Frau Klusmann, sie haben nun einen neuen Kirchengemeinderat. Welche Aufgaben stehen an, die das neugewählte Gremium zu verantworten hat?

Regine Klusmann: Zunächst muss sich das Gremium finden und Strukturen geben. Da gibt es unterschiedliche Aufgaben zu verteilen, die sich die Gremienmitglieder untereinander aufteilen. Zum Beispiel Bauangelegenheiten, die Kinder- und Jugendarbeit oder Finanzen.

Der Kirchengemeinderat darf über die Ausgaben entscheiden?

Klusmann: Die Laien entscheiden in unserer Kirche ganz viel mit, unter anderem auch über die Verteilung von Finanzmitteln. Jede Kirchengemeinde erhält Mittel von der Badischen Landeskirche durch den Finanzausgleich. Über diese Mittel entscheidet der Kirchengemeinderat. Damit nicht alle Fachleute für Geld werden müssen, bereitet der Finanzausschuss das vor und der Kirchengemeinderat entscheidet dann darüber. Viele Weichen werden auf der Klausur Anfang des kommenden Jahres gestellt. Auch unsere langfristigen Ziele werden vereinbart.

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Frau Klusmann und Sie, Herr Tilgner, haben beide einen neuen Kirchengemeinderat an ihrer Seite. Müssen Sie sich erst auf die neuen Gesichter einstellen?

Klusmann: Wir haben drei ganz Neue im Kirchengemeinderat. Das freut mich sehr, dass sich junge Leute in der Stadt und in der Gemeinde engagieren. Das Gremium wird alle sechs Jahre gewählt. Im Vergleich zum alten sind fünf ausgeschieden – sie wollten aus verschiedenen Gründen nicht mehr antreten. Wir hätten eigentlich 14 Kirchengemeinderäte wählen können. Es haben sich aber nur 13 Kandidaten aufstellen lassen. Ein Platz ist nun noch frei. Und trotzdem gab es eine höhere Wahlbeteiligung.

Tilgner: Das spricht für eine mündige Gemeinde, das die Wähler nicht einfach von oben nach unten angekreuzt haben, sondern ausgewählt haben, wem sie ihre Stimme geben.

Klusmann: Das sehe ich auch so: Die Überlinger haben ausgewählt. Die Wähler haben je nach Präferenz unterschiedliche Vertreter gewählt. Viele sind ja schon länger engagiert und in der Gemeinde bekannt. Elsie Fickenscher als Vorsitzende hat zum Beispiel mit 471 Stimmen die meisten Stimmen bekommen. Das zeigt, dass ihre Arbeit gewürdigt wurde.

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Was steht nach der Klausur Anfang des Jahres für die 13 Laien an?

Klusmann: Der Kirchengemeinderat wählt Delegierte für die Bezirkssynode, die im Frühjahr stattfindet. Die Landessynode folgt im Sommer. Das ist unser höchstes Entscheidungsgremium. Die Landessynode wählt zum Beispiel auch den Bischof. Die Laien entscheiden also ganz viel mit. Um noch mal auf Überlingen zurückzukommen: Den Vorsitz des Kirchengemeinderats hat immer ein Ehrenamtlicher.

Was steht im nächsten Jahr an? Da gibt es mit der Landesgartenschau, dem Stadtjubiläum und dem Narrentag viele Großereignisse. Aber die Fastnacht ist doch für Protestanten kein Thema, oder?

Klusmann: Doch. Wir machen auch da mit. Wir werden eine Besenwirtschaft betreiben – hier am Pfarrhaus. Diese Wirtschaft nennt sich „Zum Fresser und Säufer“. Das ist übrigens ein Bibelzitat aus dem Matthäusevangelium.

Tilgner: Das zeigt doch: Wir sind mitten im Leben. Wir engagieren uns in und für die Stadt. Das macht Kirche auch aus.

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Davor steht aber noch das Stadtjubiläum. Was ist von Seiten der evangelischen Kirche aus geplant?

