Bei ihrem morgendlichen Besuch im Eiscafé fühlte sich eine Überlingerin spontan an einen berühmten Travestiekünstler aus dem Fernsehen erinnert. Doch es war nicht Olivia Jones – und auch kein anderer Künstler aus dem Showgeschäft, der hier am Münster spazierte. Es handelte sich um einen Lehrer der Überlinger Realschule. „Das ist unser Sportlehrer Herr Kellermeier“, klärten die Schüler auf, die ihn bei dem Rundgang begleiteten. Franz Kellermeier war allerdings in so perfekter Aufmachung unterwegs, dass es nicht verwunderlich war, dass mancher Eiscafé-Besucher an deutschlandweit bekannte Dragqueens dachte.

Schüler setzen damit auch ein Zeichen gegen sexualisierte Diskriminierung

Zu der ungewöhnlichen Verkleidung des Lehrers war es anlässlich des Thementags „Geschlechtertausch“ gekommen. Im Rahmen der diesjährigen Mottowoche hatte sich die Schülermitverwaltung der Überlinger Realschule unter anderem dieses Thema ausgesucht. „Wir wollen damit ein Statement gegen Homophobie setzen“, sagte Eugen Emmanouil, Schüler der Klasse 7a. Einige Lehrer und Schüler, alles Jungs der Klassen sieben und acht, waren deshalb in Röcke und Kleider geschlüpft, hatten sich Perücken aufgesetzt und sogar mit Brüsten ausstaffiert. Ob bewusst oder auch einfach nur, weil der Rollentausch Spaß machte – sie setzten damit ein positives Zeichen für die LGBTQ-Gemeinschaft und gegen sexualisierte Diskriminierung.

Rico Guthardt und sein Freund Eugen Emmanouil aus der Klasse 7a der Überlinger Realschule beteiligten sich am Aktionstag „Geschlechtertausch“.
Rico Guthardt und sein Freund Eugen Emmanouil aus der Klasse 7a der Überlinger Realschule beteiligten sich am Aktionstag „Geschlechtertausch“. | Bild: Stef Manzini

Der absolute Star jedoch blieb Franz Kellermeier, „der weltbeste Sportlehrer“, wie ihn seine Schüler nannten. „Der sieht so toll aus, ich habe ihn gleich heute Morgen fotografiert“, sagte Karin Broszat. Die Rektorin der Realschule sprach von einer mutigen Aktion ihrer Schüler, über die sie sich sehr freue.

Der Schüler Tom Dufner nannte das Outfit des Lehrers „mega-cool“. Auch wenn er selbst so eher nicht rumlaufen würde, hätte er kein Problem damit, wenn dies sein bester Kumpel täte. „Na klar würde ich mit ihm rausgehen. Wir leben doch im 21. Jahrhundert, da soll in dieser Hinsicht doch jeder machen, was er will“, erklärte Dufner.

Tom Dufner, Schüler der Überlinger Realschule: „Ich würde selbst so nicht rumlaufen. Aber wenn mein bester Kumpel dies täte, na klar würde ich ihn begleiten. Warum denn nicht. Wir leben doch im 21. Jahrhundert.“
Tom Dufner, Schüler der Überlinger Realschule: „Ich würde selbst so nicht rumlaufen. Aber wenn mein bester Kumpel dies täte, na klar würde ich ihn begleiten. Warum denn nicht. Wir leben doch im 21. Jahrhundert.“ | Bild: Stef Manzini

„Stark“ fand Lehrer Kellermeier, dass sich seine Schüler neben Themen wie „Gammel-Look“ und den „80ern“ auch das Motto „Geschlechtertausch“ in dieser Themenwoche herausgesucht hatten. Es sei für ihn keine Frage gewesen, da mitzumachen, sagte der Sportlehrer. Das Kleid stamme von einer Kollegin, verriet er und wusste auch nicht so ganz, warum er zum Handtäschchen auch noch Handschellen mit sich führte. „Da ist wohl ein bisschen der Fastnachtsgedanke übergesprungen“, kommentierte ein Schüler lachend.

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Anmerkung der Redaktion: Nach Veröffentlichung dieses Bericht schickten die Schulleitung der Realschule und der Elternbeiratsvorsitzender eine Mail an unsere Redaktion, in der sie auf folgenden Feststellung Wert legten: „Die von der SMV organisierte Veranstaltung ‚Mottotage‘ hatte weder in der Planung noch in der Ausführung einen politischen Hintergrund. Vielmehr diente das Verkleiden der Aufmunterung in den letzten Schultagen eines schwierigen Schuljahres (angelehnt an die dieses Jahr entfallene Fasnet). Es handelt sich bei den Mottotagen um eine schulinterne Veranstaltung im geschützten und neutralen Raum Schule, auf den wir höchsten Wert legen. Lediglich weil die Turnhalle gesperrt war, war eine Gruppe der Schüler mit ihrem Lehrer in der Stadt, um ein Eis zu essen. Dort trafen sie zufällig die Journalistin des Südkuriers.“