Konstanz hat als erste Stadt in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen. Wie beurteilt ihr die Entscheidung?

Roller: Wir haben in unserer Gruppe viel darüber diskutiert und fanden es cool, wie es in Konstanz gelaufen ist. Wir begrüßen es, dass nun jede Entscheidung, die der dortige Gemeinderat trifft, auf seine Bedeutung für den Klimaschutz geprüft werden muss.

Locher: Unter den Bedingungen der Forderungen hat sich der Gemeinderat einen Batzen Mehrarbeit aufgeladen. Das zeigt eindeutig, dass der Klimaschutz nicht nur den Schülern wichtig ist, sondern auch Erwachsene, Politiker und der Bürgermeister dahinter stehen.

Stegmüller: Und dass der Gemeinderat einstimmig dahinter steht.

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Würdet ihr euch die Ausrufung des Klimanotstandes in Überlingen wünschen?

Stegmüller: An sich ja, aber nur wenn es konkrete, sinnvolle Forderungen dazu gibt, die dann bei Entscheidungen auch durchdacht werden.

Locher: Viel wichtiger als die Ausrufung des Klimanotstandes sind die konkreten umweltschützenden Handlungen. Dass also wirklich etwas passiert. Notstand ist nur ein Wort, welches Aufmerksamkeit erregt.

Roller: Es benennt die Krise als das, was sie ist.

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Was wollt ihr nun tun?

Stegmüller: Wir haben unsere Forderungen auf den „Fridays for Future“-Demos schon verkündet. Wir werden uns nochmals zusammensetzen, die Forderungen überprüfen, konkretisieren und neue dazu nehmen. Damit werden wir zum Bürgermeister gehen und das Gespräch suchen. Dabei ist es egal, ob das Ergebnis Klimanotstand heißt oder nicht. Wichtig ist für uns, die Forderungen durchzusetzen.

Locher: Notstand im politischen Sinn eröffnet ganz andere Handlungsspielräume.

Roller: Notstand beinhaltet Einschränkung der Demokratie, das wollen wir nicht.

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Welche Bedeutung hat die Konstanzer Entscheidung für die „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland?

Roller: Die Entscheidung hat zu zahlreichen Diskussionen geführt. In Telefonkonferenzen haben die Ortsgruppen beratschlagt, ob man den Klimanotstand in die Forderungen mit aufnehmen soll. Aber dazu hat jede Ortsgruppe andere Ansichten. Einigkeit besteht dahingehend, dass Handlungen im Vordergrund stehen.

Stegmüller: Jede Ortsgruppe muss das für sich entscheiden, schließlich bedeutet das auch viel Arbeit. Klimanotstand an sich ist nur ein Symbol, deshalb müssen die Handlungen der Ortsgruppen im Vordergrund stehen. Die lokalpolitischen Forderungen sind in jeder Region anders. Wichtig ist es, im Kleinen zu beginnen.

Locher: Viele von uns sind zu jung zum Wählen. Sie leisten im Ort und in der Familie Überzeugungsarbeit. Bei uns wäre eine Nutzung der Seewärme sinnvoll. Andere Orte haben andere Brennpunkte, zum Beispiel Kohlekraftwerke, und dadurch auch andere Möglichkeiten.

Würdet ihr sagen, dass die Ausrufung des Klimanotstands ein Meilenstein ist?

Roller: Auf keinen Fall darf man sich auf dem Ergebnis ausruhen. Es wäre fatal, wenn bei den halbjährlichen Rechenschaftsberichten des Konstanzer Gemeinderats rauskommt, dass keine Handlungen erfolgt sind. Wenn es zum Stillstand kommt, wäre die Ausrufung des Klimanotstandes zum Symbol verkommen.

Locher: Da muss man abwarten. Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Die Konstanzer Ortsgruppe hat gute Grundlagen für andere geschaffen. Die anderen Ortsgruppen können von den Erfahrungen profitieren.

Stegmüller: Daran können Kritiker sehen, dass es uns nicht darum geht, die Schule zu schwänzen, sondern dass echt viel Arbeit dahinter steckt.

Wie steht die Stadt zu den Schülerprotesten?

Auf Anfrage an die Stadt Überlingen, wie diese zu den Schülerprotesten steht und ob geplant ist, die Forderungen der Jugendlichen umzusetzen, antwortetet die Pressestelle: „Die Umsetzung einzelner Forderungen, wie zum Beispiel die Einführung eines kostenlosen ÖPNVs, obliegt dem politischen Willensbildungsprozess und entsprechenden Beschlussfassungen.“

Eine Ausrufung des Klimanotstandes sei aktuell nicht geplant, da „politische Anträge zur Feststellung eines Klimanotstandes“ der Stadtverwaltung Überlingen nicht vorliegen würden, heißt es weiterhin.

Den Schritt der Konstanzer, als erste Stadt in Deutschland den Klimanotstand auszurufen, wolle man nicht beurteilen, denn: „In Anerkennung der kommunalen Selbstverwaltung bewertet die Stadt Überlingen grundsätzlich keine Entscheidungen anderer Kommunen“, informiert die Pressestelle.

Zur Initiative der Jugendlichen, die sich in der „Fridays for Future“-Bewegung engagieren, äußert sich die Stadt positiv: „Die Stadtverwaltung Überlingen begrüßt bürgerschaftliches Engagement insbesondere auch der nachfolgenden Generationen grundsätzlich.“