Mein Verständnis von „vorn“ und „hinten“ treibt meinen lieben Ehemann regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Für ihn, den (männlichen) Logiker, ist vorn da, wo sich die Nase befindet. Die Nase ist demnach vorn und der Hintern, wie der Name bereits aussagt, hinten. Damit bin ich völlig einverstanden, denn ich schaue ja beim Vorwärtsfahren schließlich nach vorn und beim Zurücksetzen nach hinten.

Allerdings eröffnen sich für mich, die (weibliche) Logikerin, zahlreiche weitere Alternativen. Wenn ich zum Beispiel vor einer Sprachschülergruppe stehe, also ihnen zugewandt, schaue ich nach vorn und sehe gleichzeitig, ob in der Reihe ganz hinten ein Hinterbänkler gerade Quatsch macht. Dazu muss ich mich nicht erst umdrehen. Folglich kann vorn auch hinten sein. Wenn hinten am Horizont ein Heißluftballon schwebt, sage ich zu meinem Mann: „Schau mal, da hinten (nicht: da vorn!) am Horizont schwebt ein Ballon“, was zu der erwähnten Verzweiflung führt.

Es gibt aber noch mehr Besonderheiten. Ein Student unterbrach einmal seine Präsentation, um mich nach dem englischen Wort für „hinterefir“ – oder war es "hintrafier“ – zu fragen. Ehrlich gesagt, musste ich zunächst passen und zurückfragen, was das auf Deutsch heißt. Dieses Wort war mir bis dahin völlig unbekannt, und auch der Student kam in Erklärungsnöte. Heißt es nun von vorn nach hinten, von hinten nach vorn, „hinten herum“ oder „anders herum“? Wir konnten das Problem irgendwie „hintrafier“ umgehen. Wenn einer meiner Mitseufzer hier einen Beitrag zur Herkunft, Bedeutung und richtigen Schreibweise – hinterefir, hinterefür oder hintrafier – liefert, danke ich schon einmal sehr herzlich!

Den ewigen Zoff um „vorn“ und „hinten“ bei uns daheim haben wir übrigens lösen können. An unserem Hauseingang, der sich sinnigerweise nicht vor, sondern hinter unserem Haus befindet, also am Hauseingang hinten, hängt das Schild „Wo wir sind, ist vorn, und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn“. Na geht doch!

An dieser Stelle schreibt Susanne M. Mohr ihre "Stoßseufzer" nieder. Sie ist Dolmetscherin bei Gerichtsverhandlungen und staatlich geprüfte Fachübersetzerin.