Bau- und Immobilienpreise explodieren, insbesondere in den attraktiven Wohnlagen am See. „Selbst als Doppelvollverdiener kann ein Paar eine ansprechende Wohnung in guter Lage kaum finanzieren“, sagt ein Mitarbeiter einer Vermittlungsagentur, der namentlich nicht erwähnt werden will. Die Grundstückspreise klettern in ungeahnte Höhen. Die Stadt Überlingen hat ein kommunales Grundstück in Hödingen mit einem Mindestpreis von 600 Euro ausgeschrieben – in privilegierter Lage. Die florierende Konjunktur beflügelt Bauunternehmen sowie Handwerker und sorgt für hohe Kosten.

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Vor diesem Hintergrund und in Zeiten, in denen ständig vom Bedarf an bezahlbarem Wohnraum geredet wird, stellt die Immobilienmanufaktur Lebensart am Bodensee als Vorhabenträger und Vermittler ein alternatives Konzept entgegen. Mit „Fair Trade“ hat sie ihrer Strategie ein positiv besetztes Attribut verpasst, dass man eher im globalen Handel mit Kaffee, Kakao und ähnlichem verortet als in der heimischen Baubranche. Doch was steckt hinter diesem Schlagwort?

Angemessene Honorare und konkrete Festpreise

„Wir bezahlen den Planern angemessene Honorare, vereinbaren mit Bauunternehmen und Handwerkern konkrete Festpreise“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Grundt. Nachverhandlungen oder Versuche gegenüber den Unternehmen, nachträglich an der Preisschraube zu drehen, gebe es nicht. „Darauf können sich unsere Partner verlassen und arbeiten deswegen auch sehr gerne und zuverlässig mit uns zusammen“, sagt Grundt.

Ulrike Grundt, Geschäftsführerin Lebensart am Bodensee: „Uns lag eine möglichst preiswerte Kalkulation ganz besonders am Herzen.“
Ulrike Grundt, Geschäftsführerin Lebensart am Bodensee: „Uns lag eine möglichst preiswerte Kalkulation ganz besonders am Herzen.“ | Bild: Hanspeter Walter

Zudem sei die eigene Marge der Immobilien Manufaktur im Vergleich zu anderen Bauträgern sehr moderat angesetzt, ist Grundt der Meinung. Auf diese Weise seien relativ günstige Gesamtpreise für Wohnungen möglich.

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„Das ist uns ein Herzensanliegen“, sagt die Immobilienfachfrau, die selbst alleinerziehende Mutter war und die Preisproblematik kennt. „Im Durchschnitt geben junge Familien heutzutage die Hälfte ihres Nettoeinkommens allein für die Miete aus.“ Ihr erstes Unternehmen hatte Ulrike Grundt im Stuttgarter Raum betrieben. Vor zehn Jahren gründete sie „Lebensart am Bodensee„ in Salem. Im Jahr 2014 realisierte sie das erste Überlinger Projekt in Andelshofen und verlegte den Unternehmenssitz an den Münsterplatz in Überlingen, wo das fünfköpfige Team bis heute arbeitet.

Im November 2018 wurde der traditionsreiche Landgasthof Adler in Bonndorf abgerissen. Die letzten Pächter hatten das schon länger geschlossen, denn die Eigentümer hätten viel investieren müssen. Bild: Manuela Klaas
Im November 2018 wurde der traditionsreiche Landgasthof Adler in Bonndorf abgerissen. Die letzten Pächter hatten das schon länger geschlossen, denn die Eigentümer hätten viel investieren müssen. | Bild: Manuela Klaas

Mit einem aktuellen Projekt ist „Lebensart am Bodensee“ derzeit im Überlinger Teilort Bonndorf zu Gange: auf dem Grundstück, auf dem bis Herbst 2018 noch der Gasthof Adler stand. Den Betrieb hatten die letzten Pächter bereits eingestellt. Für einen Neustart hätte der Eigentümer viel investieren müssen. „Wir haben unser Konzept vorgestellt“, sagt Ulrike Grundt. „Der Eigentümer war davon sehr angetan und kam uns mit dem Preis entgegen.“

„Bonne Dorf“ soll im Frühjahr bezugsfertig sein

Daraufhin erwarb sie die Immobilie und konzipierte auf dem Grundstück das Bauprojekt unter dem an die französische Sprache angelehnten Titel „Bonne Dorf“, das vor einigen Tagen sein Richtfest feiern konnte und im Verlauf des Frühjahrs bezugsfertig werden soll.

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Zwölf Wohnungen entstehen dort auf drei Etagen an der Überlinger Straße. Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen haben eine Fläche zwischen 64 und 113 Quadratmeter. Zwei Drittel der Wohnungen sind bereits verkauft. Das besondere Konzept mache es möglich, dass sich der Quadratmeterpreis für den Käufer zwischen 3500 und 3900 Euro bewege – deutlich weniger als in der Region üblich. Unter dem Stichwort „Fair Trade“ subsummiert Ulrike Grundt auch die Verwendung von Materialien baubiologischer Qualität. „Natürlich haben wir auch Beton gebraucht“, sagt sie. Doch bei der Dämmung, den Echtholzböden oder den geplanten Kalkputzwänden habe man großen Wert auf das künftige Raumklima gelegt. „Ohne dabei dogmatisch zu sein.“

Wohnanlage sei „ein Gewinn für Bonndorf“

Auch Ortsvorsteher Dominik Stark ist vom Konzept angetan. Das Projekt sei „mit sehr viel Liebe und Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort“ geplant worden, sagt Schatz. Besonders hebt er die „außerordentlich gute Kommunikation“ hervor.

Bonndorfs Ortsvorsteher Dominik Schatz: „Das Projekt ist mit viel Liebe und Rücksicht auf die Gegebenheiten des Ortes geplant.“
Bonndorfs Ortsvorsteher Dominik Schatz: „Das Projekt ist mit viel Liebe und Rücksicht auf die Gegebenheiten des Ortes geplant.“ | Bild: Hanspeter Walter

Auch nach Fertigstellung des Rohbaus ist der Ortsvorsteher zufrieden. Der Baukörper wirkt für Schatz luftiger als zuvor der Gasthof Adler mit seiner großen Scheune. Er sieht in der neuen Wohnanlage „einen Gewinn für Bonndorf“.

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