Die Zielvorgabe ist klar: "Wir wollen eine echte Alternative für die verkrusteten Strukturen im Gemeinderat sein", sagte Dirk Diestel, der später zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, bei der Gründungsversammlung des Vereins BÜB+ (Bürger für Überlingen). Der Bedeutung des Begriffs "Alternative" bewusst, schob er schnell hinterher: "Mit anderen Alternativen haben wir absolut nichts gemeinsam." Um Parallelen zur AfD zu vermeiden, zitierte Kristin Müller-Hausser, zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, zugleich aus der Satzung des neu gegründeten Vereins: "Personen, die offen oder verdeckt rassistisches Gedankengut verbreiten, die Menschen auf Grund ihrer Herkunft, Religion oder individueller Merkmale diskriminieren oder ablehnen, sind bei uns nicht willkommen." Weiter heißt es dort: "Wir als BÜB+ kümmern uns ausschließlich um kommunale Belange der Stadt Überlingen und ihrer Bürger."

Die Gründung des Vereins erfolgte einstimmig.
Die Gründung des Vereins erfolgte einstimmig. | Bild: Deck, Martin

Und hiefür ist der neue Verein breit aufgestellt. Im Vorstand sitzen unter anderem ein Professor für Fahrzeugtechnik (Peter Schmid), ein Wirtschaftsjurist (Holger Schappeler) eine Übersetzerin (Annemarie Marocco-König) und ein Berufschullehrer (Rolf Briddigkeit). Das politische Spektrum recht von links bis konservativ und liberal. Weniger ausgeglichen ist die Altersstruktur. Mit Florian Jekat (34) war nur ein jüngeres Mitglied anwesend. Dafür sind die Themen, für die sich die Wählervereinigung einsetzen möchte, vielfältig: Unterstützung für sozial Schwache, Erhalt der historischen Altstadt und mehr Transparenz bei Entscheidungen der Verwaltung, des Gemeinderats und der Aufsichtsräte der städtischen Tochtergesellschaften.

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Damit stellt sich die BÜB+ nicht nur namentlich in die Tradition der BÜB ("Bürgergemeinschaft für Überlingen"), die 2016 gegen die Fällung der Platanenallee in der Bahnhofstraße kämpfte und einen Bürgerentscheid zum Erhalt erwirken wollte. "Das ist aber alles Geschichte und das lassen wir hinter uns", sagt Diestel. Die Entscheidung, denn Namen weiterzuführen, sei dennoch bewusst gefallen. "BÜB ist eine starke Marke mit einem guten Ruf."

Das sieht auch Roland Biniossek so, der bislang noch für die Linke im Gemeinderat sitzt, und sich im Frühjahr der neuen Gruppierung angeschlossen hat. Mit seiner Partei sei das abgesprochen, sagte er auf Nachfrage. Auch wolle er sich noch offen lassen, ob er erneut für die Linke für den Kreistag kandidiert. Etwas überraschend verzichtete er bei der Gründungsversammlung der BÜB+ auf einen leitenden Posten. Er wurde gemeinsam mit vier weiteren Mitstreitern zum Beisitzer gewählt – und erklärte anschließend, weshalb er keine größere Rolle im Vorstand spielt: "Wir haben darüber diskutiert und kamen zu dem Schluss, dass es am Besten sein wird, wenn ich in den ersten zwei Jahren den Fraktionsvorsitz übernehme." Auch Dirk Diestel sagt: "Roland ist der einzige von uns mit Gemeinderatserfahrung. Wir brauchen sein Wissen."

Rund 40 Bürger waren bei der Gründungsversammlung anwesend.
Rund 40 Bürger waren bei der Gründungsversammlung anwesend. | Bild: Deck, Martin

Die Aussagen zeigen, wie selbstbewusst die neue Wählervereinigung vor der Kommunalwahl im nächsten Jahr auftritt. Um den Status einer Fraktion zu erreichen, benötigt es drei Sitze im Stadtparlament. Nur Fraktionen dürfen auch Anträge stellen. Der neue Vorsitzende Diestel sagt deshalb: "Das Ziel heißt drei Plätze plus X." Sowohl er als auch Biniossek sind davon überzeugt, dass die BÜB+ das schaffen wird.

Doch zuvor heißt es für die BÜB+, Wahlkampf zu machen und Mitglieder zu finden. Diese seien neben der politischen auch für die finanzielle Unterstützung wichtig. Auch deshalb habe man sich für die Gründung eines Vereins entschieden – daraus macht Diestel keinen Hehl und verweist auf seine Erfahrungen im Kampf gegen die Platanenfällung. Dieser habe die BÜB rund 15 000 Euro gekostet, allein die drei Sprecher Diestel, Briddigkeit und Müller-Hausser hätten jeweils rund 3000 Euro investiert. "Ein Wahlkampf kostet extrem viel Geld." Spätestens im Januar will der Verein in diesen voll einsteigen.

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