Alles begann mit einem Dauerlauf: Andrea Roggon, keine 18 Jahre alt, joggte in Owingen-Taisersdorf und mit den Füßen flogen auch die Gedanken, zu all den Menschen, denen sie schon begegnet ist. Beim Trampen zum Beispiel. "Ich fand es immer so spannend, Menschen kennenzulernen, die aus einer ganz anderen Welt kommen. Dieses Zufallsprinzip hat mich fasziniert." Und als sie da so am See entlanglief, da dachte Andrea Roggon, dass sie gerne noch mehr Menschen aus fremden Welten kennenlernen und andere Menschen an diesen Begegnungen teilhaben lassen wollte. "Ich wollte reisen und einen Film darüber drehen."

"Die Einsamkeit gehört zum Leben eines Menschen dazu"

Gedacht, getan: So zügig, wie sie einst am See entlang joggte, machte sich Andrea Roggon daran, ihren Plan in die Tat umzusetzen: Nach der Schule machte sie ein Praktikum in der Filmbranche, es folgte ein Studium der Regie, sie reiste in verschiedene Länder, drehte, schnitt, produzierte. Und nun hat sie für ihren neuesten Film "All Is Loneliness" das Wim-Wenders-Stipendium erhalten. Der Film soll, wie der Name schon sagt, von der Einsamkeit handeln. "Die Einsamkeit gehört zum Leben eines Menschen dazu. Sie hat sehr belastende Aspekte, ist aber auch eine wichtige Kraftquelle für Kreativität und Entscheidungen im Leben. Und diese beiden Pole möchte ich sichtbar machen", erklärt die Regisseurin.

Regisseurin entscheidet sich für besondere Erzählweise

Dabei solle der Fokus auf junge Menschen und Menschen mittleren Alters gerichtet werden. "Menschen, die mitten im Leben stehen und von denen man eigentlich nicht denken würde, dass sie einsam sind", erklärt die 37-Jährige. Wichtig ist ihr auch: "Wir haben die Einsamkeitsfähigkeit verlernt. Einsame Momente, zum Beispiel an der Bushaltestelle, werden sofort mit dem Handy zugemacht." In ihrem Film möchte Andrea Roggon Menschen begleiten, die sich bewusst entscheiden, die Einsamkeit als Kraftquelle zu nutzen. Da Einsamkeit ein Tabuthema sei und von vielen fast wie eine Krankheit angesehen werde, nimmt Andrea Roggon nur die Stimmen der Menschen auf und untermalt sie mit anderen Bildern. Eine ganz besondere Erzählweise.

Auch Töne und Bilder vom Bodensee

Wahrscheinlich werde sie sich während der auf zehn Monate angelegten Recherche auch am Bodensee aufhalten. "Es kann sein, dass Töne und Bilder vom See mit in den Film reinkommen." Gerade die schöne Einsamkeit lasse sich am Bodensee gut erzählen. "Aber der Film wird auch international, ich will über Deutschland hinaus."

Zehn Monate allein für die Recherche

Zehn Monate sind allein für die Recherche veranschlagt, einen Dokumentarfilm zu machen, dauere Jahre, unterstreicht die Regisseurin und Produzentin und zählt die einzelnen Schritte auf, die von der Idee über die Finanzierung und den Dreh bis hin zum Schnitt reichen. Diese Langwierigkeit erfordere, dass man sich "richtig in die Arbeit reinstürzt", sagt Andrea Roggon. "Man nimmt sie mit nach Hause und deswegen muss es ein Thema sein, für das man wirklich brennt und das einen und sich wirklich durch diese Zeit hindurchträgt."

Bodensee ist für sie ein wichtiger Ort

Für ihre Filme war Andrea Roggon in aller Welt unterwegs, sie lebt heute in Stuttgart, wo auch ihre Produktionsfirma ihren Sitz hat. Und immer wieder kehrt sie nach Überlingen zurück. "Der Bodensee ist für mich ein ganz wichtiger Ort und auch ein Großteil des Exposés für "All is Loneliness" ist hier entstanden", sagt sie. "Hier ist meine Wurzel, hier komme ich her. Wenn man eine gute Wurzel hat, dann hat man die Kraft, wie ein Baum, der die Äste weit spannt, in die Welt zu gehen." Und das hat Andrea Roggon ja auch getan, nach der Initialzündung in der Heimat. Vor 20 Jahren. Beim Joggen am See.

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