Ideen, wie man die Geschichte des Goldbacher Stollens vermitteln will, diskutiert der Verein "Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen" bereits seit mehreren Jahren. Doch es gibt keine Patentlösungen, wie die lebhafte Mitgliederdiskussion bei der der Jahresversammlung zeigte: weder für das spezielle Problem, ob und wie man den Stollen künftig auch Einzelbesuchern zugänglich machen könnte, noch für die generelle Frage, mit welchen Methoden man nachfolgende Generationen über die NS-Diktatur und ihre Verbrechen informieren soll.

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Mitglieder zweifeln, ob "Digitalisierung der Erinnerung" der richtige Weg ist

Was Letzteres angeht, dachte man vor allem über technische Möglichkeiten, die "Digitalisierung der Erinnerung", nach. Doch nun betonten die 25-jährige Lehrerin Anika Walser und Sabine Müller, die ehrenamtlich Gruppen auf Rundgängen durch den Stollen begleiten: Auch Jugendliche bevorzugten die persönliche Vermittlung. Sabine Müller berichtete: "Mein 14-jähriger Sohn sagt, das Gespräch mit einem Menschen ist das Nonplusultra."

Aufwand und Kosten sind hoch

Zum Start der Landesgartenschau 2020 wollte der Verein eigentlich individuelle Stollenbesuche, zusätzlich zu den Führungen, ermöglichen. Aber die Kosten dafür lägen nach einer ersten Schätzung, die Thomas Hirthe nun nannte, bei rund 230 000 Euro – allein für interaktive "Smartguides" und die dafür erforderliche Infrastruktur. Diese Summe an sich entsetzte etliche Mitglieder – auch ungeachtet der Frage, ob sie aufgebracht werden könnte –, ebenso wie der Aufwand, der mit einer solchen Ausweitung des derzeitigen Angebots verbunden wäre. So betonte Dagmar Miedzianowski: "Ein Verein kann sich nicht mit einem professionellen Museum vergleichen."

Ein Lesezeichen sowie eine zusätzliche Installation sollen bei der Landesgartenschau 2020 auf die KZ-Gedenkstätte Goldbacher Stollen hinweisen. Hansjörg Straub vom Stollenverein stellt seine Idee den Vereinsmitgliedern vor.
Ein Lesezeichen sowie eine zusätzliche Installation sollen bei der Landesgartenschau 2020 auf die KZ-Gedenkstätte Goldbacher Stollen hinweisen. Hansjörg Straub vom Stollenverein stellt seine Idee den Vereinsmitgliedern vor. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Verein arbeitet an Zukunftskonzepten

Die Ehrenamtlichkeit mache den Charakter des Vereins aus, den man so auch erhalten wolle, unterstrich dessen Vorsitzender und Gründer Oswald Burger später auf Nachfrage. In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder gemahnt, die bisherige Art der Führungen werde es bald nicht mehr geben. Deshalb gründete der Verein eine Projektgruppe, die begann, Zukunftskonzepte zu entwickeln, zum Beispiel Audioguide-Texte.

Suche nach passender Technik ist schwierig

Doch Burger ernüchtern mittlerweile nicht nur die hohen Kosten für die Technik, sondern auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Letztere waren ihm bei der Fachtagung "Entgrenzte Erinnerung" auf der Mainau verdeutlicht worden, erzählte er. So habe ein Experte von Audiotechnik abgeraten, da diese rasend schnell veralte. Ein Thema der Tagung seien auch virtuelle Welten gewesen. So produzierten etwa jüdische Museen in den USA Hologramme von Zeitzeugen, die auch nach ihrem Tod noch den Anschein vermitteln könnten, man spreche mit einer realen Person. Doch das eigne sich nicht für den Verein. "Ich bin noch zu keiner Lösung gekommen, was für uns nutzbar wäre", so Burger.

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Direkter Austausch für viele wichtiger als mediale Information

Doch zeigen vielleicht ausgerechnet die Hightech-Hologramme, die ja letztlich echte Gesprächspartner ersetzen sollen, dass für den Verein der alte Weg nicht auch in die Zukunft weisen könnte? Die Nußdorferin Anika Walser, die sich schon als Schülerin für den Stollen interessierte, besuchte später als junge Lehrerin mit Wiestor-Schülern eine Führung – und ließ sich von Oswald Burger selbst als Ehrenamtliche anwerben. Walser bestätigte die Aussage von Sabine Müller, dass Jugendliche den direkten Austausch höher schätzten als mediale Informationen.

Sondersitzung findet in drei Monaten statt

Insgesamt hat der Verein laut Burger im vergangenen Jahr drei neue Führungsleiter gewonnen, sodass derzeit zehn Mitglieder für diese Aufgabe zur Verfügung stehen. Über weitere Neuzugänge würde man sich natürlich sehr freuen, so Burger. Was die von Thomas Hirthe vorgestellte technische Ausstattung angeht, die die Voraussetzung für Einzelbesuche wäre, will der Verein nun erst mal abwarten, ob mithilfe von Förder- und Spendenmitteln genug Geld dafür zusammenkäme. In rund drei Monaten sollen die Mitglieder dann in einer Sondersitzung über den Stand der Dinge unterrichtet werden.