Überlingen-Lippertsreute – Wer das 150-jährige Bestehen einer Gastwirtschaft feiert, der muss sich auch auf die Wurzeln besinnen, die frühere Generationen gelegt haben. "Von einem Landgasthof wie heute oder gar einem Restaurant konnte man damals 1867 natürlich nicht sprechen", sagt Markus Keller. "Das war eher eine Vesperstube, in die man abends mal nach einem langen Arbeitstag mal ging. Zum Essen ging mal höchstens mal am Sonntag." Da war es natürlich eine glückliche Fügung, dass Bernhard Keller schon sechs Jahre zuvor im Jahr 1861 den Grundstein für eine Brauerei gelegt hatte und der Gerstensaft für die Gäste aus dem eigenen Bierkeller kam. "Es war eher ein Dunkles wegen des kalkhaltigen Brauwassers", weiß Markus Keller aus den Aufzeichnungen, die sein Onkel, Heimatgeschichtler Hermann Keller, gesammelt hat.

Die Sache mit dem Bierbrauen ging zwar schon zu Ende, als der Zweite Weltkrieg begann. Doch zumindest bei den älteren Lippertsreutern hat sich der Name "Brauerei Keller" bis heute gehalten und auch der historische Schriftzug "Gasthaus Brauerei Keller" am schmucken Gebäude trägt der Tradition noch Rechnung. Während das moderne Schild an der Einfahrt zum Anwesen schon in den Landgasthof einlädt mit seinem Kleinod Gartenwirtschaft und Terrasse.

Doch es gibt auch noch handfeste Relikte aus der Gründerzeit des Gasthauses. Unter einem großen Teil des Hofes liegt ein großer Felsenkeller, wo einst Bier und vor allem das Eis zur Kühlung gelagert wurden. Dem Naturkeller ist auch der lauschige Kastaniengarten zu verdanken, der inzwischen oben herangewachsen ist. Die flach wurzelnden Bäume kamen über dem Felsenkeller zu Recht und beschatteten den Boden. Denn das Eis herzustellen und möglichst lange aufzubewahren, war damals eine ebenso große Kunst wie das Bierbrauen selbst. Durch drei so genannte Eislöcher wurden möglichst große Blöcke über Treppen in den Keller hinunter transportiert.

"Das Bier hatte damals noch keine so hohe Qualität wie heute", sagt Markus Keller: "Da musste es zumindest gut gekühlt sein." Je nach Witterung konnte man Eisreste bis April oder sogar Mai konservieren. Das ist heutzutage einfacher. Deshalb konnte der Lippertsreuter Gastwirt beim Tettnanger Bierbrauer Tauscher getrost einen ganzen Sud als individuelles Jubiläumsbier für die geplanten Sonderveranstaltungen in Auftrag geben. "Mit der dunklen Farbe erinnert es an die ersten Biere", erklärt Keller, "und es bekommt eine würzige Hopfennote." So wird die Geschichte quasi symbolisch ins Glas eingeschenkt. Doch nicht nur das. Markus Keller bietet auf Anmeldung und besonderen Wunsch ab 18. November auch Besichtigungen des Felsenkellers an. Dazu passt im Anschluss eine Schnapsprobe zum Aufwärmen.

Großvater Josef machte noch Anfang der 1930er Jahre sein Bierbrauerdiplom in der bayerischen Hochburg Weihenstephan. Doch schon 1939 musste er mit Beginn des Zweiten Weltkriegs das Brauen aus Rentabilitätsgründen aufgeben. Währenddessen stellte Großmutter Pia die Weichen von der Schankwirtschaft zum Gasthaus, das zu einem beliebten Ausflugsziel und Treffpunkt für Überlingen und Umgebung wurde. In der Küche folgte Mutter Irmgard, die mit ihrem Mann Fridolin im Ökonomieteil des Haupthauses Fremdenzimmer einrichtete. In der Generationenfolge ist Markus Keller quasi der erste Mann als Koch. "Vor mir standen hier immer Frauen am Herd", sagt Keller, der vor elf Jahren einer der Initiatoren und Mitbegründer der Slowfood-Gruppe am Bodensee war und die Idee der regionalen und nachhaltigen Gastronomie bis heute engagiert verfolgt. Akademischer hat sich Sohn Lukas mit der Thematik befasst. Nach seinem Bachelor in Ökosystemmanagement hat der 25-Jährige im Mekka des guten Geschmacks, der Slowfood-Hochschule Università di Scienze Gastronomiche, einen Master in nachhaltiger Gastronomie absolviert. Im vergangenen Sommer hat Lukas Keller schon mal zuhause mitgearbeitet und sich Appetit geholt. Doch noch hat er keine konkreten Pläne.

Programm

Mit dem Jubiläumsprogramm erinnern Markus und Ruth Keller ab 18. November an das 150-jährige Bestehen des Gasthauses. Zum Auftakt gibt es am 18. und 19. November eine literarisch-kulinarische Schlachtplatte mit Auszügen aus dem Buch "Die letzte Sau". Zu sehen ist auch der Dokumentarfilm einer Hausschlachtung vom Schwein bis zur Wurst. Am 1. und 2. Dezember folgt das klassische Adventsmenü mit Musik und Gedichten. Das Finale bildet am 10. Dezember in der Gartenwirtschaft und im Hof der Terra-Madre-Tag, den Slowfood schon zum dritten Mal hier veranstaltet. Begleitet werden die Veranstaltungen mit einer Ausstellung historischer Bilder und Dokumente. Ausgeschenkt wird ein speziell gebrautes Jubiläumsbier. Nach Vereinbarung bietet Markus Keller Führungen durch den alten Felsenkeller und Schnapsproben an. www.landgasthofbrauereikeller.de