Lebenswerte Stadtentwicklung: So war die Veranstaltung mit Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke am Dienstagabend im Überlinger Kursaal überschrieben. Dabei gab Soehlke einen Einblick in die Baupolitik der 90 000-Einwohner-Stadt und erklärte, wie Baugemeinschaften dazu beitragen, Grundstückspreise zu senken.

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Bewusst hätten die Veranstalter, die Fraktion LBU/Die Grünen, diesen Referenten gewählt, da Tübingen eine geografisch ähnliche Stadtstruktur mit engen Straßen aufweise, erklärte Moderator Herbert Dreiseitl.

Kleinteilige Quartiere mit sozialer Mischung

Lebenswerte Stadtentwicklung, das bedeutet für Tübingen kleinteilige Quartiere mit sozialer Mischung, autofreien Zonen und grünen Innenhöfen, erläuterte Cord Soehlke. Der Baubürgermeister blickt auf 22-jährige Erfahrung in diesem Bereich und erklärte den rund 120 Zuhörern ausgesprochen kurzweilig, wie solche Konzepte umgesetzt werden können.

Baugrundstücke in Quartieren bis zu 20 Prozent günstiger

Er betonte, dass die Preise für Baugrundstücke in solchen Quartieren bis zu 20 Prozent unter den marktüblichen Preisen liegen würden. Das sei möglich, weil man auf Baugemeinschaften setze und damit die Bauträger entfallen. „Was glauben Sie, was das ausmacht bei den heutigen Immobilienpreisen“, sagte Soehlke. An dieser Stelle zeigte sich das Überlinger Publikum besonders interessiert und es wurde Bedauern darüber geäußert, dass der Überlinger Baubürgermeister Matthias Längin, obwohl eingeladen, nicht anwesend war.

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Überlinger denken über Konzepte für Kramer-Areal nach

Soehlke bezeichnete die Baugemeinschaften als wichtigstes Werkzeug zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Das Wohnen in bezahlbaren, da gemeinschaftlichen Projekten und die gemeinsame Nutzung von grünen Innenhöfen biete für viele Menschen eine ernsthafte Alternative zum Einfamilienhaus. Bei der anschließenden Diskussionsrunde zeigte sich, dass viele der Besucher sich vorstellen könnten, das Kramer-Areal auf diese Art und Weise weiterzuentwickeln. Angelika Förg aus Deisendorf sagte: „Das Kramer-Areal ist die letzte Möglichkeit für Überlingen, in dieser Größe etwas wirklich Gutes zu schaffen.“

„Das Kramer-Areal ist die letzte Möglichkeit für Überlingen, in dieser Größe etwas wirklich Gutes zu schaffen.“ – Angelika Förg, Deisendorf
„Das Kramer-Areal ist die letzte Möglichkeit für Überlingen, in dieser Größe etwas wirklich Gutes zu schaffen.“ – Angelika Förg, Deisendorf | Bild: Stef Manzini

Plädoyer für buntere Wohn- und Lebenskonzepte

Soehlke betonte: „Eine pluralistische Gesellschaft braucht buntere Wohn- und Lebenskonzepte.“ Um diese zu verwirklichen, kaufe die Stadt Tübingen Brachen und entwickle daraus Bauland. Dafür brauche es den Willen, Kontinuität und Knowhow.

Eine Zuhörerin entgegnete, Überlingen würde Grundstücke nur zu Höchstpreisen auf den Markt werfen. Soehlke erklärte das Vorgehen in Tübingen: „Wir machen das bewusst nicht und ich streite dafür auch schon mal mit meinem OB.“ Die meisten Zuhörer blieben auch nach dem Vortrag und diskutierten mit ihren Tischnachbarn. Diese Veranstaltung hat einen Nerv bei den Überlingern getroffen, war sich auch Besucherin Angelika Förg sicher.