Ab wann wird es einer Kuh zu warm und wann schwitzt ein Huhn? Über diese Frage kann Angelika Rösch zwar lachen, nicht mehr lachen kann sie über die Tatsache, dass ihre Hühner während der extremen Hitze in diesem Sommer nur noch die Hälfte der Eier legen. Walter Sorms vom Hofgut Rengoldshausen bei Überlingen weiß, so richtig wohl fühlt sich eine Kuh bei einer Temperatur von 10 Grad, ab 25 Grad gerät sie regelrecht in Hitze-Stress.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind für die Experten der Bodensee-Stiftung der Grund für diese extreme Wetterlage im Sommer 2018 mit großer Hitze und Trockenheit. Die Stiftung mit Sitz in Radolfzell hatte bereits im Jahr 2016 eine Studie mit zehn landwirtschaftlichen Betrieben am Bodensee erstellt, in der konkrete Maßnahmen getestet wurden, dem Klimawandel zu begegnen. Sie empfiehlt "Diversifizierung – also eine Ausweitung von Wahlmöglichkeiten statt maximaler Erträge". Ein weites Sortenspektrum bei der Grasmischung im Grünland und bei Ackerfrüchten verringert laut der Studie das Risiko von Ertragsausfällen. Diese Ertragsausfälle beim Grünfutter führen in 2018 bereits zu Notschlachtungen von Kühen bei Landwirten in Dänemark.

Landwirt lobt Luzerne über den grünen Klee

Die Luzerne, auch Ewiger Klee genannt, ist eine Saatpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Diese erstaunliche Pflanze wurzelt bereits nach fünf Jahren in 20 Metern Tiefe. Entgegen aller anderen Futterpflanzen wachse die Luzerne auch jetzt noch und man könne jeweils nach fünf Zentimetern Wuchs einen Schnitt machen, erklärt Walter Sorms. Der Landwirt bezeichnet die Luzerne als "Königin der Futterpflanzen", sie sei außerdem sehr eiweißreich.

Die Hitze setzt den Hühnern von Angelika Rösch aus Überlingen-Bambergen stark zu. Vor der Hitzewelle hätten die Tiere fleißig Eier gelegt, seit es so heiß ist, habe sich die Zahl der Eier aber halbiert.
Die Hitze setzt den Hühnern von Angelika Rösch aus Überlingen-Bambergen stark zu. Vor der Hitzewelle hätten die Tiere fleißig Eier gelegt, seit es so heiß ist, habe sich die Zahl der Eier aber halbiert. | Bild: Stefan Hilser

Seit 1990 baue man in Rengoldshausen die Luzerne an, und so habe man keinen aktuellen Futtermangel für die insgesamt 150 Kühe. Man müsse auch nicht das Winterfutter angreifen, sagt Walter Sorms. Die Auswirkungen des Klimawandels sind seiner Meinung nach längst in der Bodenseeregion angekommen und so verändere sich auch der Anbau der Futtersorten hin zu sogenannten Tiefwurzlern, erklärt Sorms. Im Bio-Landbau setze man auf Leguminosen – das sind stickstoffbindende Pflanzen, also Hülsenfrüchte wie die Luzerne, oder auch beispielsweise Bohne, Erbse und Klee. Als ausgesprochen trocken- und wachstumsstabil bezeichnet Sorms die Luzerne, der in seiner 39-jährigen Laufbahn als Bio-Bauer einen Sommer mit so extremer Dürre nach eigenen Angaben noch nie erlebt hat.

Kühen ist es auf der Weide zu heiß

Auf die Weiden könne man in diesem heißen Sommer auch auf dem Hofgut die Kühe allerdings nicht mehr bringen, denn es gebe ja kein Grünfutter mehr, weil die Grünpflanzen ihr Wachstum komplett eingestellt haben. Außerdem gerieten die Tiere da tagsüber auch ordentlich in den Hitze-Stress, erzählt der Landwirt, denn eine Kuh fühle sich bei Temperaturen von über 25 Grad nicht mehr wohl. Die Kühe auf dem Hofgut stehen in einem Offen-Stall. Diese Art Stallbau wird von der Bodensee-Stiftung ausdrücklich empfohlen, denn so erhalten die Tiere ausreichend Luft und Kühle bei extremen Temperaturen.

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Wassernebel hält lästige Fliegen ab

Sprichwörtlich den richtigen Riecher für die Rindviecher hatte das Hofgut Rengoldshausen mit der neuen Wasservernebelungs-Anlage, die im Frühjahr angeschafft wurde. Mit dieser Anlage wird ein feiner Nebel versprüht, der vor allem die lästigen Plagegeister wie Fliegen und Mücken von den Kühen fernhalten soll. Am Melkstand und an den Futtertischen wollte man damit den Tieren mehr Ruhe bringen. Der feine Wassernebel setzt sich auf die Augen der Insekten und vertreibe sie, erklärt Walter Sorms. Nun schaffe man damit auch eine angenehme Kühle im Stall. "Diese Anlage ist der Volltreffer in diesem Sommer, die Tiere kommen immer mal vorbei. Sobald es heiß wird, machen wir das schon morgens an."

Milch- und Eierproduktion gesunken

Die Milchproduktion der circa 60 Milchkühe sei aufgrund der extremen Hitze im Sommer 2018 dennoch um rund 20 Prozent gesunken von 22 auf 17 Liter am Tag. Das sei schon bedenklich, konstatiert der Bio-Landwirt.

Gesunken ist auch die Eier-Produktion der rund 200 Hühner von Angelika Rösch in Überlingen-Bambergen. "Meine Hühner haben die Hitze regelrecht satt und legen nur noch die Hälfte der Eier", so die Landwirtin. Einige ihrer Kunden dächten wohl, sie "unterschlage" ihnen die Eier. Aber es gebe für die Hühner nichts Grünes mehr zu picken und das Zusatzfutter schmecke dem Federvieh einfach nicht so gut. Angelika Rösch hat sich aus dem Internet mit Tipps versorgt. Einer davon: den Hühnern eisgekühltes Wasser anbieten – genützt habe das allerdings bisher nichts, so Rösch. "Einen so krassen Sommer wie diesen habe ich mit den Hühnern noch nie erlebt."

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