Zwar mit Emotionen, doch differenziert und weitgehend sachlich verlief die Auseinandersetzung mit dem Volksbegehren „Pro Biene“ beim Obsthof Kitt. Nicht nur konventionelle Landwirte formulierten ihre Sorgen vor Einschränkungen für ihre Betriebe, ja regelrechte Existenzängste.

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Auch Biobauern und Naturschützer sahen die Gesetzesinitiative teilweise kritisch. Zum einen seien die geforderten Regelungen allein nicht unbedingt geeignet, die Biodiversität zu fördern. Auf der anderen Seite sei es zu kurz gesprungen, nur die Landwirte ins Visier zu nehmen. Veränderungen müssten im Dialog mit Bauern und anderen Beteiligten erreicht werden.

Thomas Bacher, BLHV-Ortsvorsitzender: „Seit vielen Jahren steigt nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der ideelle Druck auf die konventionelle Landwirtschaft.“
Thomas Bacher, BLHV-Ortsvorsitzender: „Seit vielen Jahren steigt nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der ideelle Druck auf die konventionelle Landwirtschaft.“ | Bild: Hanspeter Walter

Seit Jahren wachse nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der ideelle Druck auf die konventionelle Landwirtschaft, klagte Thomas Bacher, Ortsvorsitzender des Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV). Vieles werde kritisch betrachtet, ja geradezu eine „mediale Front“ habe sich gebildet – vor allem gegen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, die als Verursacher für das Artensterben verantwortlich gemacht werden.

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„Dabei bekämpfen Bauern den Maiszünsler zum Beispiel schon lange biologisch mit Schlupfwespen“, verwies Bacher auf das veränderte Bewusstsein. Er appellierte an „Bauern, Naturschützer und Bürger“, gemeinsam und demokratisch die Stimme zu erheben für den Erhalt der bäuerlichen Betriebe, der „einmaligen Landschaft“ und für gesunde Nahrungsmittel.

Antonia Kitt, Landwirtin: „Wir arbeiten erfolgreich an einem Projekt zur Artenvielfalt und sind an einem Forschungsvorhaben beteiligt.“
Antonia Kitt, Landwirtin: „Wir arbeiten erfolgreich an einem Projekt zur Artenvielfalt und sind an einem Forschungsvorhaben beteiligt.“ | Bild: Hanspeter Walter

„Das Volksbegehren geht uns unter die Haut“, sagte Antonia Kitt. Insbesondere, da sich die Landwirtschaft an den Pranger gestellt fühle. Dabei geschehe auf ihrem Hof sehr viel. „Wir arbeiten erfolgreich an einem Projekt zur Artenvielfalt und sind an einem Forschungsvorhaben beteiligt“, erklärte sie. Vor diesem Hintergrund den Landwirten die alleinige Schuld am Artensterben zu geben, sei „nicht angemessen“.

Hubert Büchele, Landwirt: „So haben relativ wenig Leute die Möglichkeit, ein Gesetz durch den Landtag zu bringen, wenn es die Bevölkerung nicht interessiert.“
Hubert Büchele, Landwirt: „So haben relativ wenig Leute die Möglichkeit, ein Gesetz durch den Landtag zu bringen, wenn es die Bevölkerung nicht interessiert.“ | Bild: Hanspeter Walter

Hubert Büchele erläuterte das Prozedere des Volksbegehrens, das am 24. September mit der freien Unterschiftensamlung beginnt und dann sechs Monate läuft. Sollte die Gesetzesvorlage mit mindestens 770 000 Unterschriften in den Landtag kommen, könne der den Antrag nur unverändert annehmen oder ablehnen, erklärte Büchele: „So haben relativ wenige Leute die Möglichkeit, eine Gesetz durch den Landtag zu bringen, wenn es die Bevölkerung nicht interessiert.“

Thomas Kress, Winzer: „18 Millionen Vögel werden jährlich an Glasscheiben getötet, rund eine Million sterben durch den Autoverkehr auf den Straßen.“
Thomas Kress, Winzer: „18 Millionen Vögel werden jährlich an Glasscheiben getötet, rund eine Million sterben durch den Autoverkehr auf den Straßen.“ | Bild: Hanspeter Walter

