Das Sommertheater ist tot. Es lebe das Sommertheater. Was in Frankreich die immerwährende Herrschaft der Könige beschrieb, passt auch auf das Überlinger Sommertheater. Es ist nicht tot zu kriegen, so sehr die Stadt auch ihre finanzielle Beteiligung zurückfährt. Der Vorstand des Fördervereins Sommertheater hat nun beschlossen, als Veranstalter auf eigenes Risiko ein, wie er schreibt, ein „kleines“ Sommertheater anzubieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Termin und der Ort stehen bereits fest. Fördervereinsvorsitzender Thomas-Michael Becker teilt ihn schon mit, bevor er benennen könnte, was genau auf der Bühne zu sehen sein wird, mit dem Ziel, dass sich die Interessierten den Termin, an den schon keiner mehr glaubte, im Kalender vermerken. Laut Becker finden die Veranstaltungen im Zeitraum Mittwoch, 7. August, bis Samstag, 10. August, im Saal des Pfarrzentrums Sankt Nikolaus statt. Becker hoffnungsfroh: „Wir hoffen, dass uns das Überlinger Publikum die Treue halten wird.“

„Zwei Jahre ganz ohne Sommertheater fände ich schwer erträglich.“Thomas-Michael Becker, Vorsitzender des Fördervereins
„Zwei Jahre ganz ohne Sommertheater fände ich schwer erträglich.“Thomas-Michael Becker, Vorsitzender des Fördervereins | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Somit ist der letzte Vorhang fürs Sommertheater noch längst nicht gefallen, obwohl ein Zeitungstitel im Jahr 2016 entsprechende Sorgen der Theaterfreunde transportiert hatte. „Der letzte Vorhang scheint gefallen“, lautete eine Überschrift im SÜDKURIER von August 2016. Dazu ein kurzer Abriss der Geschichte: 2017 und 2018 hatte die Stadt mit Zuschüssen gegeizt und sie auf 30 000 Euro halbiert, 2018 konnte sie keine Spielstätte zur Verfügung stellen, weil die Kapuzinerkirche einzustürzen drohte.

2018 im Glaspavillon

Die Reihe wurde 2018 dennoch räumlich gerettet, weil Eventmanager Reinhard A. Weigelt für seine Veranstaltungsreihe „Kultur am Kapuziner“ einen Glaspavillon orderte, der zu den von der Stadt bereitgestellten Zuschüssen ein ansprechendes Ambiente bot. Weil nun aber auch der nötige Platz vor der Kapuzinerkirche fehlt, um erneut den Glaspalast aufzustellen und Weigelt kein ihm genehmes Gelände angeboten wurde, sagte der seine Kulturveranstaltung ab, zumal mit den Künstler kurzfristig keine Verträge mehr geschlossen werden hätten können, wie er sagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier nun aber erhebt sich das Sommertheater wie Phönix aus der Asche. Dazu Thomas-Michael Becker: „Zwei Jahre ganz ohne Sommertheater fände ich schwer erträglich – davon konnte ich auch den Vorstand überzeugen.“ Es sei wie beim Klimawandel. „Meckern hilft nicht. Man muss schon aktiv werden.“ Becker wurde aktiv und deutete bereits in der letzten Mitgliederversammlung des Sommertheater-Fördervereins an, dass er gerne etwas machen würde. „Das ist von den Mitgliedern prinzipiell befürwortet worden“, so Beckers Lesart der letzten Sitzung.

Finanzielles Risiko schwer abschätzbar

Das finanzielle Risiko könne er schlecht abschätzen. „Wenn uns das Überlinger Publikum treu bleibt und uns unsere privaten Sponsoren auch bei diesem kleinen Programm weiterhin unterstützen, könnten wir den Verlust aufgrund der kurzen Spielzeit im vierstelligen Bereich halten. Das könnten wir dann wiederum über unsere Mitgliedsbeiträge 2019 und 2020 kompensieren.“ Zugleich wirbt Becker um neue Mitglieder und verweist auf die Internetseite des Fördervereins.

Becker strecke frühzeitig die Fühler aus

Als „das größte Problem“ bezeichnet es Becker, für 2019 noch einen Spielort und ein Ensemble so kurzfristig zu finden. „Normalerweise läuft so etwas mit einem Jahr Vorlauf. Ich hatte meine Fühler allerdings schon Ende letzten Jahres vorsorglich ausgestreckt.“ Mit welchem Ensemble? „Dazu kann ich nur sagen, dass der Regisseur in Überlingen kein Unbekannter ist.“ Auf ein Nachbohren hin teilte er mit, dass die angefragten Schauspieler noch nie in Überlingen aufgetreten seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Was wird aber denn jetzt auf die Bühne gestellt, im wie auferstandenen Sommertheater 2019? „Wir werden ein Familienstück spielen und ein Stück zu einem zeitkritischen Thema zeigen – ein Abend voller Poesie, Komik, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung mit Live-Musik.“ Mehr verrät Becker noch nicht.