Sowohl das Sommertheater als auch sein Förderverein stehen vor einer Zäsur: Die Stadt wird künftig aus finanziellen Gründen nicht mehr Veranstalterin des Theaters sein. Und der Förderverein, der diese Aufgabe nicht übernehmen will und kann, muss künftig eine neue Rolle finden. Zudem kündigte dessen Vorsitzender Thomas-Michael Becker auf der Jahresversammlung an, dass er nach Ablauf dieser Amtsperiode 2021 nicht mehr für den Vorstand kandidieren werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Stadt, so war bei der Versammlung zu erfahren, sucht mittels einer beschränkten Ausschreibung nach einem neuen Veranstalter für das Sommertheater. Angebote können bis 13. Januar 2020 abgegeben werden. Einige Interessenten gebe es schon, sagte Kulturamtsleiter Michael Brunner. Auch Reinhard A. Weigelt, Veranstalter von „Kultur im Kapuziner“ und „Überlingen on Ice“, will ein Angebot einreichen, wie er auf der Vereinsversammlung annoncierte.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Theater Konstanz allerdings wird nicht unter den Bewerbern sein. Karin Becker, die künftige Intendantin des Theaters, mit dem Überlingen fürs Sommertheater von 2003 bis 2016 kooperiert hatte, kann sich laut dem Förderverein lediglich vorstellen, Überlingen – gegen Bezahlung – Gastspiele anzubieten. Becker habe in einem Gespräch mit dem Verein klar gemacht, dass sie die von ihrem Vorgänger eingeführten Freilichtspiele in Konstanz weiterführen wolle und deshalb im Sommer keine Schauspieler entbehren könne, berichtete Erich Ruh, Kassier des Fördervereins.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Verein aber könne die Veranstalterrolle nicht übernehmen, betonte Vorsitzender Thomas Becker. „Dieses Risiko können wir nicht tragen.“ Auch könne man sich nicht noch einmal so eine Arbeitsbelastung wie 2019 zumuten. Denn im abgelaufenen Jahr hatte der Verein eigenverantwortlich ein Programm gestemmt. Unterm Strich kostete ihn das 8000 Euro – weniger als befürchtet, was aber nur dem großen ehrenamtlichen Engagement zu verdanken sei, hoben Becker und Ruh hervor. Man finde es schade, dass die Stadt die Veranstalterrolle abgebe, so Ruh. Dabei habe der Verein in den letzten drei Jahren doch bewiesen, „dass wir die Stadt nur als Garantie brauchten. Wir dachten daraufhin, dass wir ein gewisses Vertrauen verdient hätten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kulturamtsleiter Michael Brunner unterstrich hingegen: „Für die Stadt waren Defizite da. Es war fast schon eine dramatische Situation, denn wir haften ja dafür. Es hat in den beiden letzten Jahren finanziell nicht funktioniert.“ Für 2018, als die Festspiele Wangen das Sommertheater bespielten, betrug das städtische Defizit laut des dem Kulturausschuss im Januar diesen Jahres vorgelegten Berichts 118 336 Euro. Brunner fuhr fort, wenn sich mittels der laufenden Ausschreibung ein gutes Konzept ergebe, könne sich die Stadt vorstellen, eventuell auch den Zuschuss fürs Sommertheater wieder zu erhöhen. Diesen hatte man 2016 von 60 000 Euro auf 30 000 Euro gekürzt. Einen jährlichen Zuschuss in dieser Höhe wolle die Stadt auch künftig gewähren.

