Sexualisierte Gewalt gegen Frauen beginnt oft mit einem unerwünschten Po-Klatscher. Das sei ihm nicht egal und keine Bagatelle, in seinem Lokal würde Frauen geholfen. Und das wolle man auch nach außen hin deutlich zeigen. Das sagte Gastronom Michael Jeckel bei der Veranstaltung zum Start von „Luisa ist hier“ am gestrigen Donnerstag im „Galgenhölzle“ in Überlingen.

Idee stammt aus Großbritannien

Die Frage „Ist Luisa hier?“ ist ein Code für Frauen, die sich gegen ihnen unangenehmes sexistisches Verhalten von Männern vielleicht nicht selbst helfen können und mit diesem Satz beim Personal eines Clubs oder Kneipe um Hilfe bitten dürfen. Vorbild der jetzt im Bodenseekreis gestarteten Aktion ist „Ask for Angela“ aus Großbritannien, die deutsche Version startete der Frauennotruf im westfälischen Münster.

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Von 30 angeschriebenen Lokalen macht nur das von Jeckel mit

Das „Galgenhölzle“ in Überlingen ist der Vorreiter des neuen Projekts vom Landratsamt Bodenseekreis in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt, die in Friedrichshafen auch das Frauenhaus betreut. Von Michael Jeckel sei die bisher einzige Rückmeldung der 30 angeschriebenen Szenelokale gekommen, so Veronika Wäscher-Göggerle, der Frauen- und Familienbeauftragten im Landkreis. Die Zurückhaltung sei eigentlich kaum zu erklären, denn mit einer zweistündigen Schulung des Personals und dem Anbringen eines Posters sei der bürokratische Aufwand sehr klein gehalten, erklärte Wäscher-Göggerle.

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Es ginge bei „Luisa“ zum einen darum, den betroffenen Mädchen und Frauen aus der Situation zu helfen, und zum anderen das Bewusstsein zu schaffen, ein derartiges Verhalten nicht zu tolerieren, erklärte Landrat Lothar Wölfle. „Wo die sexualisierte Gewalt anfängt, liegt immer in der Wahrnehmung der Frauen“, so der Landrat unmissverständlich. Man wolle zunächst die akute Situation für die betroffenen Frauen entschärfen, die Verfolgung des Täters käme erst in zweiter Linie, so Katharina Stumpf. Ein Gastwirt gebe mit der Beteiligung an der Aktion ein Zeichen für Frauenschutz.

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„Hier geht es doch um die grundsätzliche Einstellung zum Respekt vor Frauen“, so Michael Jeckel. Mit dem neuen Hilfsangebot „Luisa ist hier“ thematisiere man Dinge, die schon immer vorgekommen seien und die es leider immer noch zu häufig gebe, sagte dazu Landrat Wölfle. Die Initiatoren der Aktion überlegen, zu den hellblauen Plakaten, auf denen sich eine 24 Stunden besetzte Notrufnummer befindet, auch noch Abziehbilder, die außen an den Lokalen angebracht werden können, zu entwickeln.

Geschultes Kneipen-Personal sorgt rasch für Hilfe

Wirst du von jemandem bedrängt? Fühlst du dich gerade nicht sicher? Überschreitet dein Date Grenzen? Wirst du sexuell belästigt? Fühlst du dich bedroht? – So die fünf Fragen auf dem Plakat, in allen Fällen ist das geschulte Personal in den beteiligten Lokalen ansprechbar und leistet rasche Hilfe.

Lokale, die mitmachen wollen, erreichen Veronika Wäscher-Göggerle, die Frauen- und Familienbeauftragten des Bodenseekreises, unter der Telefonnummer 0 75 41-2 04 54 75.