Ingrid Stotz kniet vor einem Objekt und hält einen Stecker in der Hand. „Dafür brauchen wir eine Steckdose“, sagt sie. Ingrid Stotz ist Mitglied der Jury, die die Werke für die Winterausstellung des Internationalen Bodensee-Clubs (IBC) auswählt. Dann leuchtet das Objekt auf und Heike Frommer liest den dargestellten Schriftzug vor. Die Leiterin der Galerie Bodenseekreis in Meersburg gehört ebenfalls zur Jury, genau wie Grafiker Christian Scheel und Kunstpädagoge Erwin Niederer. Der Leiter des Kulturamts, Michael Brunner, ist leider verhindert. Die vier haben sich schon durch den hinteren Bereich des großen Raumes gearbeitet, gesichtet, beraten und entschieden. Jetzt stehen sie in der Nische und wägen ab, was sich wie befestigen und mit Strom versorgen lässt.

Am Tag zuvor konnten alle Künstler des IBC, die sich an der Ausstellung beteiligen wollen, bis zu fünf Arbeiten anliefern. Die lehnen oder liegen jetzt entlang der Wände verteilt und warten auf die kritische Begutachtung. Es gibt großformatige Ölbilder, abstrakte und gegenständliche Gemälde oder auf Glas aufgezogene Fotos. Dazu füllen Objekte und Installationen den Raum. Manche lösen beim Betrachter sofort ein anerkennendes Lächeln aus, einige beeindrucken durch die Wucht der Farben und andere brauchen genaues Hinsehen, um zu punkten.

Bei manchen Werken ist sich die Jury schnell einig und diskutiert nur noch, wie viele es an die Wände oder auf die Stelen schaffen. Andere wandern mit einem bedauernden Schulterzucken in die Diele, wo alles lagert, was dieses Mal nicht dabei sein wird. Grund dafür ist nicht immer die Qualität. Die Jury muss den Platz und die Art der Präsentation im Auge behalten und auf Ausgewogenheit achten. „Okay, ich beuge mich der Mehrheit“, heißt es immer mal wieder. Im Zweifelsfall geht es eben streng demokratisch zu. „Die Auswahl ist immer schwierig, es gibt für die Bewertung von Kunst eben keine objektiven Kriterien“, sagt Niederer. „Es ist toll, dass wir eine so große Vielfalt zeigen können. In diesem Jahr ist zum ersten Mal eine Videoinstallation dabei!“ Der Laptop, auf dem der Film in Endlosschleife läuft, ist schon angeschlossen. Die Kamera verfolgt den Weg einer weißen Plastiktüte, die der Wind hin- und her bewegt. Kunstbetrachtung ist Entschleunigung, heißt es. Es ist interessant, ob sich die Besucher auf diese Entschleunigung einlassen.

Öffnungszeiten

Die IBC-Winterausstellung in der Städtischen Galerie „Fauler Pelz„, Seepromenade 2, läuft vom 2. Dezember bis zum 4. Februar. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr sowie Samstag, Sonntag und feiertags (außer 25. Dezember) von 11 bis 17 Uhr. Die Eröffnung findet am Freitag, 1. Dezember, um 19 Uhr statt. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Jan Zeitler und Kornelius Otto hält Erwin Niederer die Laudatio.

„Reiz liegt in der Vielfalt“

Frau Fischer, als Sie im September zur Leiterin der Sektion Bildende Kunst des IBC gewählt wurden, waren Sie noch kein Mitglied des Vereins?

Das ist richtig. Ich arbeite seit vielen Jahren als Künstlerin in der Region, habe lange in Meersburg gewohnt und lebe seit drei Jahren in Überlingen. Ich wollte unabhängig sein und bin deshalb nicht eingetreten.

Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Ich wurde von Künstlern angesprochen, ob ich die Aufgabe übernehmen will. Bisher hatte ich immer nur für mich gearbeitet und fand es an der Zeit, mich für andere zu engagieren. Ich möchte daran mitarbeiten, dass die Bodenseeregion mehr als Kulturregion wahrgenommen wird. Das Potenzial ist vorhanden.

Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen des IBC?

Der IBC hat eine lange Tradition und der Reiz liegt in der Vielfalt und den Unterschieden der Künstler und ihren Arbeiten. Ich sehe aber auch die Zeit für Erneuerung gekommen.

Was heißt das konkret?

Zuerst habe ich zwei Facebook-Seiten für den IBC angelegt. Wir müssen in den sozialen Medien präsent sein. Ich möchte neue Kunstformen fördern und den Verein neuen Einflüssen gegenüber öffnen, mutigere Experimente wagen. Kunst kann auch einmal wehtun!

Fragen: Sabine Busse