Das könnte Sie auch interessieren

Stadtrat Ulf Janicke (LBU/Die Grünen), der unter den Anwesenden war, meinte, die Entscheidung, dass die Stadt die Veranstalterrolle abgeben wolle, sei – am 6. November bei der Behandlung des Haushalts 2020 im Gemeinderat – korrekt, aber „versteckt gefallen“, als einer von vielen Beschlüssen, über die man en bloc abgestimmt habe: „Das Ganze ist etwas unglücklich gelaufen.“ Einerseits, so Janicke weiter, habe die Stadt die Pflicht, ihren Haushalt zu konsolidieren, andererseits sei sie aber auch der Kultur verpflichtet. Der zuständige städtische Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger insistierte im Anschluss darauf, dass der Beschluss die „logische Fortführung der erzwungenen Konsolidierung“ sei, der der städtische Haushalt seit 2012 unterworfen sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Und wie geht es nun mit dem Förderverein weiter, der mit seinen Einnahmen traditionell die öffentlichen Veranstalter – die Städte Überlingen und, bis 2016, Konstanz – unterstützt hatte, bevor er selbst in die Organisatoren- und letztlich gar Veranstalterrolle schlüpfte? Ruh meinte: „Wir werden uns wieder auf die klassische Rolle beschränken: Bewirtung.“ Das müsse aber zuerst mit einem künftigen Veranstalter besprochen werden. Reinhard A. Weigelt hält das für „Traumtänzerei“. Ein Veranstalter werde immer auch die Bewirtung übernehmen wollen. Weigelt findet: „Der Förderverein muss sich neu erfinden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Simeon Blaesi von der gemeinnützigen GmbH Bühne, der mit dem Förderverein bereits mehrfach kooperierte, sieht das hingegen „etwas anders“. Ehrenamtliches Engagement sei wertvoll für einen Veranstalter. Ob Blaesi auch ein Angebot abgeben will, hielt er an diesem Abend aber noch offen.

Amüsante Einlage bei der Jahresversammlung des Fördervereins Sommertheater im Rathauscafé: Oswald Burger (links) und Harald Lenski, beide im Vorstand des Vereins, präsentierten sich als moderne germanische Götter.
Amüsante Einlage bei der Jahresversammlung des Fördervereins Sommertheater im Rathauscafé: Oswald Burger (links) und Harald Lenski, beide im Vorstand des Vereins, präsentierten sich als moderne germanische Götter. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Taschen, Spieler und radelnde Götter

Neben der ernsten Diskussion um die ungewisse Zukunft des Sommertheaters und des Fördervereins, gab es bei dessen Jahresversammlung auch einige Punkte, die für positive Stimmung bei den Mitgliedern und Besuchern sorgten:

  • Joachim Scholz vom Förderverein Sommertheater hatte aus den Bannern, die für das diesjährige Sommertheater warben, auf seiner Industrienähmaschine originelle Taschen in allen Größen genäht. Einige bekamen die engagiertesten Helfer überreicht, die restlichen fanden auf der Versammlung, gegen Spenden für den Verein, reißenden Absatz. Das Hauptstück des Sommertheaters hatte sich rund um den Themenkomplex Umweltzerstörung und Nachhaltigkeit gedreht. Da konnte man die Kunststoff-Banner doch nicht einfach in den Müll schmeißen, fand Scholz, der für seine kreative Idee viel Beifall erhielt.
  • Barbara Stoll, die Regisseurin und Co-Autorin des Historienspiels zum 1250. Stadtjubiläum war zu Gast. Sie stellte das Konzept vor, das aus Episoden quer durch die Stadtgeschichte, vom frühen Mittelalter bis heute besteht, die bei sechs Aufführungen im August 2020 im Museumsgarten, auf dem Münsterplatz und auf der Hofstatt gespielt werden. Sie suche noch einige Laiendarsteller für kleine Szenen, darunter acht Bauern, warb Stoll um Interessierte. Außerdem würde sie sich freuen, wenn der Förderverein Sommertheater an den Spieltagen auf dem Münsterplatz eine Bewirtung anbieten könnte.
  • Harald Lenski und Oswald Burger, beide im Vorstand des Fördervereins Sommertheater, trugen zum Abschluss des Abends eine amüsante Szene aus einem Stück vor, das Harald Lenski geschrieben hat: „Götterdämmerung 4.0“. Die aus der germanischen Götterwelt stammenden Donar und Loki radeln nach Griechenland und kommentieren die modernen Zeiten, an die sich zumindest der eifrig an der Börse spekulierende Loki bestens angepasst hat.