Was ist mit der Betonkugel passiert, die im Winter 2016 vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) vor Überlingen im Bodensee versenkt wurde? Als Teil eines Versuchs zur Stromspeicherung unter Wasser sollte sie damals rund einen Monat lang im Wasser bleiben und Erkenntnisse zur Speicherung überschüssiger Energie liefern. Weil die Kugel im Dezember 2016 im Schlamm des Bodensees stecken blieb und weitere Bergungsversuche wetterbedingt verschoben werden mussten, blieb die Kugel zwar schlussendlich bis März 2017 im See. Erfolgreich war der Versuch aber dennoch, wie Matthias Puchta, Abteilungsleiter für Energiespeicher beim IEE, mitteilt.

So sieht die Kugel aus, die im Bodensee versenkt wurde. Bild: Fraunhofer-Institut
So sieht die Kugel aus, die im Bodensee versenkt wurde. Bild: Fraunhofer-Institut

Auswertung zeigt: Es funktioniert

Bis Mitte des Jahres 2017 seien die gewonnenen Ergebnisse ausgewertet worden. Diese hätten gezeigt, dass das Konzept der Stromspeicherung unter Wasser mithilfe einer derartigen Betonkugel funktioniert. Das sei schließlich nicht selbstverständlich gewesen: „Das hat ja zuvor noch keiner gemacht“, so Puchta. Die drei Meter große Betonkugel, die vor Überlingen im Bodensee lag, sei nach der Bergung am IEE untergebracht worden. „Aktuell wird sie dort als Ausstellungsstück genutzt“, sagt Matthias Puchta. Ins Wasser zurückgebracht werden soll sie nicht: „Sie nach den Tests im Bodensee aktiv als Energiespeicher zu nutzen, war nie vorgesehen.“ In dem kleinen Maßstab sollte sie nicht im wirtschaftlichen Betrieb zum Einsatz kommen, sondern lediglich als Versuchsobjekt dienen. Kommerziell genutzt werden soll nach Beendung der Versuche eine Kugel mit 30 Metern Durchmesser, die etwa 20 000 Tonnen wiegen soll.

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Weitere Tests geplant

Bevor diese allerdings gebaut werden kann, sollen weitere Tests mit einer kleineren Kugel erfolgen, die die Drei-Meter-Kugel aus dem Bodensee in ihrer Größe allerdings übertrifft. Zehn Meter Durchmesser soll sie haben, versenkt werden soll sie im Meer in einer Tiefe von rund 600 Metern. „So eine Kugel wird dann knapp 1000 Tonnen wiegen“, teilt Matthias Puchta mit. Bevor diese Kugel allerdings gebaut werden kann, müssen Fördermittel und Projektpartner gewonnen sowie ein Standort gefunden werden, an dem die Kugel für die Versuche versenkt werden kann. „Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, erklärt Puchta.

Allerdings könne mit dem Projekt nicht gestartet werden, solange keine öffentliche Förderung zur Verfügung stehe, denn Kosten und Aufwand seien weitaus größer als noch bei der Drei-Meter-Kugel. „Das Projekt ist darauf angewiesen.“ Die Versuche im Bodensee seien vor drei Jahren vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium unterstützt worden. Wird eine Förderung zugesagt, kann es nicht mehr lange dauern, bis mit dem Bau der neuen Kugel begonnen wird: Etwa ein bis zwei Jahre danach sei es realistisch, erste Fortschritte zu erwarten, sagt Puchta.

Suche nach Standorten

Auch wenn vieles noch unsicher ist, war das Team des IEE nicht untätig. „Wir sind aber in der Zeit seit der Bergung ziemlich weit gekommen“, sagt Matthias Puchta. So seien bereits einige mögliche Standorte genauer unter die Lupe genommen worden. „Norwegen wäre zum Beispiel ziemlich interessant“, erklärt Puchta. Dort stehe die nötige Infrastruktur zur Verfügung, die zur Durchführung der Versuche nötig sei, außerdem sei das Meer dort tief genug. Endgültig für Norwegen entschieden habe man sich allerdings noch nicht. „Es ist nicht sicher, dass wir das da machen“, sagt Puchta.

Auch in Sachen Auszeichnungen kann das Projektteam mittlerweile einiges vorweisen: Sein Konzept wurde bei dem German Renewables Award 2017 als Projekt des Jahres ausgezeichnet und bei der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ prämiert. Bei den Green Awards und dem Hessischen Staatspreis für Energiethemen schaffte es das Projekt außerdem bis ins Finale. „Das wäre ohne den Versuch im Bodensee nicht möglich gewesen“, sagt Matthias Puchta.