Die Leiterinnen der Überlinger Kindergärten sind mit der Qualität des Mittagessens für ihre Schutzbefohlenen zufrieden. Das ergibt eine Umfrage des SÜDKURIER unter den elf konfessionell, privat oder städtisch geführten Einrichtungen. Sechs von ihnen werden von einem Salemer Unternehmen mit Essen beliefert. Ein Kindergarten bezieht seine Mahlzeiten von einem Gasthaus in Frickingen, einer von einem überregionalen Anbieter, in einem Kindergarten wird selbst gekocht und die Verpflegung der Waldorfkindertagesstätte ist durch die Küche der Waldorfschule gewährleistet.

Großteil der Kitas setzt auf Essen aus Salem

Die Leiterin der Montessori-Kindertagesstätte, Cornelia Gericke, schwärmt von dem Mittagstisch für "ihre" Kinder: "Wir sind alle sehr zufrieden", sagt sie und spricht dabei für 25 der 76 Kinder, die regelmäßig mittags in der Kita essen. Und weiter: "Wenn ich in die Küche komme, heißt es immer: Connie, kannst du das nochmal bestellen?" Die Montessori-Kita bezieht ihr Essen von K5 in Salem-Neufrach.

Holger Kissing mit seiner Mitarbeiterin Julie Fetzer. Er belädt einen mobilen Kühlschrank, der er extra für seinen Transporter angeschafft hat. So kann er – den Hygienevorschriften entsprechend – warme Mahlzeiten und gekühlte Speisen in einem Fahrzeug zu den Kindertagesstätten fahren. Bild: Michael Schnurr
Holger Kissing mit seiner Mitarbeiterin Julie Fetzer. Er belädt einen mobilen Kühlschrank, der er extra für seinen Transporter angeschafft hat. So kann er – den Hygienevorschriften entsprechend – warme Mahlzeiten und gekühlte Speisen in einem Fahrzeug zu den Kindertagesstätten fahren. | Bild: Schnurr, Michael

Auch Eva-Maria Siegel-Jurascheck, Leiterin des Kinderhaus St. Suso, ist mit dem Essen von K5 sehr zufrieden. "Es wiederholt sich kein Essen innerhalb von zwei Monaten" und "es ist immer etwas Frisches dabei". Die Eigentümer, das Ehepaar Kissing, seien sehr entgegenkommend und würden jederzeit Sonderwünsche berücksichtigen. Auch die Anlieferung liefe reibungslos.

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Das bestätigt auch die Bonhoeffer-Kindertagesstätte. Die Leiterin der evangelischen Einrichtung, Claudia Wetzel-Thiel, spricht von einer guten Qualität des Essens. "Aber, wenn ich träume ..." setzt sie fort. Die engagierte Pädagogin weiß um die Bedeutung des täglichen Essens. Sie weise über eine reine Bedeutung einer gesunden und vielfältigen Kost hinaus. "Kinder sollten auch einen wertschätzenden Umgang mit dem Essen lernen", sagt sie. Es gehe um ein ganzheitliches Konzept der Erziehung zum verantwortlichen Umgang mit der Natur. Claudia Wetzel-Thiel macht sich deshalb für die Einrichtung von Küchen in den Kitas stark. Es benötige Köchinnen und Hauswirtschafterinnen in den Einrichtungen. Mit den Kindern müsse gemeinsam gekocht werden. "Die veränderten Arbeitsbedingungen verändern das Leben in den Familien. Kinder sollten aber noch erleben können, wie Essen zubereitet wird und selbst daran beteiligt werden", sagt sie.

Eigene Köchin in Goldbach hat ihren Preis

Ein ambitionierter Vorstoß, der für die Kita in Goldbach schon Realität geworden ist. Dort wird täglich von Karin Kaspers für die 20 Unter-Dreijährigen ein Frühstück und Mittagessen zubereitet, die ausschließlich aus biologisch-dynamischen Zutaten bestehen. "Wir als kleinster Träger", sagt der Vorsitzende des Vereins Goldbach-Haus, Johannes Beier, „können uns das leisten." Sie würden durch eine Mischfinanzierung die Stelle der Köchin und die Lebensmittel aus Rengoldshausen finanzieren. Allerdings müssten die Eltern 80 Euro im Monat für das Essen zahlen. "Das ist aber dennoch nicht kostendeckend."

Karin Kaspers kocht für die Kinder der Kita Goldbach täglich ein Menü. Bild: Michael Schnurr
Karin Kaspers kocht für die Kinder der Kita Goldbach täglich ein Menü. | Bild: Schnurr, Michael

Auch das Unternehmen K5 müsste, wollte es Biokost anliefern, deutlich höhere Preise von den Eltern verlangen. Holger und Daniela Kissing sind deshalb nach eigenen Worten bemüht, im bestehenden Kostenrahmen die bestmögliche Qualität zu liefern. 2012 begann K5 den Lieferservice mit 100 Essen im Jahresdurchschnitt. Heute fährt die Firma im Schnitt täglich 500 Essen an 24 Einrichtungen im Bodenseekreis aus. Jeden Tag können die Kindergärten zwischen zwei Menüs wählen, wovon eines auf vegetarische Kost ausgerichtet ist. "Wenn es für die Kinder, die Fleisch essen, Würstchen gibt", sagt Holger Kissing, "bekommen die Nicht-Fleisch-Esser etwas vergleichbares Vegetarisches." Sie würden möglichst vielfältig und abwechslungsreich kochen, vor allem frisch. "Unsere Zutaten kommen hauptsächlich aus der Region", sagt Holger Kissing.

Alle Menüs für die Kitas werden von Holger Kissing und seinen Mitarbeitern in der eigenen Küche tägllich frisch zubereitet, wie hier zum Beispiel Spätzle. Bild: Michael Schnurr
Alle Menüs für die Kitas werden von Holger Kissing und seinen Mitarbeitern in der eigenen Küche tägllich frisch zubereitet, wie hier zum Beispiel Spätzle. | Bild: Schnurr, Michael

Von K5 werden auch fünf städtische Kindergärten beliefert. Dem SÜDKURIER war es indes nicht möglich, mit den Einrichtungsleiterinnen über ihre Erfahrungen mit dem Essen zu sprechen. Die Stadt hatte es ihnen per E-Mail untersagt, der Redaktion eigenständig Informationen zu geben. Die schriftliche vorgelegte Frage nach der Zufriedenheit mit dem Essen wurde von der Pressestelle lediglich mit "Ja" beantwortet. Kritiken seien keine bekannt: "Kritische Rückmeldungen von Kindern oder Eltern werden mit den Essenslieferanten besprochen und ggf. Änderungen vorgenommen."

Nesselwangen erhält TK-Ware aus Westfalen

Ein anderes Modell verfolgt der Kindergarten in Nesselwangen. Dort essen die Kinder Speisen, die aus tiefgekühlten Menükomponenten der Firma Apetito bestehen. Das international agierende Unternehmen aus dem westfälischen Rheine erklärte auf Frage des SÜDKURIER: Man stelle "jede Menükomponente aus qualitativ hochwertigen Zutaten her und bezieh(e) sie nur von geprüften Betrieben, die ein wirksames Qualitätssicherungssystem besitzen". Gekocht werde "nur mit natürlichen Zutaten – ohne künstliche Zusätze, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker." Die in Rheine aus diesen Zutaten tiefgekühlten Menükomponenten, würden "bis zu einem bestimmten Garpunkt gekocht und portioniert" und dann "von über 27 Servicecenter deutschlandweit" zu den Kitas gebracht.