Klusmann: Ein Höhepunkt, gleich zu Beginn, ist der Ökumenische Gottesdienst am 5. Januar im Münster. Seit zwei Jahren arbeiten wir, in der Vorbereitung zur Landesgartenschau, gut zusammen. Jetzt wird dauerhaft eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, an der fast alle christlichen Kirchen beteiligt sind. Das ist ein Forum für die Zusammenarbeit, das auch nach 2020 bestehen bleibt.

Tilgner: Und auch zur Landesgartenschau gibt es jeden Sonntag ökumenische Gottesdienste auf der Seebühne. Außerdem haben wir während der Landesgartenschau täglich zwei Andachten: eine Andacht mittags um 12 Uhr in der Goldbacher Kapelle und abends um 18 Uhr auf dem „Kirchenschiff“, die alte Fähre Konstanz-Meersburg. Das legt am Hafen an der Therme an. Auch hier haben alle christlichen Kirchen die Möglichkeit Andachten zu halten.

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Herr Tilgner, Sie sind seit September 2019 Pfarrer hier in Überlingen. Sie hätten sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können – mit den Ereignissen im kommenden Jahr.

Tilgner: Ich freue mich auf die Aufgaben. Frau Klusmann kenne ich schon lange aus der Zusammenarbeit im Kirchenbezirk Markgräflerland. Das Schöne an den Veranstaltungen zur Landesgartenschau ist, dass wir Menschen zusammenbringen, die sonst nicht zusammengekommen wären – als Bürger der Stadt in der Ökumene. Das stärkt den Zusammenhalt und die Zusammengehörigkeit in der Stadt. Das ist ein Riesengewinn für die Stadt.

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Gibt es noch ein Beispiel, was Sie als Kirche im nächsten Jahr zur Landesgartenschau planen?

Klusmann: Wir sind gerade dabei einen Garten an der Auferstehungskirche anzulegen. Mit biblischen Pflanzen. Das soll zum Ort der Begegnung für das ganze Viertel werden – auch nach der Landesgartenschau. Außerdem zeigen wir die Ausstellung „Paradiesische Pflanzen im Judentum, Christentum und Islam“, das schon in Meersburg zu sehen war. Die Ausstellung wird im kommenden Jahr zwei Monate in der Kirche zu sehen sein.

Tilgner: Außerdem steht ein bauliches Projekt an: Der Kindergarten mit insgesamt sieben Gruppen muss im laufenden Betrieb umgebaut werden. Ich habe ein ähnliches Projekt im Markgräflerland begleitet. Das ist eine enorme Aufgabe. Da haben wir aber die Gruppen ausgliedern können. Hier wird es noch aufwendiger. Ich hatte gehofft, dass ihr schon fertig seid damit, bevor ich komme (lacht). Aber Spaß beiseite. Das ist dringend notwendig. Ein Millionen-Projekt. Das ist eine Herausforderung für unser gesamtes Team.

Einige Kirchengemeinderäte bei der Einführung in ihr Amt (zwei fehlen auf dem Bild): Hintere Reihe: Tobias Schindler (von links), Markus Korte, Dieter Podsadlowski, Manuel Weckwerth, Volker Bergmann, Hanspeter Walter. Vordere Reihe: Kerstin Fritz (von links), Stephan Randt, Burkhard Kesting, Nina Felsheim und Elsie Fickenscher. Bei der feierlichen Amtseinführung sind Kai Peter Tilgner (ganz links) und Regine Klusmann (vordere Reihe rechts) mit dabei.
Einige Kirchengemeinderäte bei der Einführung in ihr Amt (zwei fehlen auf dem Bild): Hintere Reihe: Tobias Schindler (von links), Markus Korte, Dieter Podsadlowski, Manuel Weckwerth, Volker Bergmann, Hanspeter Walter. Vordere Reihe: Kerstin Fritz (von links), Stephan Randt, Burkhard Kesting, Nina Felsheim und Elsie Fickenscher. Bei der feierlichen Amtseinführung sind Kai Peter Tilgner (ganz links) und Regine Klusmann (vordere Reihe rechts) mit dabei. | Bild: Andreas Bücklein