lassen und dort nach dem Ministerpräsidenten gefragt. Das zurückhaltende Ambiente des Gebäudes, das 1935 im neoklassizistischen Stil errichtet worden war, habe aber schon Vorteile gehabt, erinnerte sich Wulff schmunzelnd an seine Zeit als Ministerpräsident. Denn es habe auch auf Leute, die Geld von der Landesregierung wollten, einen sehr ernüchternden Eindruck gemacht.