Nach wie vor große Aufregung herrscht unter den Goldbacher Bürgern über die gemeinsamen Pläne von Stadt und Landesgartenschau (LGS) GmbH, südlich der Sylvester-Kapelle vom Ende des Uferparks eine Fußwegverbindung zum Gelände westlich des denkmalgeschützten Gotteshauses aus dem neunten Jahrhundert anzulegen.

So soll der Weg südlich der Goldbacher Kapelle verlaufen. Ein Zaun mit zwei Informationstafeln soll ihn zu der Wiese mit dem früheren Friedhof abgrenzen, zum See soll wie jetzt eine Hecke bestehen bleiben beziehungsweise gepflanzt werden.
So soll der Weg südlich der Goldbacher Kapelle verlaufen. Ein Zaun mit zwei Informationstafeln soll ihn zu der Wiese mit dem früheren Friedhof abgrenzen, zum See soll wie jetzt eine Hecke bestehen bleiben beziehungsweise gepflanzt werden. | Bild: LGS Überlingen

Zum einen fürchten sie eine große Unruhe und Vermüllung des Areals um die Kapelle, das von den Goldbachern nach eigenen Angaben bislang stets sauber gehalten und gepflegt wurde. Der Seebezug der Kirche, die hier auf einem Felsvorsprung erstellt worden war, werde durch den Weg gestört, der spirituelle Ort mit der ehemaligen Friedhofsfläche stark beeinträchtig, lautet der Tenor der Einwände.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Vorgehen war von Stadt und LGS eng mit der katholischen Münstergemeinde als Eigentümer abgestimmt und vom Stiftungsrat als zuständigem Entscheidungsgremium noch unter Pfarrer Karl-Heinz Berger befürwortet worden. „Auch Pfarrer Walter ist hier inzwischen sehr gut informiert“, sagt LGS-Geschäftsführer Roland Leitner. „Erst vor Kurzem war er bei uns und wir haben alles durchgesprochen.“

Die Goldbacher sehen die Spiritualität der Kapelle bedroht.
Die Goldbacher sehen die Spiritualität der Kapelle bedroht. | Bild: Stefan Hilser

Schon im Dezember habe sich der Stiftungsrat auch in seinem Beisein noch einmal intensiv mit der Wegeführung auseinandergesetzt, sagt Pfarrer Bernd Walter. „Wir haben uns einstimmig für die jetzige Lösung ausgesprochen.“

Ja, der Münsterpfarrer sieht darin sogar einen „großen Gewinn für die Goldbacher Kapelle und die Gartenschau“. Das Kirchlein selbst werde nur zwei-, dreimal in der Woche für ein Gebet geöffnet. Mit Schautafeln wolle man die Besucher außen über die Besonderheiten informieren. Nach Ostern sollen die Arbeiten hier beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu Unrecht außen vor gelassen und schlecht informiert fühlt sich die Goldbacher Nachbarschaft, ausführliche Anfragen und Kritik seien unbeantwortet geblieben. „Als Vertreter des Gassenpflegers und Beauftragter der Goldbacher Nachbarschaft“ meldete sich jetzt Wolfgang Braungardt in einer Bürgerfragestunde zu Wort.

Weg beeinträchtige das Leben der Goldbacher

Der geplante Weg südlich der Kapelle beeinträchtige das Leben der Goldbacher und insbesondere die Spiritualität dieses vor 1170 Jahren erstmals bebauten Platzes ganz erheblich. Dass der Stiftungsrat der katholischen Kirchengemeinde quasi als Eigentümer sein Einverständnis gegeben habe, möge durchaus zutreffen, könne als alleiniges Kriterium aber keineswegs ausreichen.

Mit einigen Indizien versuchte Braungardt zu belegen, dass just die gehörte Kirchengemeinde gerade bezüglich seiner Kapelle keineswegs immer die klügsten Beschlüsse gefasst habe, und bemühte dazu einige ältere Archivalien.

Das könnte Sie auch interessieren

So sei das kleine Gotteshaus der Gemeinde schon im 19. Jahrhundert eine große Last gewesen. Mehr als einmal habe man die Kapelle schon abreißen wollen, berichtete Braungardt. Nur der Goldbacher Nachbarschaft sei es zu verdanken, dass sie heute überhaupt noch stehe – und dies mit ihrem engen Bezug zum Weltkulturerbe des Klosters auf der Insel Reichenau.

