Nicht erst beim Herbstfest im Haus der Vereine an der Langgasse haben die dort angesiedelten Clubs ihre Vitalität präsentiert. Schon seit mehreren Jahren kämpfen der Judosportverein, das Karate Dojo, der Tanzsportclub Blau Gold und einige andere um ihr Domizil im Telekom-Gebäude, das vor vier Jahren der Investor Betz und Weber Baupartner samt des angrenzenden Geländes erworben hatte.

Erste Kündigung kam zum 30. Juni 2016

Die erste Kündigung war den Vereinen schon zum 30. Juni 2016 ins Haus geflattert. Doch geht es im Moment vor allem um die Höhe der Miete. Der aktuelle Vertrag, der die Vereine finanziell stärker belastet als zuvor, lief Ende Juni aus. Die Nutzer sind weiter geduldet, doch der Einsatz der Aktiven ist immer noch eine Hängepartie.

Neugründung trotz unsicherer Zukunft

Ungeachtet der unsicheren Zukunft ist sogar eine neue Gruppierung mit dem Namen „Urban Jungle“ entstanden, wie Dieter Faulhammer vom Karate-Dojo und Volker Epting vom Aikido-Verein am Rande des Festes erläuterten, bei dem sich die Vereine mit ihren Angeboten präsentierten. Mit einem eigenen „integrativen urban gardening“ Projekt wollen die Nutzer das Umfeld des Vereinshauses attraktiver machen. „Ein grüner, sonniger Platz, ein idyllischer Garten unter Bäumen“ sollen entstehen und zu einer „grünen Oase für Biodiversität“ werden. Am liebsten würde die Gruppe das Dach des Hauses begrünen.

Dieter Faulhammer (links) vom Karate-Dojo und Volker Epting mit der neuen Aikido-Schule kämpfen mit großem Einsatz um das Domizil. Mit dem „Haus der Vereine“ haben sie einen Verein zur Verwaltung des Hauses gegründet und werden von Christian Sellerbeck unterstützt.
Dieter Faulhammer (links) vom Karate-Dojo und Volker Epting mit der neuen Aikido-Schule kämpfen mit großem Einsatz um das Domizil. Mit dem „Haus der Vereine“ haben sie einen Verein zur Verwaltung des Hauses gegründet und werden von Christian Sellerbeck unterstützt. | Bild: Hanspeter Walter

Pro Woche kommen 600 bis 800 Sportler

Zwischen 600 und 800 Sporttreibende nutzen insgesamt rund 1500 Quadratmeter in dem Gebäude wöchentlich, einige Einrichtungen und Vereine haben hier ein Verwaltungsbüro, wie der Alpenverein, oder veranstalten Kurse, wie das Christliche Jugenddorfwerk (CJD).

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Mietvertrag ist abgelaufen

Der Eigentümer hatte die Miete bislang mit 5 Euro netto pro Quadratmeter plus Nebenkosten kalkuliert, was sich beim Judosportverein mit rund 400 Quadratmetern auf rund 2000 Euro pro Monat summiert. Nach Auslaufen des Mietvertrags gibt es keine schriftliche Grundlage mehr. Doch sind die Vereine im Gespräch mit Hans-Peter Betz und die Konditionen laufen weiter.

Neuer Dachverein kümmert sich um Verwaltung

Betz hatte eine Reduktion um 2 Euro in Aussicht gestellt, wenn die Verwaltung der Vereinsräume in einer Hand zusammenlaufe. Die Stadtverwaltung könne das nicht übernehmen, war aus dem Rathaus zu hören gewesen. Dieter Faulhammer, Volker Epting und Christian Sellerbeck suchten daher eine alternative Lösung, indem sie mit wenigen Mitstreitern einen Verein „Haus der Vereine“ als Ansprechpartner für den Eigentümer gründeten.

Problem: Risiko für Leerstände liegt beim Dachverein

Dies würde allen Beteiligten 40 Prozent der Nettomiete ersparen, allerdings übernehme dieser Dachverein mit dem Gebäudemanagement auch die Verantwortung für alle und „geht auch ins Risiko“, sagt Faulhammer. „Wir müssen entstehende Leerstände kompensieren und gegebenenfalls Nachfolgemieter suchen.“ Schon zum letzten Jahreswechsel war unter anderem die Chorgemeinschaft ausgezogen, deren Ensembles in den Schulen der Stadt eine Heimat gefunden haben, aber auch der Boxclub.

Der Judosportverein hat die größte Fläche gemietet und findet große Resonanz auch bei den Jüngsten.
Der Judosportverein hat die größte Fläche gemietet und findet große Resonanz auch bei den Jüngsten. | Bild: Hanspeter Walter

Vereine hoffen weiter auf Unterstützung der Stadt

Dennoch sind Dieter Faulhammer und Volker Epting noch immer zuversichtlich, zumal die Vereine im Telekom-Haus aufgrund der entstandenen Probleme eine „gemeinsame Basis“ gefunden hätten. Allerdings hoffen die Vereine nach wie vor auf Schützenhilfe der Stadt, die ihnen das Überleben erleichtern könnte. „Absichtserklärungen von Stadt und Gemeinderat haben wir schon viele gehört“, sagt Volker Epting, der hier zu Beginn des Jahres eine Aikido-Schule gegründet hat: „Was wir nun brauchen, sind Fakten. Denn uns fehlt einfach die Planungssicherheit.“

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Kritik am Ratsbeschluss, Sozialquote vom Investor zu fordern

Als Querschläger bei den Bemühungen um eine tragfähige Lösung mit dem Eigentümer sehen Faulhammer und Epting den Beschluss des Gemeinderats vom Mai, von dem Investor bei der Bebauung der angrenzenden Freifläche eine Sozialquote von 30 Prozent einzufordern. Nicht weil sie grundsätzlich etwas gegen dieses Instrument hätten, sondern weil es an dieser Stelle die Rahmenbedingungen für den Investor verändere. „Wir wissen sehr gut, dass die Stadt und der Gemeinderat keine Koppelungsgeschäfte machen dürfen“, betont Faulhammer. „Das weiß auch der Vermieter.“ Ungeachtet dessen könnten die Vereine dessen Argumentation nachvollziehen.

„Vereine zahlen mit Miete Sozialquote der Stadt“

„Die Tatsache, dass hier erstmals eine Sozialquote beschlossen wurde, schlägt sich auf unsere Mieten nieder.“ Wie stark, auch da hat Dieter Faulhammer schon Kenntnis. „Das macht rund 1,50 Euro pro Quadratmeter aus“, sagt er. „Letztlich bezahlen die Vereine mit ihrer Miete die Sozialquote der Stadt.“ Umso mehr hoffen Faulhammer und Epting, dass die Stadt den Vereinen etwas unter die Arme greife, zumal sie keine Alternativen anbieten kann. „Dann finanziert eben die Stadt ihre eigene Sozialquote.“

Doch selbst wenn das ganze Projekt scheitern und das Engagement umsonst gewesen sein sollte, gibt Dieter Faulhammer den unverbesserlichen Optimisten: „Dann hätten die Vereine dennoch gewonnen durch die entstandene Kooperation und den Zusammenhalt.“

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