Die aktuelle Sonderschau im städtischen Museum Überlingen zeigt erstmals im deutschsprachigen Raum eine umfassende Ausstellung über die Kulturgeschichte des Tierbildes aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Oberbürgermeister Jan Zeitler würdigte in seiner Ansprache zur Eröffnung am Sonntag vor allem das Engagement und die uneingeschränkte Fachkompetenz der Kuratoren Michael Brunner, dem Leiter des Kulturamtes, und Claudia Vogel, ebenfalls Kunsthistorikerin, denen mit der Unterstützung von Museumsleiter Peter Graubach eine beindruckende und schlüssig aufgebaute Präsentation gelungen sei.

Tierbilder, Menschenbilder, Weltbilder: So könnte man das Gesamtkonzept auffassen. Tiere als achtungswürdige Mitgeschöpfe des Menschen, Seelenverwandte, vertraute Begleiter, aber auch geheimnisvolle Fabelwesen, wie mythisch verbrämte Drachen. OB Zeitler sieht das Gesamtprojekt didaktisch schlüssig aufgebaut, von den Anfängen der Tierkunde in der Antike über mittelalterliche Schriften bis in die moderne Tierforschung hinein, beispielhaft an mehr als 100 Bildern, Grafiken und wertvollen Büchern anschaulich gemacht. Ein attraktives Begleitprogramm mit Vorträgen und Exkursionen ergänzt die Ausstellung. Sein Dank galt allen privaten und öffentlichen Leihgebern, allen Mitwirkenden und Sponsoren. Auch die Verbindung zur Landesgartenschau 2020 sei gegeben, schließlich ist die spektakuläre Neuansiedlung des Waldrapp geplant, ein seltener Vogel, im Mittelalter aber hierzulande wohl bekannt und verbreitet, wie eine original Handschrift aus dem 16. Jahrhundert beweist, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

Kulturamtsleiter Brunner gab in seiner Rede Einblicke in die Struktur der Ausstellung, ein dicht gestricktes Gewebe aus hochkarätigen Bildwerken unterschiedlichster Künstler und wertvoller Bücher. Die Forschungen bedeutender Naturforscher von Alexander von Humboldt (1797) über Charles Darwins Evolutionstheorie (1840), Buffon, Alfred Brehms Tierleben (1863) und Bernhard Grzimek (1950 Jahre) sind der historische Leitfaden der Ausstellung. In erster Linie will die Ausstellung aufzeigen, dass Tier und Mensch in vielfältiger Weise miteinander verbunden sind, ganz existenziell auf biologischer aber auch emotional, seelischer Ebene.

In einer Zeit, in der das Tier einerseits als geliebtes Haustier geachtet wird, werden andererseits Millionen "Nutztiere" gewinnorientiert wie Waren vermarktet: Die Ausstellung will das Rätsel zwischen Mensch und Tier entwirren, aber auch gleichzeitig wieder verrätseln durch Bildwerke der Kunst, die sich dem Tier von einer intuitiven, imaginativen Seite nähern, wie Bruno Epple mit seiner einäugigen Katzensphinx oder Rita de Muynck mit ihrem Gemälde "Vollmondkatze".

Den Ausstellungsmachern ist nach der imposanten und erfolgreichen Ausstellung über den 1. Weltkrieg im letzten Jahr wieder ein großer Wurf gelungen, eine Ausstellung mit Tiefgang, ausgestattet mit kostbaren, einmaligen Exponaten, didaktisch schlüssig aufgebaut, Anziehungspunkt weit über die Region hinaus. Die Vernissage wurde musikalisch hochkarätig untermalt durch das Saxophontrio der hiesigen Musikschule mit Lea Haag, Christian Pautsch und Maximilian Lemke.

Die Sonderschau im Städtischen Museum Überlingen läuft noch bis zum 16. Dezember 2017 und ist geöffnet von Dienstag bis Samstag 9 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 15 Uhr. Montags geschlossen.