Das Kino Überlingen zeigt in den nächsten Tagen den Film "Vaxxed" des Briten Andrew Wakefield, einem Impfgegner. In Wikipedia wird der Film als "Propagandafilm" bezeichnet. Kinobetreiberin Nicole Lailach ist sich bewusst, dass sie sich auf ein "superschwieriges Thema" einlässt. Der Film sei "kein Propagandafilm", sagte sie, ihr gehe es darum, den Besuchern eine Informationsplattform zu eröffnen, damit sie sich ein eigenes Urteil bilden können. "Wir sind eines der wenigen Kinos in Deutschland, die diesen Film zeigen", so Lailach. "Die Möglichkeit der Informationsaufnahme sollte in einem so aufgeklärten Land wie Deutschland möglich sein." Lailach zeigt den Film in Kooperation mit dem "Impfkritischen Stammtisch Aach Linz", der nach dem Film zur Diskussion mit den beiden Impfkritikern Hans U. P. Tolzin sowie Andreas Bachmair bittet, einem Medizin-Journalisten und einem klassischen Homöopathen. Impfbefürworter stehen nicht auf dem Podium, sie sei aber noch auf der Suche nach einem entsprechenden Vertreter, sagte Lailach gestern.

Innerhalb der medizinischen Fachöffentlichkeit wird der Film kritisch gesehen. „Die dort aufgestellten Behauptungen halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand“, lautet die Einschätzung von Dr. Bernhard Kiß, dem Leiter des Gesundheitsamtes im Bodenseekreis. In dem Film wird der Behauptung nachgegangen, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) und dem Auftreten von autistischen Störungen. Außerdem wird behauptet, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) Daten zurückgehalten habe.

Wie Bernhard Kiß mitteilt, sei in Wakefields Untersuchung kein Zusammenhang nachgewiesen worden, es sei ein möglicher Zusammenhang nur „postuliert“, also ohne Beweis behauptet worden. Trotzdem sei es nach der Veröffentlichung der Studie 1998 in der Folgezeit in Großbritannien zu einem Rückgang der MMR-Impfquote und damit zu einem Anstieg von Masernfällen gekommen. Wie Kiß weiter mitteilt, zogen 2004 zehn der 13 Autoren der Studie ihre Interpretation offiziell zurück, Wakefield sei 2010 in Großbritannien die ärztliche Zulassung entzogen worden.

Es stehe in Deutschland jedem frei, seine Meinung zu äußern, sagt Kiß. Die Auswahl der Filme obliege dem Kinobetreiber. Er weist auf diese Informationen aber dezidiert hin, weil er befürchtet, dass bei einer einseitigen Information der Film Ängste vor der MMR-Impfung und vor Impfungen generell wecken könne. Das Gesundheitsamt betrachte Impfungen "als einen der größten Meilensteine in der Geschichte der Medizin".

Informationen zu den Vorführungen unter www.kino-ueberlingen.de, zum Thema Impfen unter www.rki.de (Robert-Koch-Institut)

 

 

 

 

 

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