Der Abriss eines Swimmingpools schmerzt den Eigentümer mitten in der Badesaison vermutlich besonders. Doch ließ der Verwaltungsgerichtshof kein Schlupfloch: Der Pool in der Goldbacher Straße musste weg.

In diesem Fall ist zu betonen, dass der Eigentümer nicht in Täuschungsabsicht baute, sondern im guten Glauben, dass er dürfe. Die Stadtverwaltung, das war vor Gericht unstrittig, hatte zunächst sogar ihre Zustimmung zum Bau signalisiert, was aber vor Gericht natürlich keinen Bestand hatte. Das Signal für sich genügte nicht. Der Bebauungsplan gilt als Grundlage. Und nach ihm hätte der Pool an dieser Stelle eben nicht gebaut werden dürfen. Die Stadt hätte einen fatalen Präzedenzfall geschaffen, wenn sie dem Pool im Nachhinein ihren Segen erteilt hätte.

Wie konnte es so weit kommen?

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass nunmehr in einem Prozess von über sieben Jahren über das Wohl oder Weh' eines Pools gestritten wird, den man nur aus der Luft sieht, der eigentlich nur Symbolkraft besitzt? Um diese Frage zu beantworten, muss man die Wohnanlage „Domizil Seeblick" betrachten, in der die Immobilie steht.

Ältere Überlinger erinnern sich noch an die pittoresken Häuser, die an der Goldbacher Straße standen, umsäumt von großen Gartenanlagen. Oder an eine Kurklinik und eine Gärtnerei, auch hier mit viel Grün versehen. Beides wurde vor etwa zehn Jahren abgerissen und durch eine Bebauung ersetzt, die so massiv wirkt, dass viele Überlinger nur noch den Kopf schütteln und über ein „Ghetto für Reiche“ lästern. Die Wohnanlage befindet sich im Rechtsgebiet eines Bebauungsplans, um den zuvor jahrelang gerungen wurde, im Gemeinderat und ebenfalls vor Gericht.

Kaum war dieses Regelwerk 2008 in Kraft getreten, hatte es nicht mehr den Wert des Papiers, auf dem es stand. Denn ein ums andere Mal erteilte der frühere Gemeinderat großzügig Befreiungen vom Bebauungsplan. Der Plan hatte eine maximale Versiegelung von 20 Prozent der Fläche vorgesehen. Was in einem Quartier der Bauträger-Anlage dann aber versiegelt wurde, und zwar mit Genehmigung des Gemeinderats, wie die Stadtverwaltung 2011 gegenüber dem SÜDKURIER bestätigte, entsprach in einem Teilbereich inklusive Tiefgarage 74 Prozent der Fläche.

Pool wurde zum Symbol der Maßlosigkeit

Beim Pool war dann das Ende der Fahnenstange erreicht. Damit geriet er zu einem Symbol der Maßlosigkeit, für die die Öffentlichkeit nun wirklich kein Verständnis mehr aufbrachte. Manche blicken auch nur neidisch auf den Eigentümer. Das Recht weiß die Öffentlichkeit nun aber wieder auf ihrer Seite.

Die Verantwortlichen im Bauamt wechselten in der Zwischenzeit mehrmals. Den heute Handelnden wünscht man, dass sie der Pool täglich daran erinnert, wie wertvoll wasserdichte Bebauungspläne sind, sofern ihre Einhaltung dann auch strikt überwacht wird.