„Heute hatte ich eine Beratung mit einem getrennten Paar“, berichtet Josefa Gitschier, Leiterin der Beratungsstelle. „Das Gespräch konnten wir zu dritt per Video-Konferenz führen. Das hat ganz gut geklappt.“

Austausch mit anderen Institutionen

Gerade in diesen Krisenzeiten wollen sie für Ratsuchende da sein und haben die Zeiten, in denen sie telefonisch erreichbar sind, ausgebaut. „Wir stehen im Austausch mit anderen Institutionen wie dem Jugendamt oder der Diakonie“, erzählt Gitschier weiter. Dabei gehe es auch darum, voneinander zu lernen und die besten technischen Lösungen zu finden. „Zum Teil bekommen wir auch gute Tipps von unseren Klienten.“

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Mit digitalen Alternativen lassen sich aber nicht alle Termine ersetzen. So fallen die Gruppenangebote weg. Dazu müsse das Gegenüber schon mit dem Berater vertraut sein. „Mit Kindern ist es schwieriger, Beratungen am Telefon zu machen“, sagt Psychologe Karsten Knapp. „Wir versuchen aber, die Kontaktintensität über die technischen Lösungen aufrecht zu erhalten.“

Auf die Frage, was den Menschen in der Krise vor allem zu schaffen macht, nennt Josefa Gitschier die Problematik, vor der getrennt lebende Eltern gerade stehen. Sie müssen wegen der geschlossenen Kitas und Schulen die Betreuung neu regeln. Auch der eingeschränkte Bewegungsradius und die viele Zeit im Rahmen der Familie machen einigen zu schaffen. „Eltern werden gerade gefordert“, betont Josefa Gitschier. Ihr Kollege empfiehlt den Familien, sich eine Struktur für den Tag zu geben. Wenn der eingespielte Rhythmus wegfällt, müsse ein neuer her.

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So ein Tagesprogramm sollte die Zeit des Aufstehens regeln und die Phasen, in denen die Kinder sich mit Lerninhalten beschäftigen genauso terminieren wie die Essenszeiten. In einen solchen Plan gehören auch die Zeitfenster für allein sowie gemeinsam verbrachte Freizeit. Gleiches gelte für die Medienzeiten.

Struktur und Aufgaben bieten Verlässlichkeit

„Eine Struktur bietet Verlässlichkeit und die Kinder können sich darauf einstellen“, sagt Karsten Knapp. Dazu rät er, den Nachwuchs je nach Alter an den Aufgaben des Haushalts zu beteiligen. So könnten sie beispielsweise einmal in der Woche für das Mittagessen zuständig sein. „Es geht darum, die Situation konstruktiv und miteinander zu bewältigen.“

Füreinander da sein und sich gegenseitig unterstützen

Die allgegenwärtige Krise mit ihren vielen Einschränkungen löst bei vielen Kindern Ängste aus. Karsten Knapp rät dazu, die Sorgen ernst zu nehmen und das Thema offen anzusprechen. „Wichtig ist es, den Kindern altersgerechte Informationen auf sachlicher Ebene zu geben und aufzeigen, was die aktuellen Maßnahmen als Schutz leisten können. Die zentrale Botschaft sollte jetzt sein, dass man sich gegenseitig unterstützt und füreinander da ist.“