Das Team am Affenberg betreut viele Brutpaare und beobachtete auch die Arbeiten am Horst in luftiger Höhe. Dabei wurde bekannt, dass die Nachwuchs-Bilanz bislang sehr gemischt ausfällt  und viele Küken wohl nicht durchkommen werden.

Mitarbeiter der Netze BW, einer Tochter des Energieunternehmens EnBW, beringten am Freitagmorgen zwei Jungstörche auf einem gut 40 Meter hohen Strommasten im Gewerbegebiet. Die Beringung dient dazu, die Tiere auf ihrem weiteren Lebensweg verfolgen und damit Schlüsse über ihr Verhalten und ihre Gefährdung ziehen zu können.

Ohne eine gewisse Anspannung geht‘s nicht: Der Hochspannungs-Meister der EnBW bei seiner Arbeit in schwindelerregender Höhe.
Ohne eine gewisse Anspannung geht‘s nicht: Der Hochspannungs-Meister der EnBW bei seiner Arbeit in schwindelerregender Höhe. | Bild: Hilser, Stefan

Das Wiederansiedlungsprojekt für die vom Aussterben bedrohten Störche ist damit noch lange nicht beendet, wie Roland Hilgartner, der Leiter des Affenbergs, an dem rund 50 Brutpaare betreut werden, immer wieder betont. Auch wenn rund um Überlingen die Zahl der Vögel groß zu sein scheint, in Baden-Württemberg sind sie praktisch immer noch von der Bildfläche verschwunden.

Hier beugt sich Rainer Sauter über den Horst mit den Jungvögeln. Während seiner Arbeit sind drei Leitungen vom Stromnetz genommen worden.
Hier beugt sich Rainer Sauter über den Horst mit den Jungvögeln. Während seiner Arbeit sind drei Leitungen vom Stromnetz genommen worden. | Bild: Hilser, Stefan

Umso begeisterter war Ulrich Stark, der Pressesprecher der EnBW, der von Stuttgart an den See gefahren kam, um Beringung zu beobachten. „Ich habe so etwas noch nie geseshen“, sagte er. „Das sind so wundervolle Tiere, und sie sind ein wichtiges Symbol für den Arten- und Naturschutz.“

„Störche sind wichtige Symbole.“Ulrich Stark, Sprecher der EnBW, während einer Beringungsaktion in Überlingen
„Störche sind wichtige Symbole.“Ulrich Stark, Sprecher der EnBW, während einer Beringungsaktion in Überlingen | Bild: Hilser, Stefan

Während Rainer Sauter, mit Klettergurten gesichert, auf den Hochspannungsmasten stieg, flüchteten die Altvögel. Die beiden Küken im Nest stellten sich tot, bis Sauter ihnen die Ringnummern DER A4 L48 und DER A4 L49 um die Beinchen gelegt hatte. Sauter ist Hochspannungs-Meister.

Die Störche sind nicht ihrem Partner, sondern ihrem Horst treu. Die ersten ankommenden Störche liefern sich normalerweise noch keine Revierkämpfe, wenn jüngere Vögel ohne festen Horst nachziehen, kann es dann zu Flügelkämpfen kommen.
Die Störche sind nicht ihrem Partner, sondern ihrem Horst treu. Die ersten ankommenden Störche liefern sich normalerweise noch keine Revierkämpfe, wenn jüngere Vögel ohne festen Horst nachziehen, kann es dann zu Flügelkämpfen kommen. | Bild: Picasa

Sauter bewies absolute Schwindelfreiheit, als er über die Auslieger des Mastens bis zum Horst spazierte. Über ihm und den Jungvögeln schwebte eine Kameradrohne des ZDF, das mit einem Redaktionsteam die Arbeiten begleitete. Für die „Drehscheibe“ ist ein Beitrag über die Arbeit in luftiger Höhe geplant.

Noch ein Beispiel für einen Horst in spektakulärer Höhe: Jungvögel auf dem über 30 Meter hohen Ziegelkamin der Alten Fabrik in Uhldingen-Mühlhofen.
Noch ein Beispiel für einen Horst in spektakulärer Höhe: Jungvögel auf dem über 30 Meter hohen Ziegelkamin der Alten Fabrik in Uhldingen-Mühlhofen. | Bild: Hilser, Stefan

Am Boden verfolgte Sylvia Altheimer, die Storchenbeauftragte des Affenbergs, die Aktion. Sie berichtete, dass im Betreuungsgebiet des Affenbergs fast 20 Brutpaare auf Strommasten nisten – und jedesmal muss ein Spezialist, entweder der Netze BW oder des Stadtwerks, die Beringung vornehmen, die sonst vom Affenberg selbst geleistet wird. „Für uns ist das Ehrensache“, sagte Stark. „Wer soll es auch sonst machen?“

Wie anmutig: Ein Storch am Affenberg, wo alleine rund 50 Brutpaare leben.
Wie anmutig: Ein Storch am Affenberg, wo alleine rund 50 Brutpaare leben. | Bild: Hilser, Stefan

Das Storchenjahr 2019 zeigt sich gemischt. In einer vorläufigen Schätzung geht Altheimer davon aus, dass im nassen Mai rund ein Drittel der Brut verendete. Der Affenberg betreut rund 120 Storchenpaare, und wenn jetzt kein neuer Kälteeinbruch mehr kommt, schätzt Altheimer, dass rund 150 Jungvögel durchkommen werden.