Nur mit guten Böden könne man guten Wein machen, wandte sich Winzer Thomas Kress gegen pauschale Kritik. Winzer dürften nicht einmal mehr Pheromone zur biologischen Bekämpfung des Traubenwicklers einsetzen, erklärte Kress und hielt andere Beeinträchtigungen dagegen. „18 Millionen Vögel werden jährlich an den Glasscheiben unserer Gebäude getötet, rund eine Million sterbe durch den Autoverkehr auf den Straßen.“

Gerhard Weyers, Naturschützer und Landwirt aus Owingen: „Von einer Zwangsbeglückung halte ich wenig. Stattdessen müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen, dem Artensterben zu begegnen.“
Gerhard Weyers, Naturschützer und Landwirt aus Owingen: „Von einer Zwangsbeglückung halte ich wenig. Stattdessen müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen, dem Artensterben zu begegnen.“ | Bild: Hanspeter Walter

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Gerhard Weyers, der sich als Naturschützer und privater Landwirt versteht. Nicht jede Anbauweise auf den Feldern sei „prima“, betonte Weyers. Doch hänge die Artenvielfalt nicht davon ab, ob er biologisch oder konventionell bewirtschaftet werde, sondern von vielen anderen Faktoren. Von einer „Zwangsbeglückung“ der Bauern halte er wenig, sagt Weyers. Stattdessen müsse man gemeinsam nach Lösungen suchen, dem Artensterben zu begegnen.

Gottfried Mayer, Biolandwirt aus Lippertsreute: „Als Demokrat wünsche ich mir, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt und nach einer gemeinsamen Lösung sucht.“
Gottfried Mayer, Biolandwirt aus Lippertsreute: „Als Demokrat wünsche ich mir, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt und nach einer gemeinsamen Lösung sucht.“ | Bild: Hanspeter Walter

„Die Ziele des Volksbegehrens für den Artenschutz sind mir nicht fern“, sagte Biolandwirt Gottfried Mayer aus Lippertsreute. Es sei sicher nicht das Ziel der Initiatoren, „alle Landwirte um die Ecke zu bringen“. Auch die Verbraucher machten sich inzwischen mehr Gedanken. Genau deshalb fühlten sich viele vom Sympathieträger Biene auch angesprochen.

Aus diesem Grund räumte er dem Volksbegehren Chancen ein. Wobei er es selbst aus mehreren Gründen nicht unterstütze. „Es ist ein Hauruckverfahren“, sagte Mayer: „Als Demokrat wünsche ich mir, dass man sich gemeinsam an einen Tisch setzt und nach einer gemeinsamen Lösung sucht.“

Martin Schweizer, Imker aus Owingen: „Die Kommunen müssen ihre Bebauungspläne anpassen, Steingärten verbieten und begrünte Dächer vorschreiben.“
Martin Schweizer, Imker aus Owingen: „Die Kommunen müssen ihre Bebauungspläne anpassen, Steingärten verbieten und begrünte Dächer vorschreiben.“ | Bild: Hanspeter Walter

Imker Martin Schweizer aus Owingen brachte einen anderen Aspekt ein. Die Kommunen müssten ihre Bebauungspläne anpassen, Steingärten verbieten und begrünte Dächer vorschreiben. Schon mit einem dichteren Netz von Blühstreifen könne viel für die Biodiversität getan werden. Deshalb lehne der badische Imkerverband das Volksbegehren „Pro Biene“ ab. „Ich danke euch für die Initiative“, sagte Markus Knösel vom Hofgut Rengoldhausen.

Markus Knösel, Biolandwirt aus Rengoldshausen: „Das Volksbegehren kommt nicht von ungefähr. Es ist eine Folge davon, dass wir bisher keine gemeinsamen Lösungen gefunden haben.“
Markus Knösel, Biolandwirt aus Rengoldshausen: „Das Volksbegehren kommt nicht von ungefähr. Es ist eine Folge davon, dass wir bisher keine gemeinsamen Lösungen gefunden haben.“ | Bild: Hanspeter Walter

Ganz wichtig sei ihm der Austausch unter den Kollegen. Das Volksbegehren sei auch eine Folge davon, dass „wir dies nicht rechtzeitig geschafft haben“. Gemeinsam müsse man überlegen, „was für Anreize geschaffen werden können, dass wir gemeinsam vorwärts gehen und die Artenvielfalt entwickeln“.