Der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer versah 2014 sein Auto mit der Beschriftung „Stadt Zürich – Amt für Ironie“. Das findet Erstere nicht lustig. Doch Meyer ist nicht nur Fachmann für Ironie, sondern ebenso für Effizienz. Das bewies er auch, als er im Rahmen des WortMenues in der Naturata am Sonntagmorgen aus seinem Buch „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ las.

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Denn anschließend nahm Meyer gleich die drei häufigsten Publikumsfragen vorweg, die man ihm zu seinem Erfolgsroman stelle, den er in einer Mischung aus Deutsch und Jiddisch verfasste. Meyers 2012 erschienenes Buch über einen orthodoxen Zürcher Juden, den seine dominante Mutter unbedingt mit einer Jüdin verkuppeln will, entwickelte sich zum Bestseller, der 2017 auch verfilmt wurde. Der Streifen ist bisher aber aus rechtlichen Gründen nur in der Schweiz zu sehen, wie Oswald Burger informierte, der Meyer vorstellte.

Schon als Fünfjähriger von Buchstaben fasziniert

Zu dessen Werk zählt auch der Essay-Band „Trennt Euch“ über „inkompatible Beziehungen“. Damit kannte sich der Autor bereits als Fünfjähriger aus, der gleichermaßen auch schon von Buchstaben fasziniert war. So beschreibt es Meyer jedenfalls in „einem Text über meinen Werdegang“. Während die Eltern streiten, kritzelt der Kleine, der zwischendurch nachfragt, wie man „sch“ oder „ch“ schreibt, eine Botschaft: „Bappi, du bisch es Arschloch.“ Später verkündet der Spross: „Ihr müsst euch scheiden lassen.“ Ist das tatsächlich autobiografisch?

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Jedenfalls ist das eine der drei Top-Fragen zu Meyers „Wolkenbruch“-Roman, dessen Fortsetzung im Herbst erscheinen wird und dessen Motiv dem Tattoo-Fan Meyer wortwörtlich unter die Haut (der linken Hand) gegangen ist. Sie kommt gleich nach: „Sind Sie Jude?“

Ist das tatsächlich autobiografisch?

Meyer hat eine jüdische Mutter, ist nach dem Religionsgesetz, der Halacha, also Jude, obwohl sein Vater – anders als der Vater des Romanhelden Motti – kein Jude ist. Also ist das auch nicht autobiografisch? „Nein, das ist nicht meine Geschichte.“ Meyer wuchs auch, ebenfalls im Gegensatz zu Motti, nicht orthodox auf. „Religion und ich können nicht miteinander“, sagt Meyer.

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Doch dann kommt Meyers Mutter ins Spiel, die nach der Lektüre des Romans meinte: „Ich hab‘ mich auf jeder Seite erkannt.“ Und auch eine Gesprächstherapeutin sagte ihm auf den Kopf zu: Motti, „das sind Sie!“ Seither antworte er auf die Frage: Autobiografisch? „Möglicherweise finden sich punktuelle Stellen.“ Dritthäufigste Frage: „Was sagen orthodoxe Juden in Zürich zu Ihrem Buch?“ Ein unorthodoxer Orthodoxer habe das mal so formuliert: „Wissen Sie, offiziell hat das keiner gelesen.“