Der heftige Konflikt beim Bienenzuchtverein Überlingen, das hälftig gespaltene Lager, steht im krassen Gegensatz zum Honigbienen-Staat: Königin (Vorsitzender Siegfried Wehrle), Arbeiterinnen und Drohnen (drei maßgebliche Vorstandsmitglieder) verfolgen das gleiche Ziel: das Überleben des Volkes (Vereins). Es gibt unter den Honigbienen eine klare Rollenverteilung, dem sich alle fügen.

Nicht so beim Bienenzuchtverein Überlingen. Denn dort ist das System, und damit das Überleben des Staats, seit einigen Monaten gestört. Ein Teil des Volkes ist bereit, den Stock zu verlassen und auszuschwärmen, weil es ihm dort im übertragenen Sinn zu eng wird.

Nun wurden die Stacheln ausgefahren. Der Antrag zur Absetzung des Vorsitzenden wirkte wie ein Befall durch Varroa-Milben und zehrte an dessen Widerstandskraft, was zum Niederlegen des Amtes führte. Die "Arbeiterinnen" sahen ihr Vorgehen als notwendig an, weil sie ihre "Königin" geschwächt und demzufolge nicht in der Lage sahen, ihre Aufgaben zu erfüllen, was dem Staat nicht zuträglich ist. Statt des Miteinanders nur Gegeneinander.

Nun verfährt der Vorstand so, wie es die Bienen vorleben: Die Arbeiterinnen wollen eine neue Königin aufziehen, den Staat erhalten. Wie es Siegfried Wehrle vor elf Jahren gemacht hat. Als damals die Auflösung des Vereins drohte, hatte er sich zum Vorsitz bereiterklärt und durch seine nachhaltige Arbeit viele Jungimker begeistert und sogar Neumitglieder dazugewonnen.

Nun wurde die "Reset-Taste" gedrückt, alles auf Anfang gesetzt. Es ergeben sich komplett neue Chancen, dem Verein eine neue Führung, ein neues Vorstandsteam, zuzuweisen. In welche Richtung es geht, bestimmt diesmal das Volk – das ist der Unterschied zum Bienenstaat.