Überlingen/Stetten – Rosenmontag, Veilchendienstag – und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Damit das nicht für die Beziehung zutrifft, sollten die ernüchterten Narren sich schleunigst um Blumen für die Liebste kümmern. Dass in diesem Jahr der Valentinstag ausgerechnet auf den Aschermittwoch fällt, ist auch für die Blumenhändler nicht ideal. "Die Kombination ist für uns ungünstig, da wahrscheinlich viele erst heute kommen werden", sagt Antje Herfurth. Die Floristikmeisterin betreibt seit zehn Jahren mit ihrem Mann das Blumenhaus. "Der Tag wird für uns stressig, da wir jedem Kunden einen besonderen Strauß bieten wollen und genug Ware sowie Personal vorhalten müssen."

Wer meint, am Valentinstag könnten sich die Blumenhändler die berühmte goldene Nase verdienen, liegt falsch. Da sind sich Antje Herfurth und ihr Kollege Hansjörg Schäfer einig. "Die Preise für Rosen sind im Einkauf teilweise um das Dreifache höher", erläutert der Inhaber von "Flowerpower". "Das können wir nicht weitergeben, ohne die Kunden zu verärgern. So machen wir zwar mehr Umsatz an diesem Tag, aber meistens nicht mehr Gewinn."

Auch die Kunden entsprechen nicht dem Klischee des Valentinstags. Antje Herfurth hat die Erfahrung gemacht, dass gerade junge Männer genau wissen, was sie wollen. Sollte doch jemand unsicher sein, helfen die erfahrenen Floristen weiter. "Wir fragen beispielsweise nach der Lieblingsfarbe der Beschenkten und oft passt ein kräftiges Pink besser zu der Dame als die rote Rose", weiß Hansjörg Schäfer. Ebenso out ist es, Blumenarten mit Botschaften zu verbinden. In Zeiten der digitalen Kommunikation sei das passé, meint Antje Herfurth: "Heute wird gekauft, was gefällt, und den Kunden dabei zu beraten, ist eine reizvolle Aufgabe."

In Überlingen gibt es eine große Auswahl an Fachgeschäften, die unterschiedliche Schwerpunkte bieten. So können sie sich trotz der wachsenden Konkurrenz halten, schließlich bieten auch Discounter und Tankstellen Schnittblumen an. Allerdings in einer anderen Qualität, wie die Floristen betonen. Sie kaufen ihre Ware bei Großhändlern, die sie zum Teil schon lange kennen, und versuchen, so viel wie möglich aus regionalem Anbau anzubieten. Ein Beispiel sind Gewächshaus-Tulpen von der Reichenau, die schon in den Läden stehen. Dazu gibt es bei ihnen vor allem fair gehandelte Ware. "Die Branche ist in Sachen Fairtrade wesentlich sensibler geworden", betont Hansjörg Schäfer.

Das sieht auch Uwe Brockner so, Inhaber des Gartencenters Schupp in Stetten bei Meersburg. Natürlich würden die Supermärkte den Blumengeschäften das Leben schwer machen, doch in punkto Service, Vielfalt, Individualität und vor allem Qualität habe ein Blumenladen klare Vorteile. Deshalb hat sich Brockner zu einem mutigen Schritt entschlossen: Er eröffnet heute in Friedrichshafen einen Blumenladen und kommenden Mittwoch, 21. Februar, ein Blumengeschäft in Oberuhldingen. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Blumengeschäfte nicht aussterben“, sagt er. Da Uwe Brockner mit seinem Gartencenter in Stetten und den beiden Blumenläden nun drei Verkaufsstellen für frische Schnittblumen hat, könne er im Einkauf einen besseren Preis erzielen, so dass er zuversichtlich ist, den Supermärkten die Stirn zu bieten. Außerdem wolle er die Arbeitsplätze für Floristen und Gärtner sichern.

Eben da hapert es bei Hansjörg Schäfer. Er steht im Moment vor der Herausforderung, geeignetes Personal zu bekommen. Das Problem hat Antje Herfurth nicht – die Floristikmeisterin beschäftigt drei Azubis. Ihr Engagement in der Ausbildung hat ihr im vergangenen Jahr das Amt der Vizepräsidentin in der Landessektion des Fachverbands Deutscher Floristen eingebracht. So kann sie ihre Liebe zum Beruf weitergeben: "Blumen passen immer. Sie sprechen fast alle Sinne an und sie haben keine Kalorien!"

Ursprung Valentinstag

Es gibt verschiedene Theorien, wo der Ursprung des Valentinstages liegt. Fest steht, dass er nicht von der Floristikbranche erfunden wurde. Eine Version geht auf den Priester und Märtyrer Valentin von Rom zurück. Er soll im dritten Jahrhundert trotz Verbots Paare kirchlich getraut und ihnen Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Im antiken Rom war der 14. Februar der Tag der Göttin Juno, der Schützerin von Ehe und Familie. Ab dem 15. Jahrhundert schickten sich in England an diesem Tag sogenannte Valentinspaare dekorierte Karten. Auswanderer nahmen den Brauch mit in die Vereinigten Staaten von Amerika und nach dem Krieg wurde er auch in Europa populär. Daran sollen die Blumen- und Süßwarenindustrie dann aber einen Anteil gehabt haben.