„Why Wales?“ hatte schon der Taxifahrer in London Sonja Bräuning ungläubig gefragt, als die langjährige Chefin eines Feinschmeckerhotels am Bodensee die Vergangenheit hinter sich lassen wollte und schlechten Ratgebern nach Abydyr an die windige walisische Küste folgte. Dort wartet sie im abgetakelten „Ocean Bay“ vergeblich auf Gäste und steht auf der Klippe kurz vor dem Absprung.

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Wie es dazu kam, schilderte Karl-Heinz Ott beim WortMenue im Gasthaus Ochsen mit seinem Roman „Und jeden Morgen das Meer“. Parallel entwickelt er Geschichte und Vorgeschichte in einer poetischen Sprache, lässt am Seelenleben der von Verlusten und Verlustängsten geplagten Sonja teilhaben und lässt doch mit humorvollem Zwischentönen einen Hauch von verzweifelter Lebensfreude durchscheinen. Ob der Verlust des Sterns ihren Mann Bruno in den Tod getrieben und zu einem Offenbarungseid geführt hat, muss man sich selbst ausmalen. Die Beschreibung der Probleme eines Gourmetlokals mögen dabei helfen. Kein Zweifel besteht, dass der missgünstige Schwager Sonja aus der Heimat vertrieben hat. Wehmütig erinnert sie sich an das frühere Leben.

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Doch ist Wales im Sturm nicht allemal besser als ein Feinschmeckerlokal am Bodensee, tröstet sie sich. „Und jeden Morgen liegt es wieder da, das Meer, in seiner unendlichen Gleichgültigkeit.“ Sie weiß, sie könnte springen. Doch was erwartet einen hinter diesem Horizont, fragt sie: Die Ewigkeit? Sonja zweifelt und steht am Ende wieder auf ihrer Klippe.

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