Kapelle zunächst ausgeklammert

In der Tat war bei den ersten Überlegungen und Entwürfen für die Landesgartenschau die Goldbacher Kapelle ganz bewusst ausgeklammert worden und sollte vom Uferpark aus nur aus der Distanz zu sehen sein.

Eine neue Perspektive ergab sich aus Sicht der Stadt, nachdem die Kommune das ehemalige Ufergrundstück der Deutschen Bahn unmittelbar westlich der Kapelle gekauft hatte. „Die Stadt wollte dann eine Fußwegeverbindung herstellen“, erklärt Roland Leitner. Der bestehende Weg nördlich der Kapelle wäre dafür zu eng und nicht geeignet gewesen, sagt Leitner.

Roland Leitner: „Das wird ein ruhiger Ort bleiben“

Die großen Sorgen der Goldbacher teilt der LGS-Geschäftsführer indessen nicht. „Das wird selbst während der Landesgartenschau ein ruhiger Ort bleiben“, ist sich Roland Leitner recht sicher. „Die großen Besucherströme bis zur Kapelle wird es nicht geben.“ Bis ans Ende des Geländes kämen allenfalls besonders Interessierte, sagt Leitner. Allerdings auch jene Besucher, die sich für die Aufzucht der Waldrappen interessieren.

Im kommenden Jahr rechnet Biologe Johannes Fritz mit den ersten Rückkehrern an den Bodensee, von jenen, die 2017 in Begleitung ihrer Ziehmutter aus Hödingen gen Toskana gesegelt sind. Sie sollen an die künstlichen Brutplätze an den Molassefelsen gebracht werden, die ihrem natürlichen Habitat sehr ähnlich sind.

Vom Gelände westlich der Goldbacher Kapelle soll Besuchern der Blick auf die Felsen ermöglicht werden. Auf dem Areal selbst soll über das Projekt informiert und die Aufzucht von Waldrapp-Nachwuchs gezeigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Inwieweit das exklusive "Goldbacher Strändle" bei der Aufregung um den Fußweg eine besondere Rolle spielt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zumindest auf den Prominentenfaktor weist Architekt Christian Rassaerts aus der Goldbacher Straße hin. Der Schriftsteller Ernst Jünger sei, wenn er in Überlingen war, just an dem kleinen Strand schwimmen gegangen „unabhängig von Wetter und Jahreszeit“.

So wurde laut Gustav Rommel 1829 der Abriss der Kapelle verhindert

Ein Abrissbegehren der Überlinger Kirchengemeinde aus dem Jahr 1829 hat Gustav Rommel in seinem 1949 erschienen Buch „Goldbach“ dokumentiert:

„In den Jahren 1814-1820 wurden an und in der Kirche sowie an der Kirchhofmauer verschiedene größere Wiederherstellungen vorgenommen. Die Heiligenpflege Überlingen suchte 1821 die Kosten dadurch auf die Gemeinde abzuwälzen, daß sie einen Acker und eine Wiese, die der Kirche gehörten, der Gemeinde übergeben wollte, wenn diese sich zur Erhaltung der Kirche und Paramente künftig verpflichten würde.

Die Gemeinde aber erklärte, dass sie trotz Zuweisung der Kirchengrundstücke, die nur einen geringen Ertrag hätten, jetzt nicht mehr geneigt sei, dafür die Baulast der Kirche zu übernehmen.

Im Januar 1829 schrieb der Stiftungsvorstand Überlingen an die Gemeinde Goldbach, ob diese bereit sei, den Betrag von 99 fl. (Gulden) 20 kr. (Kronen) für die Instandsetzung der Kirche zu übernehmen. Dabei wurde mitgeteilt, daß die Heiligenpflege angefragt habe, ob man nicht die Goldbacher Kirche zur Schonung des Fonds eingehen lassen könne. Die Gemeinde solle sich hierzu erklären. Wenn kein Beitrag geleistet würde, müßte man die Kirche auf Abbruch an den Meistbietenden verkaufen!

Da gaben aber die Goldbacher in ihrer Entrüstung eine deutliche Absage (wie schon zuvor 1821) und erklärten, daß sie ihren uralten Besitz auf die Kirche und den Gottesacker aufrecht erhalten und daß deren Unterhalt stiftungsgemäß der Heiligenpflege obliege.

Die Gemeinde erwarte zuversichtlich, daß der Stiftungsvorstand in Überlingen von dieser Erklärung Kenntnis nehme und die Reparaturen an der Kirche künftig als eine altgegründete Obliegenheit auch weiter übernehme.

Die Sache ging dann gut aus und das uralte Kirchlein war vor Abbruch bewahrt geblieben....“